Fußball-EM

Innenverteidiger will Griggs Trikot Hummels on fire, Özil kneift, Löw krank

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Mats Hummels mag seine Singstimme nicht.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Erst keilt Mesut Özil gegen seine Kritiker, dann erscheint er vor dem EM-Spiel der DFB-Elf gegen Nordirland nicht zur Fragerunde. Dafür ist Mats Hummels da, unerschrocken. Nur singen mag er nicht.

Was sagt der Bundestrainer?

Eigentlich hatten alle erwartet, dass der Bundestrainer seine Alles-ist-gut,-was-wollt-Ihr-denn?-Offensive auch am Tag vor dem letzten Gruppenspiel bei dieser Fußball-Europameisterschaft gegen Nordirland am Dienstag (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) fortsetzt. Doch der Bundestrainer sei, wie der DFB mitteilte, "leicht erkältet", habe "leichte Halsschmerzen". Also stellte sich sein Assistent Thomas Schneider im Pariser Prinzenpark den Fragen der Journalisten und sprach: "Wir haben unsere eigenen Ziele, wollen das Spiel morgen gewinnen und Gruppenerster werden."

Will heißen: Auch wenn die deutsche Mannschaft bereits für das Achtelfinale qualifiziert ist, wenn die Engländer (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen die Slowaken gewinnen, habe das keinen Einfluss auf die Aufstellung. Wie die aussieht, verriet Schneider aber wie erwartet nicht. Allerdings geht Schneider offenbar davon aus, dass die DFB-Elf das Endspiel am 10. Juli im Stade de France erreicht. Zumindest sagte er: "Es werden nicht alle Spieler alle sieben Spiele durchspielen können." Von daher seien gegen Nordirland Veränderungen in der Startelf möglich. Sieben Spiele? Auf diese Anzahl Partien kommt nur, wer es bis ins Finale schafft.

Wie ist der Krankenstand?

Alle (außer Löw) sind fit. Das gilt also auch für Kapitän Bastian Schweinsteiger, der, würde er gegen Nordirland auflaufen, einen Rekord aufstellen. Es wäre sein 15. Einsatz bei einer EM - mehr hat in der Geschichte des DFB kein anderer geschafft, auch Philipp Lahm nicht, der auf 14 Partien kommt. Andererseits: Ein Startelfeinsatz Schweinsteigers käme einer mittleren Sensation gleich. Schließlich gelten Toni Kroos und Sami Khedira auf der Doppelsechs vor der Viererabwehrkette als gesetzt. Aber vielleicht wird er ja wieder in der 90. Minute eingewechselt und schießt wie beim 2:0 zum Auftakt gegen die Ukraine ein Tor - es wäre sein 25. in seinem 117. Länderspiel.

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Mesut Özil hatte, bevor er im Prinzenpark mit allen Journalisten sprechen sollte, bereits kundgetan, was er von denen hält, die ihn ständig kritisieren. "Es ist mir egal, was andere sagen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Für mich zählt einzig das, was der Trainer will." Nun ist nicht davon auszugehen, dass Löw gerne möchte, dass Özil so spielt, wie er im zweiten EM-Spiel gegen Polen getan hat: fleißig in der Defensive und unermüdlich unterwegs zwar, aber ohne den entscheidenden letzten Pass, ohne die gute Idee, auf dass die DFB-Elf Chancen kreiere und Tore schieße. Andererseits: Wer soll's sonst machen? Spieler, die sich aufdrängen, Özil gegen Nordirland zu ersetzen, hat Löw nicht in seinem Kader. Und so hatte er angekündigt: "Ach, der wird schon kommen." Ist Özil aber nicht, zumindest nicht zur Pressekonferenz im Prinzenpark, dabei war er angekündigt. Einen Grund dafür nannte der DFB nicht. Er wird sich doch wohl nicht angesichts seiner massiven Kritik an den Kritikern gedrückt haben, um möglicherweise unangenehmen Nachfragen aus dem Weg zu gehen? Nur so viel: Er sei nicht verletzt. Und Pressesprecher Jens Grittner versuchte, alle Spekulationen abzubügeln: "Da würde ich jetzt nichts reininterpretieren."

Für Özil sprang der ungleich robustere Mats Hummels in die Bresche, kaute auf seinem Kaugummi und hatte die brenzligste Situation zu überstehen, als er von einem Journalisten aufgefordert wurde, doch bitte das überragende Lied der nordirischen Fans über ihren Stürmer Will Grigg zu singen. "Ich bin wahrscheinlich der schlechteste Sänger im Team. Ich werde das nicht tun." Ansonsten zeigte er sich aber durchaus begeistert über den Kult um den Mann, der in der dritten englischen Liga spielt, dort für Wigan Athletic 25 Tore schoss und den Aufstieg feierte. Kurzum: "Will Grigg's on fire" ist jetzt schon DER Song dieser EM. Ob er denn auch den Mann fürchte, der bei dieser EM noch keine Minute gespielt hat? Schließlich heißt es in dem Lied: "Will Grigg’s on fire, your defence is terrified." Innenverteidiger Hummels antwortete relativ unerschrocken: "Bei meiner Vorliebe für dieses Lied und diese Aktion würde ich gerne zustimmen - obwohl es natürlich nicht ganz stimmt. Ich habe das auch mitgekriegt - großartig. Ich werde morgen mal versuchen, ob er sein Trikot vielleicht entbehren kann. Er soll nicht treffen, das muss nicht unbedingt sein. Ansonsten bin ich jetzt schon großer Fan."

Was gibt's sonst noch?

Das hat jetzt nichts damit zu tun, dass die Trikots der Marke Puma offenbar nicht so reißfest sind, wie sie es sein sollten, zumindest nicht die der Schweizer. Denn Puma stand gar nicht zu Debatte. Aber nun hat der DFB eine seit über 60 Jahren bestehende Tradition fortgesetzt und seinen noch bis 2018 laufenden Vertrag mit Adidas um vier Jahre bis 2022 verlängert, Nike hat wieder das Nachsehen. Schon 2007 hatten die Amerikaner versucht, ihre Sportartikel an die Körper der besten deutschen Fußballer zu bringen und dafür eine halbe Milliarde Euro und damit mehr als die Konkurrenz aus Herzogenaurach für einen Vertrag über acht Jahre offeriert. Damals gab es viel Kritik an der intransparenten Verhandlungsführung. Nun sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel in Paris: "Es waren die transparentesten, anspruchsvollsten und für den DFB wirtschaftlich erfolgreichsten Verhandlungen in der Geschichte." Der Verband kassiert nun 50 Millionen statt wie bisher 25 Millionen Euro pro Jahr. Adidas-Chef Herbert Hainer sagte: "Ich gebe zu, dass wir auch über 2022 hinaus verlängern wollten. Das wollte der DFB aber nicht." Zum Vergleich: Dem FC Bayern zahlt der Sportartikelproduzent jährlich 60 Millionen Euro. Und was bringt das Adidas? Mutmaßlich ein gutes Image - und viele verkaufte Trikots. Nach dem Titelgewinn der DFB-Elf bei der WM 2014 waren es mehr als drei Millionen. Klagen über kaputte Exemplare sind nicht bekannt.

Quelle: ntv.de

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