Ratgeber

Gesünder essen? Wohl weniger Zucker in Fertigprodukten

Zucker in Würfelform liegt am auf einem Tisch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

In Produkten für Kinder steckt mitunter mehr Zucker als in denen für Erwachsene.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild)

Für eine gesündere Ernährung sollen Fertigprodukte mit weniger Zucker, Fett und Salz auskommen. Um bei "Dickmachern" gegenzusteuern, sollen Hersteller zu schrittweisen Zutaten-Änderungen bis 2025 verpflicht werden. Bundesernährungsministerin Klöckner sieht die Industrie auf einem guten Weg.

Hersteller-Zusagen für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zeigen nach Angaben von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner Wirkung - sie sieht aber weiteren Handlungsbedarf. "Es geht in die richtige Richtung", sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung erster Daten. So ging laut einer Erhebung des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts (MRI) der Zuckergehalt bei speziell für Kinder beworbenen Joghurtzubereitungen seit 2016 um 7,4 Prozent zurück. Er sei aber weiter höher als in Produkten, die nicht extra für Kinder angepriesen werden. "Da muss die Wirtschaft nachsteuern."

Hintergrund ist eine vom Bundeskabinett Ende 2018 beschlossene "Reduktionsstrategie". Sie sieht vor, dass sich Hersteller zu schrittweisen Zutaten-Änderungen bis 2025 verpflichten. So soll in Frühstückscerealien für Kinder eine Reduzierung um mindestens 20 Prozent erreicht werden. In gesüßten Milchprodukten für Kinder und Erfrischungsgetränken sollen es minus 15 Prozent sein. Dabei sollen Rezepturen nach und nach umgestellt werden, damit es beim gewohnten Geschmack für die Kunden keine abrupten Änderungen gibt. Fortschritte bei den Reduzierungen bis 2025 sollen regelmäßig beobachtet werden.

Nutri-Score-Logos gefordert

Um die Wirksamkeit der freiwilligen Branchenzusagen nachzuvollziehen, hat das MRI eine erste Vergleichsuntersuchung gemacht. Klöckner sagte, über Selbstverpflichtungen zeigten sich in vielen Bereichen sogar schnellere Veränderungen, als gesetzliche Regelungen sie gebracht hätten. Zugleich schloss sie solche Eingriffe nicht aus, wenn Ziele nicht eingehalten werden. Verbraucherschützer und Mediziner kritisieren das Vorgehen auf freiwilliger Basis und fordern stärkeres Gegensteuern auch mit Werbebeschränkungen oder Extra-Steuern.

Vor allem die Verbraucherorganisation Foodwatch, die Verbraucherzentralen, aber auch mehrere Medizinverbände hatten sich in der Vergangenheit für die verpflichtende Einführung des Nutri-Score-Logos eingesetzt und Klöckner zum Teil sehr deutlich aufgefordert, im Kampf gegen Fehlernährung keine Zeit mehr zu verlieren und Nutri-Score schnellstmöglich einzuführen.

Das in Frankreich eingeführte System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - in einer fünfstufigen Skala von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zu einem roten "E" für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Einige Hersteller in Deutschland haben ihre Produkte freiwillig mit dem Logo gekennzeichnet.

In Deutschland gelten 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Verbraucherschützer und Mediziner kritisieren das Vorgehen auf freiwilliger Basis und fordern seit Längerem ein stärkeres Gegensteuern auch mit Werbebeschränkungen oder Extra-Steuern.

Quelle: ntv.de, awi/dpa