Formel1

F1-Topteams im Auto-Vergleich Ferrari sucht mit neuem Heck sein Glück

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Der neue Ferrari-Bolide ist hinten deutlich schmaler als im Vorjahr - "viel enger" nennt es Sebastian Vettel.

(Foto: imago images/HochZwei/Syndication)

Am Mittwoch beginnen die Testfahrten für die neue Formel-1-Saison. Zwar gibt es bislang noch keine Anhaltspunkte, wer mit der größten Motoren-Power überzeugen kann, doch schon bei den Launches der drei Formel-1-Rennställe sind interessante Details zu entdecken. Welche markanten Änderungen es gibt und wie sich diese ab Mittwoch schon bei den Testfahrten in Barcelona auswirken könnten.

Der Frontflügel

Es verwundert kaum, dass Ferrari bei seinem SF1000 nur geringe Änderungen am Frontflügel vorgenommen hat. Schließlich galt die Anordnung der Leitbleche bereits in der letzten Saison als State-of-the-Art und wurde nicht umsonst im Laufe der Saison von Mercedes adaptiert. Für 2020 fällt der Einlass an der Nase etwas größer aus und soll damit für besseren Luftdurchfluss sorgen. Die Finnen sitzen deutlich weiter vorne. Die augenscheinlich größte Änderung liegt im Optischen: Schwarze Elemente sind weggefallen, der Flügel ist nun komplett in Rot gehalten.

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Auch Mercedes hat bei seinem W11 am Frontflügelkonzept nur wenig geändert, die Revolution fand bereits während der Saison 2019 statt. Markant bleibt auch 2020 die Nase mit dem "Entenschnabel" sowie die schlanke Bauart der Front des Weltmeister-Wagens. Eine leichte Anpassung gibt es beim Cape-Flügel, der nun - beinahe etwas gefährlich anmutend - rechts und links spitz über dem Mercedes-Logo ausläuft.

Nachdem Red Bull in der Vorsaison mit Blick auf das Chassis und insbesondere beim Frontflügel lange Zeit hinterherhinkte, geht Chefdesigner Adrian Newey beim RB16 ganz neue Wege. Der "Schnorchel" vorn an der Nase hat zwei kleinere Lufteinlässe über dem großen Schacht spendiert bekommen. Neben dem Facelift, welches das Auto an der Spitze schlanker macht, hat sich der Bolide auch an den Seiten deutlich verändert. Von Mercedes inspiriert wurde in der Hoffnung auf mehr Abtrieb ein Cape-Flügel installiert, der allerdings deutlich sanfter daherkommt als am Silberpfeil.

Bargeboards, Airbox und Co.

"Wir versuchen auf die maximale Aero-Performance zu gehen und versuchen, den Abtrieb zu maximieren", kündigte Ferrari-Teamchef Mattio Binotto zuletzt an. Da sich damit einhergehend auch der Luftwiderstand erhöht, hat das Team aus Maranello den Boliden zum Heck hin verschlankt und die Seitenkästen neu geformt. Neben neuen Spiegelhalterungen sind nun zwei L-förmige Aero-Elemente - liebevoll Hörner genannt - an der Airbox angebracht: ein Alleinstellungsmerkmal des italienischen Rennstalls.

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Auch bei den Radaufhängungen hat man den letztjährigen SF90 konsequent weiterentwickelt: die Quer/Lenkstreben des SF1000 sind breiter und aerodynamischer geformt. Die Bargeboards sind deutlich komplexer geworden, ragen zwar nicht mehr ganz so weit nach vorn an die Räder heran, dafür aber bis fast hoch an die Chassis-Oberseite. Dem Vernehmen nach soll der Ferrari 2020 zudem deutlich "steiler" daherkommen, erste Bilder lassen vermuten, dass der Anstellwinkel größer geworden ist.

Mercedes hat diesem so wichtigen Teil des Fahrzeugs ebenfalls ein Facelift verpasst. Unter anderem sind die Kühleinlässe an den Seitenkästen komplett neu gestaltet. Auch die Radaufhängung vorne und insbesondere hinten hat eine sichtbare Überholung und soll einen größeren Luftdurchlass ermöglichen. Dazu wurden die Querlenker des W11 auch auf der Heckseite auf maximaler Höhe angebracht. James Allison zeigte sich mit den ersten Ergebnissen aus dem Windkanal zufrieden. Bei ersten Tests ging es dem Mercedes-Technikchef gar nicht darum, mehr Topspeed zu erhalten, sondern "mehr Abtrieb bei gleichem Luftwiderstand". Denn "dann sind wir effizienter geworden". Hierzu hat das Team aus dem britischen Brackley die Seitenkästen im hinteren Bereich noch enger angelegt und damit einen Trend, der bereits 2019 begonnen wurde, fortgesetzt. Trotz allem soll es 2020 keine Hitzeprobleme geben.

Bei Red Bull hat man Lufteinlässe, Airbox und Co. des RB16 zu einem Großteil vom Vorgänger abgekupfert. Heißt: Der S-Schacht ist geblieben und wird von zwei kleinen Flügeln flankiert, mit denen der Rennstall zwar 2019 nicht in die Saison gestartet war, die aber später dazu kamen. Die vordere Radaufhängung wurde verändert. Die Quer- und Lenkstreben sind in einem flacheren Winkel angebracht, sorgen für geordneteren Luftdurchfluss. Im hinteren Bereich muss man - im Vergleich zu Ferrari und Mercedes - geradezu nach den Lufteinlässen suchen. Dafür fällt umso mehr auf, dass auch Red Bull den RB16 deutlich schlanker gestaltet hat. Seitliche Flügel sind aerodynamischer geformt, auch die Spiegel wurden modifiziert.

Das Heck

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"Alles ist viel enger", verriet Sebastian Vettel am Rande der Vorstellung des neuen Ferrari. Und tatsächlich: Nach hinten hin wird der SF1000 deutlich schmaler. Gut möglich also, dass die Scuderia auch unter der Haube in Bezug auf Kühlung und Luftdurchfluss einiges verändert hat. Zudem wurde der "Kamm" an der Motorhaube vergrößert. Der Heckflügel wird wie schon 2019 von einem doppelten T-Flügel unterstützt.

Bei Mercedes fällt noch am ehesten der am Heck befindliche T-Flügel ins Auge. Gut möglich jedoch, dass sich noch während der Barcelona-Tests Änderungen ergeben. Allison kündigte bereits an, dass es "erneut Upgrades für Melbourne" geben wird, "die in der zweiten Testwoche kommen". Anders als 2019 ist aber keine komplette Überarbeitung zu erwarten.

Red Bull hingegen hat einiges am hinteren Flügel verändert. Erstmals seit Langem wird der Heckflügel von einer Doppelstrebe gehalten. Hintergrund: Durch diese Aufhängung soll der Neigungswinkel leichter einstellbar sein. Damit einhergehend sind beim RB16 nun die Wastegate-Rohre, also jene Leitungen, die überschüssige Abgase abführen, nun auch nach oben über den Auspuff gelegt worden. Die sogenannte Mickey-Mouse-Anordnung.

Fazit:

Ferrari ist die Probleme aus 2019 intensiv angegangen. "Wir haben einige clevere Lösungen gefunden", erklärte Sebastian Vettel beim Launch des SF1000. Über den neuen Anstellwinkel will man mehr Abtrieb erreichen, auch die deutlich veränderten Bargeboards und Leitbleche könnten für eine bessere Lage auf der Straße sorgen. Wie viel Antriebskraft dabei allerdings auf den Geraden verloren geht, werden erst die Barcelona-Tests zeigen.

Sport.de

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Mercedes-Weltmeister Hamilton gibt sich zurückhaltend: "Vor den Testfahrten wissen wir natürlich nicht, wo wir stehen und wie groß der Fortschritt wirklich ist. Es hat sich aber so angefühlt, als würden wir dort weitermachen, wo wir in Abu Dhabi aufgehört haben", erklärte er am Rande der Vorstellung des W11. Ersten Anzeichen zufolge muss sich der Weltmeister keine Sorgen machen. Der ohnehin schon höchst potente Wagen des Vorjahres wurde vor allem an der Vorderachse, den Seitenkästen und der Hinterradaufhängung weiterentwickelt. Offenbar sorgen die Veränderungen auch dafür, dass 2020 keine Hitzeprobleme mehr auftreten.

Bei Red Bull sind Änderungen nicht sofort ersichtlich und doch wird beim genaueren Hinsehen ein neues Aero-Konzept offenbart, das bereits an der vordersten Front des Boliden beginnt. Wie sich die Doppelöffnung über dem großen Lufteinlass genau auswirkt, wird sich bei den ersten Testfahrten zeigen. Nach hinten hin hat der österreichische Rennstall seinen Rennwagen genauso verschlankt wie die Konkurrenz. Da der Honda-Motor schon 2019 in dieser Hinsicht keine Probleme machte, dürfte die Kühlung auch 2020 kein Thema sein. Zudem wurde die Hinterradaufhängung verändert, um mehr Luft in diesen Bereich zu bekommen. Dank der Veränderungen dürfte Red Bull noch näher an die beiden Schlachtrosse der Formel 1 herangerückt sein.

Quelle: ntv.de