Wie werde ich...

Wie werde ich ...? Steuerfachangestellter

Belege abheften und Zahlen abtippen? Steuerfachangestellte haben einen vielfältigeren Beruf, als man vermuten könnte. Sie managen einen Steuerfall von der Buchhaltung über das Erstellen der Steuererklärung bis zur Prüfung des Steuerbescheids.

Damit sind sie unentbehrliche Mitarbeiter des Steuerberaters. "Wir sind keine Buchhalter-Typen mit Ärmelschonern", sagt Steuerberater Wolfgang Wawro. "Es handelt sich um eine qualifizierte, interessante Ausbildung." Auch Harald Grürmann, Präsidiumsmitglied der Bundessteuerberaterkammer, wirbt für den Beruf: "Trocken, wie manche meinen, ist der Beruf des Steuerfachangestellten überhaupt nicht."

Deutlich weniger Auszubildende

Die Anzahl der Auszubildenden ist in den vergangenen 16 Jahren um rund ein Drittel zurückgegangen. Das liegt nach Angaben von Wawro vor allem daran, dass die Kanzleien keine geeigneten Bewerber finden. "Die Ansprüche der Arbeitgeber sind nicht gering." Vor allem gutes Deutsch sowie ein souveränes Auftreten gehören zu den Grundvoraussetzungen. "Wer ein Faible für Zahlen hat, sich gut ausdrücken kann und außerdem gerne mit Menschen umgeht, hat gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz", ergänzt Harald Grürmann. Rund 57 Prozent der Azubis haben Abitur oder Fachhochschulreife.

Steuerfachangestellte unterstützen den Steuerberater bei allen Tätigkeiten und arbeiten dabei Wawros Angaben zufolge weitgehend selbstständig: "Die Verantwortung hat natürlich der Steuerberater. Aber er kann nicht jede Buchung noch einmal kontrollieren." Trotz der anspruchsvollen Ausbildung sei die Abbrecherquote nicht besonders hoch, sagt Lothar Zindel, zuständig für berufliche Bildung bei der Gewerkschaft Verdi in Berlin. Rund 82 Prozent der Azubis halten laut offizieller Statistik bis zum Ende durch.

Dreijährige Ausbildung

Die Ausbildung zum Steuerfachangestellten dauert insgesamt drei Jahre - Verkürzen ist möglich. "In Betracht kommt das jedoch nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel, wenn der Auszubildende bereits eine andere kaufmännische Berufsausbildung mit Erfolg abgeschlossen hat", erklärt Harald Grürmann. Die Ausbildungsvergütung für Steuerfachangestellte ist nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer von Region zu Region unterschiedlich. Sie liegt im ersten Ausbildungsjahr in der Regel zwischen 300 und 600 Euro, im dritten Ausbildungsjahr zwischen knapp 500 und 800 Euro. Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt demnach bei 1400 bis 1800 Euro.

Das viel beschworene Motto vom lebenslangen Lernen gilt für Experten des Steuerrechts wegen der häufigen rechtlichen Änderungen in besonderem Maße: "Die Auszubildenden müssen sich zur Prüfungsvorbereitung mit einem anderen Steuerrecht beschäftigen als am Anfang ihrer Ausbildung", sagt Wolfgang Wawro.

"Die Nachfrage nach qualifizierter Steuerberatung ist ungebrochen hoch", erklärt Harald Grürmann. Ausgelernte Steuerfachangestellte können in einer von 40.000 Einzelpraxen und Sozietäten sowie 7400 Steuerberatungskanzleien arbeiten. Und in Buchhaltungsabteilungen von Firmen sowie in den Steuerabteilungen großer Konzerne werden Steuerfachangestellte ebenfalls gebraucht.

Quelle: n-tv.de