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Montag, 13. Juni 2016

Kraftvollster Auftritt seit Rio: Schweinsteiger schießt sich ins Glück

Von Stefan Giannakoulis, Lille

Drei Minuten ist der Kapitän in Lille beim EM-Auftakt des DFB-Teams auf dem Rasen. Die reichen Bastian Schweinsteiger, um mit seinem Tor die Geschichte des Spiels zu schreiben. Der Altmeister ist wieder da und lässt hoffen.

Wann hat man zuletzt einen solchen Bastian Schweinsteiger gesehen, so dynamisch, so voller Kraft? Erst sprintet er nach vorne, drischt er den Ball nach einer Flanke Mesut Özils aus zehn Metern ins Tor der Ukraine und sorgt dafür, dass die deutsche Fußball-Nationalelf ihr erstes Spiel bei der Europameisterschaft mit 2:0 (1:0) gewinnt. Und dann sprintet er wieder los, eilt über den Rasen des Stade Pierre-Mauroy zu Lille, als gäbe es kein Morgen mehr. Er rennt zur Bank, zu Joachim Löw, seinem Bundestrainer. Er klatscht Lukas Podolski ab, der ihn anschaut wie frisch verliebt. Er lässt auch die anderen Ersatzspieler nicht aus und rennt dann weiter bis hin zu Torhüter Manuel Neuer, den er in die Arme nimmt.

So ein Comeback kann sich sehen lassen.
So ein Comeback kann sich sehen lassen.(Foto: AP)

Neuer sagte hinterher: "Basti ist klasse reingekommen, hat das Tor gemacht. Ich hoffe, dass er bald wieder von Anfang spielen kann." Das scheint allerdings eher unwahrscheinlich, Toni Kroos ist als Teil der Doppelsechs vor der Viererabwehrkette gesetzt; und auch Sami Khedira machte gegen die Ukraine einen guten Job: "Für Basti freut es mich. Es ist nicht einfach, nach zwei, drei Monaten so zurückzukommen." Es war an diesem Sonntagabend in Lille der wohl beeindruckendste Aufritt des 31 Jahre alten Mittelfeldspielers seit dem Finale der Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro am 13. Juli 2014 gegen Argentinien. Dieses Endspiel beendete Schweinsteiger mit einem Cut unter dem rechten Auge und kam so als Symbolfigur der unbeugsamen Weltmeister zu nahezu ikonographischen Weihen.

"Das war ganz schön lang"

Vor Freude rennt Bastian Schweinsteiger einmal über den ganzen Platz.
Vor Freude rennt Bastian Schweinsteiger einmal über den ganzen Platz.(Foto: imago/Contrast)

Das ist nun fast zwei Jahre her, Schweinsteiger stieg nach dem Rücktritt Philipp Lahms zum Kapitän der DFB-Elf auf, wechselte von FC Bayern zu Manchester United und war vor allem sehr oft verletzt. Und einen kleinen Unterschied zu Rio gibt es dann doch. Im Maracanã stand er 120 Minuten auf dem Platz. In Lille waren es gerade einmal fünf. Aber auch sein Auftritt dort hat eine gewisse Symbolkraft: Seht her, ich bin wieder da. Oder wie es sein Bruder Tobias formulierte, der via Twitter seine Botschaft an alle Kritiker sendete: "Zu alt! Zu schwer! Zu langsam! Zenit überschritten! Boooooooooooooom! Bastian Schweinsteiger nie abschreiben!!!! #baller Glückwunsch Bruder". 

Es waren nur fünf Minuten, und doch war Schweinsteiger am Ende etwas erschöpft. "Der Sprint nach vorne und dann noch der Jubel, das war ganz schön lang, deswegen bin ich immer noch außer Atem", sagte er direkt nach der Partie.  " Dass man so zurückkommt, das kann man sich nur wünschen. Es ist alles wieder gut. Meine Verletzung ist ausgeheilt." Das hatte man gesehen. Auch der Bundestrainer war, wie könnte es anders sein, voll des Lobes: " Das freut mich natürlich sehr, dass er nach der gesamten Schufterei die letzten Monate und Wochen heute so ein tolles Comeback gefeiert hat. Er ist kurz auf dem Platz und erzielt dann das entscheidende 2:0." Es war übrigens Schweinsteigers erstes Tor für die Nationalmannschaft seit dem 7. Oktober 2011. Löw ist sich sicher: "Das gibt ihm und auch uns allen ein bisschen Auftrieb." Und vielleicht sieht er bei diesem Turnier noch viel mehr von seinem Kapitän. Die Kraft dafür scheint er zu haben. "Ich bin noch nicht soweit, dass ich 90 oder 120 Minuten spielen kann. Aber 45 Minuten traue ich mir schon zu." 

Quelle: n-tv.de