Fußball-WM

"Eine große Katastrophe" Hoeneß schimpft auf Infantino und den DFB

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Uli Hoeneß sieht die Fußball-Weltmeisterschaft und den Fußball insgesamt beschädigt: In einem Interview kritisiert der Ehrenpräsident des FC Bayern München den DFB - und sieht in FIFA-Boss Gianni Infantino eine "große Katastrophe für den Weltfußball".

Uli Hoeneß ist sauer. Auf die FIFA, allen voran auf deren Präsidenten Gianni Infantino, und auf den DFB. Im Interview mit RTL warf der jahrzehntelange Macher des FC Bayern München der DFB-Führung Fehler in der Diskussion um die "One Love"-Binde vor: "Sie hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt mit der Ankündigung konsequent zu sein, das Thema konsequent durchzuziehen. Und das haben sie am Ende nicht gemacht." Man habe wissen müssen, dass die FIFA laut ihrer Statuten die Binde bestimmen könne.

Auf Druck der FIFA hatten sich der DFB und weitere europäische Verbände entschlossen, entgegen ihrer Ankündigung auf das Tragen der "One Love"-Kapitänsbinde in ihren Auftaktspielen zu verzichten. DFB-Mediendirektor Steffen Simon hat den Verzicht auch damit erklärt, dass man "massiv von der FIFA bedroht" worden sei.

Am Abend vor dem Montagsspiel der englischen Mannschaft, deren Kapitän Harry Kane die "One Love"-Binde ebenfalls tragen wollte, habe der Turnierdirektor das englische Team besucht, vor einem "mehrfachen Regelbruch" gewarnt und mit "massiven sportlichen Sanktionen gedroht". DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte am Dienstag gesagt: "Wir erleben einen beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte." Die FIFA habe, so sagte es Neuendorf bei einem eilends einberufenen Medientermin, "eindeutige Drohungen" gesendet, die man "sehr ernst nehmen müsse".

"Wird dem Fußball schaden"

Die FIFA und Präsident Infantino habe man abgestraft, indem man ihm die Unterstützung für die Wiederwahl untersagte: "Das war ein deutliches Signal Richtung FIFA, dass wir nicht bereit sind, bestimmte Dinge, die seitens der FIFA kommen, mitzutragen", sagte Neuendorf. Allein: Es ist ein symbolisches Zeichen, der Schweizer wird ohne Gegenkandidaten ohnehin in seine dritte Amtszeit gewählt werden. Für Hoeneß ist das zu wenig: "Sie haben nicht den Mut gehabt, der FIFA die Stirn zu zeigen. Das wäre dringend notwendig gewesen, denn für mich ist Gianni Infantino eine große Katastrophe für den Weltfußball, und da wäre eine wunderbare Chance gewesen, ihm zu zeigen: Bis hierher und nicht weiter."

Das Turnier, das Premiumprodukt des Weltverbandes, sieht Hoeneß längst massiv beschädigt: "Die WM, wie sie sich derzeit darstellt, wird auf jeden Fall kein Erfolg sein, das ist jetzt schon klar, und sie wird dem Fußball insgesamt auf jeden Fall schaden", so Hoeneß: " Wenn Sie die Einschaltquoten anschauen, wenn Sie die Begeisterung der Leute für diese WM sehen, ist der Schaden schon erkennbar."

Dennoch sei er nicht dafür, die deutsche Mannschaft jetzt nach Hause zu holen. "Jahrelang hatte man Zeit genug, die Dinge anzusprechen und die entsprechende Macht auszuüben. Ich glaube, die europäischen Verbände haben überhaupt noch nicht erkannt, welche Macht sie wirklich haben." Boykott und Abreise seien der falsche Weg.

Quelle: ntv.de, ter

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