Fußball

Die Lehren des Spieltags BVB fällt aus, Schalke famos, Bayern limitiert

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Was nun? Marcel Scmelzer und Nuri Sahin am Samstag im Westfalenstadion.

(Foto: imago/Thomas Bielefeld)

Beim BVB Fallen am Ende alle Systeme aus und doch darf Trainer Peter Bosz bleiben. Die Schalker demonstrieren, dass sie zu Großem fähig sind. RB Leipzig mausert sich - und beim FC Bayern stoßen sie an Grenzen.

1. Am System allein kann's beim BVB nicht liegen

Es ist ja nicht so, als hätte die Dortmunder Borussia an diesem 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga ihre 20. Partie unter Trainer Peter Bosz verloren. Und wer um eine positive Lesart bemüht ist, könnte anmerken, dass der BVB in der Tabelle immerhin einen Punkt auf den Spitzenreiter FC Bayern aufgeholt hat. Doch nach dem historisch-desaströsen Einbruch in der zweiten Halbzeit, der aus einer 4:0-Führung ein Unentschieden und damit einen gefühlten Sieg des FC Schalke 04 machte, will in Dortmund natürlich niemand von einem gewonnenen Punkt sprechen. Nun kennen sie sich damit aus, Kritik an der offensiv ausgerichteten Spielweise des Trainers zurückzuweisen - oder wie Mario Götze es einmal formulierte: "Wenn wir mehr Tore schießen, dann funktioniert das System." Das mag bisweilen richtig sein.

Doch wer den BVB an diesem Samstag in der zweiten Halbzeit, nun ja, verteidigen sah, wird sich zu Recht fragen, ob die Dortmunder Spieler denn selbst noch daran glauben, dass es egal ist, wie viele Tore man hinten kassiert, wenn man vorne nur genug schießt. Und vor allem: dass es am System alleine nicht liegen kann. Wer so hoch steht und seinen Gegenspieler so harmlos attackiert, kann nur Probleme kriegen - da ist es am Ende auch egal, ob Bosz mit drei, vier oder fünf Verteidigern spielen lässt. Benjamin Stambouli zum Beispiel reicht in der 61. Minute ein einziger Pass, um gleich neun hoch aufgerückte BVB-Profis zu überspielen, mit der Vorlage zum 1:4 leitet er die Schalker Aufholjagd ein. Was dagegen passiert, wenn Bosz mit einer taktischen Neuausrichtung überrascht, sahen die 80.179 Zuschauer im Westfalenstadion in der ersten Halbzeit. Statt hoch zu verteidigen und dem Gegner Räume zu lassen, kontert der BVB die Schalker im eigenen Stadion gnadenlos aus. Vielleicht darf Bosz ja genau deswegen seinen Job vorerst behalten - auch wenn gegen Schalke am Ende alle Systeme versagten.

2. Der FC Schalke 04 demonstriert seine Stärke

Nun ist es stets ein wenig ungerecht, wenn nach so einem tollen Fußballspiel alle über den gefühlten Verlierer sprechen - und kaum einer über die Mannschaft, die in bravouröser Manier einen Rückstand von vier Toren aufgeholt hat. Reden wir also über den FC Schalke 04, den gefühlten Revierduellsieger, der nach dem 0:4 nach nur 25 Minuten nicht mehr ernsthaft daran geglaubt hatte, dass ihm an diesem Samstagnachmittag im Westfalenstadion noch ein kleines Wunder gelingen würde. "Niemals, keine Chance", räumte Domenico Tedesco hinterher ein.

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Schalker Glückseligkeit: Leon Goretzka, Trainer Domenico Tedesco und Benjamin Stambouli.

(Foto: imago/DeFodi)

Aber offenbar hatte er in der Pause den Weg in die Köpfe und wohl auch in die Herzen seiner Spieler gefunden. Wie der Trainer berichtete, habe er ihnen vorgeschlagen, doch zumindest die zweite Halbzeit zu gewinnen und, wenn sie schon mal da sind, die Zeit zu nutzen, um zu lernen. Das kam offenbar gut an. Der genesene Nationalspieler Leon Goretzka, den Tedesco nach einer guten halben Stunde eingewechselt hatte, berichtete: "In so einer Situation hast du zwei Optionen. Die eine ist, auf die Mannschaft einzutreten. Und dann gibt es eben noch die andere Variante: Er hat uns gesagt, dass das zur Reise dazugehört, die wir machen wollen. Er hat jeden Einzelnen noch mal gepackt." Wohin diese Reise führt, weiß kein Mensch. Zunächst einmal haben sie sich in der Spitzengruppe der Liga etabliert, immer noch drei Punkte vor dem BVB. Die wichtigste Erkenntnis aber ist: Der FC Schalke 04 kann den doch noch sehr großen Rest der Saison im Gefühl der eigenen Stärke angehen. Und am Ende könnte dabei Großes herauskommen.

3. Der FC Bayern stößt an seine Grenzen

"Zu wenig Tempo, keine Präzision, kein Rhythmus, keine Spielverlagerung" - Jupp Heynckes wusste hinterher ganz genau, warum sein FC Bayern München nach neun Siegen hintereinander nun bei der Mönchengladbacher Borussia zum ersten Mal ein Fußballspiel verloren hat, nachdem er zum vierten Mal als Trainer bei den Münchnern angeheuert hatte. Und er räumte nach dem 1:2 ein, dass es durchaus hakt: "Es ist ein Problem, wenn so viele wichtige Spieler fehlen."

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Vor der Erschütterung: James Rodríguez.

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

In der Tat ist die Liste der Ausfälle respektabel: Manuel Neuer, David Alaba, Rafinha, Thiago, Arjen Robben, Franck Ribéry und Thomas Müller fehlten verletzt und angeschlagen. Im Spiel zog sich dann noch James Rodríguez eine Gehirnerschütterung zu. Und Juan Bernat nahm Heynckes in der Pause vorsichtshalber raus, weil es dem Spanier im Oberschenkel zwickte. Dass er für die beiden zwei Spieler namens Marco Friedl und Kwasi Okyere Wried einwechselte, zeigt, dass sie in München langsam an ihre personellen Grenzen stoßen. Was Heynckes aber, ganz Gentleman, keineswegs als Entschuldigung gelten lassen wollte, daran habe es nicht gelegen. Ansonsten sah sich Heynckes genötigt, seinen Präsidenten einzufangen. Der hatte, ganz Patriarch, behauptet, er schließe nicht aus, dass der Trainer auch über den Sommer kommenden Jahres hinaus beim FC Bayern bleibe. Genau das aber schloss Heynckes erneut aus: "Es gibt ganz klar eine Vereinbarung bis zum Ende der Saison. Und dabei bleibt es, da gibt es nichts dran zu rütteln."

4. RB Leipzig mausert sich zur Spitzenmannschaft

Die Systemfrage brauchen sie sich in Leipzig nicht zu stellen, der Plan der Rasenballsportler geht - inzwischen - einwandfrei auf. Nur drei Punkte Rückstand hat das junge RB-Team auf den FC Bayern. Unter der Woche beeindruckt die Elf von Trainer Ralf Hasenhüttl zudem mit einer 4:1-Gala in der Champions League bei der AS Monaco. Und das ist vermutlich auch die wichtigste Erkenntnis für die Sachsen: Leipzig agiert im Stile einer Spitzenmannschaft. Trotz der Doppelbelastung. Das schmucklose 2:0 gegen den SV Werder Bremen nun, der am Ende für eine durchaus gute Leistung nicht belohnt wurde, war kein glanzvoller Auftritt, gewonnen hat RB trotzdem. Und straft damit Uli Hoeneß Lügen.

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Unersetzlich: Naby Keita.

(Foto: imago/Contrast)

Der hatte nämlich noch im Mai gesagt, Leipzig könne es "nicht nur mit jungen Leuten schaffen, wenn man dreimal die Woche spielt" und empfahl dem aufmüpfigen Emporkömmling gönnerhaft, die Klubstrategie "in der neuen Saison zu modifizieren". Gut, dass sie in Leipzig nicht auf den Präsidenten des FC Bayern gehört haben. Matchwinner bei der Elf mit einem Durchschnittsalter von 24,2 Jahren war der 22 Jahre alte Naby Keita, der nach seinen drei Platzverweisen in 39 Tagen zurück in die Spur gefunden hat. Auch Hasenhüttl stellt nach dem Spiel fest, dass Keita in der Form unersetzlich ist. Blöd also, dass sie den Guineer im Sommer zum FC Liverpool ziehen lassen. Dann, eventuell dann, muss RB seine Strategie modifizieren. Aber bestimmt meldet sich Hoeneß, wenn es so weit ist.

5. Der 1. FC Köln zerstört sich selbst

Am Ende hatten selbst die treuen Fans keine Lust mehr. Das 0:2 gegen die Berliner Hertha am Sonntagabend war dann auch für sie zu viel. Und so schwiegen sie in den letzten Minuten der Partie. In Köln kann das getrost als Höchststrafe durchgehen. Der FC bleibt unangefochtener Tabellenletzter der Liga - und Besserung ist nun wirklich nicht in Sicht. Kapitän Matthias Lehmann mochte dann auch kein gutes Wort für Peter Stöger einlegen: "Wir haben zwei Punkte, aber es ist nicht meine Aufgabe, den Trainer zu köpfen. Das ist Aufgabe der Leute oben oder vom Trainer selbst." Und überhaupt: "Irgendwann bist du vom Kopf her am Arsch", sagte Lehmann: "Wenn du so viele Schläge in die Fresse kriegst, zermürbt dich das irgendwann. Das macht dich kaputt." Stöger wiederum bleibt dabei, freiwillig geht er nicht: "Da könnt ihr mich jede Woche fragen. Da könnt ihr auch denken, dass ich nicht ganz dicht bin."

Und als sei die Lage nicht schon desaströs genug, sorgte auch noch Vize-Präsident Toni Schumacher für einen mittelschweren Eklat, als er im Buhlen um Hannovers Manager Horst Heldt, der den jüngst geflüchteten Jörg Schmadtke ersetzen soll, den Bundesligakonkurrenten direkt angriff: "Wir haben natürlich mitbekommen, dass in Hannover in der Führungsriege so einige Dinge nicht stimmen", sagte der frühere Nationaltorhüter dem Bezahlsender Sky. Als ob die Kölner nicht genug damit zu tun hätten, sich selbst zugrunde zu richten.

6. Unruhe ist in Hannover nichts Neues

Aus sportlicher Sicht ist Hannover 96 nach dem Remis im Aufsteigerduell gegen den VfB Stuttgart mit sich im Reinen. Trainer André Breitenreiter sagt dann auch bei Eurosport: "Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir den Ausgleich verdient." Also alles harmonisch in Niedersachsen? Denkste! Denn beim Liga-Mittelmaß ist der Tabellenstand so ziemlich das Einzige, worüber sie sich keine Sorgen machen müssen. Da wäre zum einen der nach wie vor ungelöste Konflikt mit 96-Boss Martin Kind, der - natürlich zu einem fairen Preis - an der Machtübernahme des Vereins bastelt. Wie es sich anfühlt, ein Machtwort zu sprechen, übte Kind dann an diesem Wochenende. Natürlich werde der Klub seinen Sportdirektor Heldt nicht nach Köln ziehen lassen, da kann Schumacher erzählen, was er will. "Es ist 1000-prozentig, dass Horst Heldt bleibt. Sein Bleiben ist alternativlos. Verträge sind Zwei-Bahn-Straßen, keine Einbahnstraße", empört sich Kind in der "Bild"-Zeitung. Im Übrigen sei es ja auch so, dass er - also Kind, nicht der Bleibe-Horst - nicht dafür verantwortlich sei, die Probleme des FC zu lösen. Das riecht nach Ärger! Sportdirektor Heldt behauptet nämlich glatt das Gegenteil: "Ich muss mir das anhören." Köln sei schließlich sein Heimatverein. Ausgang der Geschichte: noch unbekannt. Vielleicht hilft ein Fun Fact weiter? Schmadtke, den Heldt beim Effzeh beerben würde, durfte damals im zweiten Anlauf von - ja, genau - Hannover nach Köln wechseln. Oder wie es André Breitenreiter formuliert: Unruhe ist in Hannover nichts Neues.

Quelle: n-tv.de

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