Formel1

Gefahr des guten Autos Russell bewirbt sich um Hamiltons Nachfolge

imago0049456663h.jpg

Russell tauscht den langsamen Williams sicher gerne gegen den überlegenen Mercedes ein.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Weil sich Lewis Hamilton mit dem Coronavirus angesteckt hat, muss Mercedes auf den Formel-1-Dominator verzichten. George Russell rückt deshalb vom Williams auf - und hat die Chance, sich im schnellsten Auto für größere Aufgaben zu empfehlen. Und mit Bewerbungen kennt er sich aus.

Mit aussagekräftigen Bewerbungen kennt sich George Russell aus. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff überzeugte er einst mit einem detaillierten Lebenslauf davon, ihn ins Juniorprogramm der Silberpfeile aufzunehmen. Der damaligen Teamchefin Claire Williams machte Russell schon 2018 - ein Jahr vor seinem Formel-1-Einstieg - in einer Power-Point-Präsentation klar, warum er der richtige Mann für Williams sei. Weil Weltmeister Lewis Hamilton sich mit dem Coronavirus infiziert hat, darf Russell beim Großen Preis von Sakhir in Bahrain (Sonntag, 18.10 Uhr, live bei RTL und online auf TVNOW sowie im ntv.de-Ticker) statt im Williams jetzt im Mercedes Eigenwerbung machen - nur übertreiben ist verboten.

"Das ist für Russell die Chance, sich zu zeigen und sich für 2022 zu platzieren, das wird sein Ziel sein", sagt RTL-Experte Timo Glock zu dem unverhofften Aufstieg des Engländers: "Wenn er es schafft, auf Augenhöhe mit Bottas zu sein, hat er schon viel erreicht. Wenn er ihn sogar schlägt, wäre es die absolute Empfehlung. Dann wird es für Mercedes oder auch andere Teams immer schwerer, ihn nicht auf dem Zettel zu haben für 2022. Die Chance muss er nutzen." Im Training am Freitag war das bereits beeindruckend stark gelungen.

Auf der Insel sehen die meisten F1-Beobachter Russell sowieso als logischen Mercedes-Piloten. Im Sommer kritisierten nicht wenige Fachblätter die Mercedes-Entscheidung, auch 2021 auf den doch eher farblosen Valtteri Bottas zu setzen. Der Tenor war: Mercedes ist ohnehin so dominant - warum also nicht dem talentierten Absolventen des eigenen Juniorprogramms eine Chance geben, Hamilton herauszufordern? Worin liegt das Risiko?

Die Gefahr des guten Autos

In Bahrain kann Russell jetzt zeigen, dass er für Mercedes die bessere Wahl (gewesen) wäre als Bottas, der Hamilton zwar hier und da mal etwas ärgern, aber nie ernsthaft herausfordern konnte. Ob der etatmäßige Williams-Mann dem Vizeweltmeister bei seinem Silberpfeil-Debüt direkt Probleme bereiten kann, ist aber "schwer zu sagen", so Glock. Er traue Russell aber ohne weiteres zu, sofort auf dem Niveau des Finnen unterwegs zu sein.

Russell habe den Vorteil, dass er als Mercedes-Testfahrer die "Grund-DNA" des Autos kenne. "Er kennt die Grundabläufe des Autos, er weiß, was er am Lenkrad zu tun hat, wie er gewisse Dinge einstellen muss", erläutert Glock. "Dazu kommt die Motivation, im absolut besten Auto zu zeigen, was man drauf hat." Russell dürfe bei all dem nur nicht übertreiben, warnt der RTL-Experte. "Er darf das Auto nicht überfahren und bloß keinen unnötigen Unfall verursachen, nur, weil er denkt: 'Boah, mit diesem Auto ist ja alles möglich'. Wenn so ein perfekt ausbalanciertes Auto einmal die Balance verliert, dann verliert man es eben."

Beeindrucke Bilanz im Qualifying

Russell habe "genügend Erfahrung, um zu wissen, wie er das angehen muss", ist Glock sicher. "Auch wenn er schon Fehler gemacht hat, wie in Imola, wo er sich mit kalten Reifen weggedreht hat." Beim Großen Preis der Emilia Romagna hatte der 21-Jährige sein Auto in der Safety-Car-Phase an die Wand gesetzt, sich erst massiv geärgert und dann Besserung versprochen.

Überhaupt ist Glock von Russells Leistungen in der Formel 1 sehr angetan. Dessen Qualifying-Bilanz von 36:0 im Duell gegen seine Williams-Kollegen Robert Kubica und Nicholas Latifi sei "eine Ansage". Russell hole "oft das Maximum aus seinem Paket heraus. Er hat einen unheimlich hohen Grundspeed, ist clever, ruhig und lässt sich gefühlt nicht von seinem Weg abbringen."

Gute Voraussetzungen also, sich für 2022 bei Mercedes ins Spiel zu bringen. Und wer weiß: Vielleicht könnte der Rohdiamant Russell seinem arrivierten Landsmann Hamilton dann ja zeigen, wo der jugendliche Hammer hängt. "Hammertime" ist sonst ja die Spezialität des Rekordweltmeisters, also die Topleistung genau dann abrufen zu können, wenn sie gefragt ist. Russell bekommt nun spontan die Chance, zu zeigen, dass er das zu auch draufhat.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.