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Formel 1, UEFA, Paralympics Die Reaktionen des Sports auf den Krieg

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Noch ist St. Petersburg offiziell Standort des Champions-League-Finales.

(Foto: imago images/Newspix24)

Nach dem Angriff von Russland auf die Ukraine ist auch der Sport in der Schwebe. Viele Wettbewerbe sollen in Russland stattfinden und russische Mannschaften sind bei Wettbewerben dabei. Wie geht es weiter? Erste Reaktionen auf den Krieg.

FIFA: Fußball hat in einer solchen Lage "keine Priorität"

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat im Namen des Fußball-Weltverbands "den Einsatz von Gewalt durch Russland in der Ukraine" verurteilt. "Wir sind heute aufgewacht und waren schockiert über das, was wir gesehen und erfahren haben", sagte der Schweizer am Donnerstagabend nach einer Sitzung des FIFA-Councils. "Die FIFA hofft auf die schnelle Einstellung der gewalttätigen Auseinandersetzung und auf Frieden in der Ukraine." Gewalt sei "niemals die Lösung", fügte Infantino (51) nach der gut einstündigen Videokonferenz an.

Der Fußball habe in einer solchen Lage "keine Priorität, aber die FIFA ist das globale Organ des Fußballs, die Organisation, die sich um die Konsequenzen für den Fußball kümmert". Unmittelbare Konsequenzen für die Playoffs zur WM-Endrunde in Katar gab es aber zunächst nicht. Russland soll am 24. März in einem Halbfinale gegen Polen spielen, bei einem Sieg würden die Russen fünf Tage wieder zu Hause auf Schweden oder Tschechien treffen. Mit dieser Frage befasse sich nun der Ratsausschuss, sagte Infantino. "Das erste Spiel ist in einem Monat", sagte der FIFA-Präsident. "Natürlich hoffen wir, dass die gesamte Situation weit davor gelöst wird. Wir wollen daran glauben. Aber wir haben ein Gremium, das die Entscheidung treffen kann, wenn sie getroffen werden muss." Die FIFA müsse sich "dieser Situation annehmen, und wir tun das immer im Dialog", sagte Infantino.

DOSB und DBS: Empfehlung, Wettkämpfe "in Russland und den Kriegsgebieten auszusetzen"

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) "verurteilen den Angriff Russlands auf die Ukraine auf das Schärfste". In einer gemeinsamen schriftlichen Stellungnahme empfehlen DOSB-Präsident Thomas Weikert und DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher "unseren Mitgliedsorganisationen, die Teilnahme an Wettkämpfen und Trainingsmaßnahmen in Russland und den Kriegsgebieten auszusetzen". Zudem fordern die beiden Spitzensportverbände Russland auf, "die kriegerischen Handlungen einzustellen". Beucher sagte weiter: "Dass Russland aufgrund seines Vorgehens sanktioniert werden muss, mit den für solche Fälle vorgesehenen Strafen, halte ich für zwingend geboten."

Er werde diesbezüglich beim gemeinsamen Flug am Freitag nach Peking das Gespräch mit dem Präsidenten des IPC, Andrew Parsons, suchen. Durch den Angriff Russlands rücke "ein trauriges Schlaglicht auf diese Paralympischen Spiele", führte Beucher aus: "Putin hat mit seinem rigorosen nationalistischen Egoismus Fakten geschaffen, die die Menschen in kriegerische Auseinandersetzungen zwingen sollen."

DFL empfiehlt Schweigeminute

Mit einer Schweigeminute sollen die Klubs der Fußball-Bundesliga und 2. Liga am kommenden Spieltag ein Zeichen für den Frieden und der Anteilnahme in der Ukraine-Krise setzen. Das empfahl das Präsidium der Deutschen Fußball Liga am Donnerstagabend. "Wir verurteilen den Angriff auf die Ukraine - und damit auf das Leben und die Heimat unschuldiger Menschen", teilte die DFL mit. Wenige Stunden zuvor hatte der Ligaverband bereits den russischen Angriff auf die Ukraine "auf das Schärfste" verurteilt. "Krieg ist in jeder Form inakzeptabel - und mit unseren Werten des Sports unvereinbar", teilte die DFL via Twitter mit. "Unsere Sorgen gilt den betroffenen Menschen vor Ort." Die DFL sei in dieser Angelegenheit mit den nationalen und internationalen Verbänden in Kontakt, hieß es weiter.

UEFA: Sondersitzung einberufen

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat eine Sondersitzung des Exekutivkomitees angesetzt. Am Freitag trifft sich das Gremium, "um die Situation zu bewerten und alle notwendigen Entscheidungen zu treffen", teilte der Kontinentalverband mit. Das Champions-League-Finale ist derzeit am 28. Mai im russischen St. Petersburg vorgesehen. Eine Verlegung des Endspiels hatte die UEFA am Montag gegenüber ntv.de "derzeit nicht geplant". Die Nachrichtenagentur AP berichtet mittlerweile, dass die UEFA nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nun aber nicht länger am Finalstandort festhalte.

Der russische Staatskonzern Gazprom gehört zu den größten Sponsoren der UEFA. Weitere Informationen zum Vorgehen "werden nach der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees bekannt gegeben", hieß es. In DFB-Interimspräsident Rainer Koch und Karl-Heinz Rummenigge, dem früheren Vorstandschef von Bayern München, sitzen auch zwei deutsche Vertreter im Exekutivkomitee.

Auch bei den Partien in der Europa League mit Beteiligung russischer Mannschaften waren zunächst keine Änderungen vorgesehen. Die UEFA stehe "in engem Kontakt mit den betroffenen Nationalverbänden und Vereinen", hieß es: "Gegenwärtig werden alle Spiele wie geplant stattfinden." In Zenit St. Petersburg und Spartak Moskau sind zwei russische Teams weiterhin im Wettbewerb vertreten.

Formel 1: "Beobachtet die sehr fließenden Entwicklungen genau"

Die Folgen auch für das im Herbst geplante Formel-1-Rennen in Sotschi noch nicht absehbar. "Die Formel 1 beobachtet die sehr fließenden Entwicklungen wie viele andere genau und hat zum jetzigen Zeitpunkt keinen weiteren Kommentar zu dem für September geplanten Rennen", hieß es in einer ersten Stellungnahme der Rennserie: "Wir werden die Situation weiterhin sehr genau beobachten."

Am 25. September ist in diesem Jahr der Grand Prix von Russland in Sotschi vorgesehen. Seit 2014 wird in dem Schwarzmeerort, in dem im gleichen Jahr auch die Olympischen Winterspiele stattfanden, gefahren. Eigentlich soll 2022 zum letzten Mal ein Rennen der Formel 1 in dem beliebten Urlaubsort stattfinden. Ab 2023 ist ein neuer Großer Preis vor den Toren von St. Petersburg geplant.

Allerdings ist der Russland-GP auf der deutschen und englischen Ticket-Seite verschwunden, Karten für das Event können nicht gekauft werden. Es ist jedoch unklar, warum das so ist, eine ntv.de-Anfrage dazu blieb bislang unbeantwortet.

Paralympics: "Mit ukrainischem und russischem Paralympischen Komitee in Dialog"

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat mit Blick auf die am 4. März beginnenden Winter-Paralmpics in Peking auf die Olympische Waffenstillstandsresolution verwiesen. "Die Paralympischen Winterspiele fallen unter die Olympische Waffenstillstandsresolution mit dem Titel 'Aufbau einer friedlichen und besseren Welt durch Sport und das Olympische Ideal', die von 193 Mitgliedstaaten auf der 76. UN-Generalversammlung einvernehmlich angenommen wurde", teilte das IPC auf ntv.de-Anfrage mit: "Sie fordert die Einhaltung des Olympischen Waffenstillstands sieben Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele am 4. Februar 2022, bis sieben Tage nach Ende der Paralympischen Winterspiele am 21. März."

Ob es sportliche Auswirkungen auf die Spiele gibt, scheint noch unklar. "Das IPC steht im Vorfeld sowohl mit dem ukrainischen als auch dem russischen Paralympischen Komitee im Dialog", erklärte der Weltverband: "Als politisch neutrale Organisation liegt der Fokus des IPC weiterhin eher auf den bevorstehenden Spielen als auf der aktuellen Situation."

IOC: "Zutiefst besorgt"

Das Internationale Olympische Komitee hat den Bruch des olympischen Friedens scharf verurteilt. Das IOC sei "zutiefst besorgt" über die Sicherheit der olympischen Gemeinschaft in der Ukraine. Daher habe man eine Arbeitsgruppe zur Beobachtung der Lage einberufen, die auch humanitäre Hilfe für Athletinnen, Athleten und Sportfunktionäre in der Ukraine koordinieren solle.

ATP sagt Turnier in Moskau ab

Angesichts der Invasion Russlands in die Ukraine hat die ATP ein Tennisturnier in Moskau für die kommende Woche abgesagt. Bedenken wegen der Sicherheit der Spieler und Unsicherheiten bei den Reisen nannte die Spielergewerkschaft als Begründung. Der Moskau Cup gehört zur zweitklassigen Challenger-Serie der ATP.

FIS: Standorte nicht betroffen, "beobachtet" die Situation

Die FIS und das OK zögern offensichtlich mit einer Absage der Weltcup-Wettbewerbe in Russland an diesem Wochenende. Neben den Skicrossern treten in Jaroslawl nordwestlich von Moskau die Ski-Freestyler im Aerials an. Wie die FIS mitteilte, seien die Standorte von dem Konflikt nicht betroffen", die Situation werde aber "mit allen Beteiligten" beobachtet, "um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten". Die Aerials-Wettbewerbe betreffen auch die Deutsche Emma Weiß, die im Weltcup mit der Schweizer Mannschaft reist. "Im Moment versuchen wir zu antizipieren, wie sich die Lage entwickelt", sagte Herdt. Diskutiert wird offenbar auch, dass sich mehrere Verbände zusammenschließen und Flugzeuge chartern.

Auch eine Absage des Weltcup-Finals der Langläufer vom 18. bis 20. März im russischen Tjumen ist nicht ausgeschlossen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag erfuhr, wird es während des Weltcups von Freitag bis Sonntag im finnischen Lahti dazu eine Beratung geben. Tjumen liegt in Westsibirien, etwa 1700 Kilometer von Moskau entfernt.

DSV: Deutsche treten nicht in Russland an

Athletinnen und Athleten des Deutschen Skiverbandes werden bis auf Weiteres nicht mehr an internationalen Wettbewerben in Russland und der Ukraine teilnehmen. Die Entscheidung sei gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund getroffen worden, hieß es. Die deutsche Skicross-Nationalmannschaft, die bereits zu einem Weltcup nach Russland angereist ist, "werden wir so schnell wie möglich nach Deutschland zurück holen", sagte DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach.

Der DSV sei sich "der Verantwortung gegenüber unseren Athletinnen und Athleten sowie unseren Trainern und Betreuern vollkommen bewusst", betonte Schwarzbach: "Deshalb prüfen wir in jedem Einzelfall, ob eine Beschickung von internationalen Wettbewerben aktuell sinnvoll und für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefahrlos möglich ist." Hierzu gebe es auch einen engen Austausch mit internationalen Weltverbänden und dem DOSB. "Darüber hinaus halten wir direkten Kontakt mit dem Auswärtigen Amt", sagte Schwarzbach: "Unsere oberste Prämisse ist: der DSV geht keinerlei Risiko ein und verzichtet im Zweifel immer auf eine Teilnahme bei internationalen Veranstaltungen."

Ukrainischer Fußball-Verband: Spielbetrieb ausgesetzt

Der ukrainische Fußball-Verband hat den Spielbetrieb der ersten Liga ausgesetzt. Eigentlich sollte die Winterpause der Premier Liga an diesem Freitag mit einem Spiel des Abstiegskandidaten FK Minaj gegen den Tabellenvierten Sorja Luhansk beendet werden. Der Conference-League-Teilnehmer Luhansk wird seit 2019 von Viktor Skripnik trainiert, der in der Fußball-Bundesliga insgesamt 20 Jahre

Klubs wie Sorja Luhansk oder der Serienmeister Schachtjor Donezk, die aus den bereits seit 2014 von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten der Ostukraine kommen, trainieren und spielen bereits seit mehreren Jahren nicht mehr in ihrer Heimat. Skripniks Klub ist in das südukrainische Saporischschja umgezogen. Spieler und Trainer von Schachtjor leben und trainieren in der Hauptstadt Kiew. Nach Informationen von "Sky Italia" sitzen das Team und sein italienischer Trainer Roberto De Zerbi aktuell in einem Hotel in Kiew fest und können weder das Land noch diese Unterkunft verlassen.

DFL: "Krieg ist in jeder Form inakzeptabel"

Auch die Deutsche Fußball Liga hat den russischen Angriff auf die Ukraine "auf das Schärfste" verurteilt. "Krieg ist in jeder Form inakzeptabel - und mit unseren Werten des Sports unvereinbar", teilte die DFL via Twitter mit. "Unsere Sorgen gilt den betroffenen Menschen vor Ort." Die DFL sei in dieser Angelegenheit mit den nationalen und internationalen Verbänden in Kontakt, hieß es weiter.

FIVB: WM in Russland soll stattfinden

Im Spätsommer (26. August bis 11. September) soll die Volleyball-WM der Männer in Russland ausgetragen werden. Zuletzt hatte der Weltverband FIVB mitgeteilt, daran festhalten zu wollen. Man befinde sich im Austausch mit dem WM-Organisationskomitee. Man beobachte "genau die Situation".

EHF: Kein Handball in der Ukraine

Der Europäische Handballverband EHF reagierte schnell, schon am Dienstag wurde bekannt gegeben, dass vorerst keine internationalen Spiele in der Ukraine stattfinden werden. Die neue Regelung gilt zunächst für vier Wochen und werde bei Bedarf angepasst.

Die betreffenden Champions-League-Spiele der Männer sollen auf neutralem Boden in der Slowakei stattfinden. Die anstehenden Länderspiele der ukrainischen Frauen Anfang März werden als Doppelspieltag in Tschechien ausgetragen. "Die Europäische Handballföderation ist stets bestrebt, die Integrität ihrer Wettbewerbe zu wahren, und ist der Meinung, dass eine Entscheidung auf dem Spielfeld die beste Option ist", wird EHF-Präsident Michael Wiederer in einer Mitteilung zitiert: "Gleichzeitig hat die Sicherheit von Mannschaften, Spielern und Offiziellen höchste Priorität." Bereits in den vergangenen zwei Wochen waren zwei Spiele mit ukrainischer bzw. russischer Beteiligung ausgefallen. Für deren Wertung habe die EHF "rechtliche Verfahren" eingeleitet.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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