Fußball

Kahn will auf den Preis achten Alaba kassiert nächste Bayern-Watschn

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David Alaba ist die derzeit heißeste Personalie beim FC Bayern.

(Foto: imago images/kolbert-press)

Beim Bundesliga-Auftakt des FC Bayern fehlt David Alaba - und sorgt so für Gerede. "Muskuläre Probleme" werden ob der hitzigen Vertragsdebatte angezweifelt. Doch die sind eine Tatsache. Genauso wie die Aussage Oliver Kahns, dass der 28-Jährige nicht um jeden Preis in München bleibt.

Das Gerede vor dem Bundesliga-Auftakt war groß: David Alaba fehlte im Kader des FC Bayern. Angeblich wegen "muskulärer Probleme", wie es von den Münchnern hieß. Nicht wenige vermuteten hinter der vermeintlichen Verletzung aber etwas ganz anderes: den Abgang Alabas zu einem anderen Klub. Schließlich passiert es nicht selten, dass ein Spieler geschont wird, bevor die Tinte unter dem Vertrag getrocknet ist. Nicht, dass ein Wechsel noch in letzter Sekunde scheitert.

Und zugegeben, gäbe es den großen Knall und Alaba verließe die Bayern im Streit - verwunderlich wäre es nicht. Die seit Monaten anhaltenden Vertragsverhandlungen verlaufen zunehmend hitzig und schmutzig. Weil Ehrenpräsident Uli Hoeneß Interna im Sport1-Doppelpass ausplauderte, weil er Alabas Berater Pini Zahavi als "geldgierigen Piranha" bezeichnete. Weil die Alaba-Seite das nicht auf sich sitzen lassen konnte und Alabas Vater George, der seinen Sohn ebenfalls berät, via Sky zurückfeuerte: Die Vorwürfe Hoeneß' seien "schmutzige Lügen über Gehalts- und Provisionsanforderungen". Weil Sportvorstand Hasan Salihamidzic nachlegte und Alaba eine klare Gehaltsgrenze aufzeigte. "Beim FC Bayern gibt es eine sportliche und finanzielle Obergrenze: Robert Lewandowski und Manuel Neuer", sagte Salihamidzic dem "Kicker": "Ich denke nicht, dass David selbst glaubt, er stünde über diesen zwei Kollegen."

Es geht um "Respekt und Wertschätzung"

Kurzum: Die Verhandlungen um weitere Jahre des Abwehrchefs beim FC Bayern sind längst mehr als das Geschachere und Gefeilsche um Geld. Klar, das soll auch fließen - und zwar nicht wenig davon. Die Rede ist von 25 Millionen Euro pro Jahr, die der 28-Jährige fordert. Ex-Bayern-Profi Stefan Effenberg aber merkte in seiner Kolumne bei t-online.de schon an: Dem 28-Jährige gehe es "gar nicht um zwei, drei Millionen Euro Jahresgehalt, sondern um Respekt und Wertschätzung".

Der einzige, der aus der Bayern-Führungsetage öffentlich versuchte, die Wogen zu glätten, war Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. "Ich glaube nicht, dass wir das gebraucht haben. Ich kann mich nur wiederholen: Verhandlungen müssen meiner Erfahrung nach diskret und vertrauensvoll geführt werden. Erst wenn man ein finales Ergebnis hat, sollte man damit an die Öffentlichkeit gehen", sagte er im Interview mit Spox und Dazn.

"Ganz andere Fußballwelt"

Weise Worte, allerdings offenbar mit wenig Wirkung. Sein designierter Nachfolger Oliver Kahn, noch "nur" einfaches Vorstandsmitglied, sagte dem ZDF nach dem furiosen 8:0-Ligaauftakt gegen den FC Schalke 04: Man werde mit dem Österreicher nicht um jeden Preis verlängern. Das gelte gerade in der Corona-Krise, deren finanzielle Auswirkungen auch der Krösus der Fußball-Bundesliga deutlich spürt. "Man muss auch die Situation sehen: Wir leben nicht mehr in der Fußballwelt vor Corona. Wir leben in einer ganz anderen Fußballwelt." Er betonte: "Da sind wir auch in der Verantwortung, immer die wirtschaftliche Seite zu bedenken."

Immerhin bekannte Kahn: "Wir sind gut beraten, Ruhe zu bewahren." Und stellte fest: "Was das Thema David Alaba anbelangt, ist sehr viel gesagt worden. Wir sind weiter mit ihm im Austausch. Er weiß, wie sehr wir ihn schätzen, als Menschen und als Spieler."

Eine Entscheidung ist offenbar noch nicht gefallen. Die "muskulären Probleme" entsprächen den Tatsachen, bekräftigte Trainer Hansi Flick. Der österreichische Nationalspieler verfolgte das Spiel von der Tribüne. "Ich hoffe, dass er bleibt", fügte Flick noch an. Alabas Vertrag läuft noch bis zum kommenden Sommer, sollten alle Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit scheitern, müssten die Münchner ihn noch in dieser Transferperiode verkaufen, um richtig abzukassieren. Laut transfermarkt.de liegt Alabas Marktwert bei 65 Millionen Euro, das Transferfenster ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie noch bis zum 5. Oktober geöffnet. Noch 16 Tage Zeit für Streit, Gerüchte, Zusammenraufen oder den ganz großen Eklat.

Quelle: ntv.de, ara