Fußball

Blatter glaubt an das Gute in sich Ach, Joseph ...

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Joseph Blatter kämpft. Er selbst tut sich leid. Reue? Keineswegs.

(Foto: imago/EQ Images)

Die Ethikkommission der Fifa setzt ein historisches Zeichen. Sie sperrt Joseph Blatter für acht Jahre. Der ist endgültig entmachtet, echauffiert sich mächtig und will kämpfen. Dabei ist die Entscheidung des Gremiums alternativlos.

Joseph Blatter ist stinksauer. Er, der moralisch doch tadellos ist. Ausgerechnet er, der doch so treu dem Prinzip "Nimm kein Geld an, das du nicht verdient hast" folgt, wird nun für acht Jahre an die Kette gelegt. Acht Jahre, in denen der einst so mächtige Patriarch dem Weltfußball nichts mehr anhaben kann. Dass diese Strafe ausgerechnet von der Ethikkommission seines Verbandes verhängt wird, lässt ihn innerlich eskalieren.

Joseph Blatter, das Opfer. Aber auch Joseph Blatter, der Kämpfer. Er will seine Unschuld beweisen und droht für den Erfolgsfall an: "Ich komme wieder". Wenn ihm das tatsächlich gelingen sollte, dann werden wir uns, dann wird sich fast die ganze Welt beim größten Saubermann der Geschichte des Fußballs entschuldigen müssen. Aber sind wir mal ehrlich - der Satz "Entschuldigen Sie, Herr Blatter, dass wir Sie über Jahre völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt haben" wird wohl niemals über unsere Lippen gehen.

Wie soll es Joseph Blatter gelingen, seine ewige Unschuld zu beweisen? Selbst, wenn er irgendwann den Schmiergeld-Vorwurf beim Deal mit dem nun ebenfalls für acht Jahre gesperrten Uefa-Chef Michel Platini entkräften kann - die Liste der Skandale bei der Fifa unter der Ägide des 79 Jahre alten Schweizers ist so lang wie das Titelregister des FC Bayern München. Von was da nicht alles die Rede war: von Veruntreuung, von ungetreuer Geschäftsbesorgung, von Korruption, von Bestechung und von der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Alle diese Vorwürfe - nur damit wir uns richtig verstehen - wurden in erster Linie gegen den Weltverband erhoben und nicht persönlich gegen ihren Präsidenten.

Naiv, blind, taub?

Aber genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Wie kann der Hauptverantwortliche einer Organisation behaupten, von all dem nichts gewusst, nichts mitbekommen zu haben? Wenn Joseph Blatter nicht gänzlich naiv, blind und taub ist - und zumindest für die letztgenannten Fähigkeiten gibt es Nachweise, dass dem nicht so ist - muss er etwas mitbekommen haben. Im für ihn besten Fall war er selbst nie direkt beteiligt. Was er übrigens bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Zürich mit den Worten betont: "Ich habe nie mit Geld betrogen." Was auch immer das für den Subtext der Aussage bedeutet. Doch auch wenn er niemals selbst aktiv Geld in die Hand genommen hat, um sich erkenntlich zu zeigen, so hat er sich durch großzügiges Hinwegsehen mitverantwortlich gemacht. Ob auch strafbar - dies müssen Gerichte entscheiden. Und eben jene will Blatter nun anrufen, um sich selbst einmal mehr reinzuwaschen.

Ob die Sperre der Ethikkommission nun rechtens ist oder, wie Blatter vermutet, keine rechtlich bindende Grundlage besitzt, werden Juristen klären. Wir können diese Sperre nur bewerten. Und unabhängig von der Dauer der Strafe ist das Urteil der Ethikhüter beim Weltverband alternativlos. Es ist dann alternativlos, wenn es die Fifa ernst meint mit ihren Vorhaben, sich selbst zu reinigen und zu reformieren. Aber es ist auch ein Urteil, was zunächst nur zwei Alphatiere lahmlegt - mehr nicht.

Die Kernprobleme des Systems, welches eine Menge stillprägender Elemente der organisierten Kriminalität mit sich herumschleppt, werden damit (noch) nicht angegangen. Ein kleiner Anfang ist gemacht, jetzt braucht es die richtigen Personen, um die Fifa aus ihrer fast kaum zu kittenden Glaubwürdigkeitskrise zu führen. Ob es diese Personen beim verknöcherten und korrupten Verband allerdings gibt? Oder ob ein externer Reformer dieses Päckchen schultert? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen: Joseph Blatter ist es nicht. Das ist - trotz all seiner Verdienste für den internationalen Fußball - eine wirklich gute Nachricht. Da kann er noch so sauer sein.

Quelle: ntv.de