Fußball

So riesig läuft der 32. Spieltag Bayern feiert asketisch, Hummels enttäuscht

Bayern und Gladbach bescheren der Liga die "Riesensensation", der BVB zeigt Riesen-Enttäuschung über Mats Hummels. Und die Spielplaner beweisen vorm Abstiegsendspiel in Bremen riesigen Sinn für Humor.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Unser n-tv Tippgott Rainer Holzschuh glaubt zwar an die "Riesensensation" zwischen FC Bayern und Gladbach, wir legen uns aber fest: Die Münchner gewinnen am Samstagnachmittag gegen die eine Borussia und feiern also an diesem 32. Spieltag der Fußball-Bundesliga die deutsche Meisterschaft vor der anderen. Insgesamt wäre es ihr vierter Titel in Folge. Das hat bisher kein Klub geschafft. Nur: Richtig feiern dürften sie den Titelgewinn nicht. Manuel Neuer hat's verboten.

Nach dem schlaffen 0:1 bei Atlético Madrid kündigte der Torhüter des FC Bayern an: "Wir wollen auf jeden Fall jetzt gegen Gladbach gewinnen, planen aber keine Meisterfeier. Wir konzentrieren uns auf die Champions League, weil das ein sehr wichtiger Wettbewerb für uns ist." Und weil am Dienstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) das Rückspiel ansteht, sagte auch Kapitän Philipp Lahm: "Eine große Party können wir dann hinterher machen." Hinterher, das heißt für die Bayern und ihren Trainer Josep Guardiola im besten Fall: nach dem 28. Mai, wenn in Mailand das Champions-League-Finale stattfindet. Im schlechtesten Fall ist hinterher aber schon der 21. Mai, wenn es im Berliner Olympiastadion zum ganz großen Pokal-Final-Gefühlskino kommen könnte - wenn das letzte Bayern-Spiel der Ära Guardiola und das letzte BVB-Spiel der Ära Mats Hummels gleichzeitig über die Bühne gehen - und am Ende einer weint.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Der BVB kann am Samstag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg machen, was er will: Gewinnen zur gleichen Zeit die Bayern, bleibt die Meisterschale in München. Aber da die Dortmunder Titelchance eh rein theoretischer Natur ist und ihnen als bester Tabellenzweiter der Geschichte die Teilnahme an der Champions League nicht mehr zu nehmen ist, können sie sich im Grunde in aller Ruhe auf das Pokalfinale am 21. Mai gegen den FC Bayern vorbereiten und anfangen, loszulassen. Und zwar Kapitän Hummels, den es nach achteinhalb Jahren zum, richtig, FC Bayern zieht.

"Es ist eine Partie, die elektrisiert", hatte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke schon über das Pokalfinale gesagt, bevor Dortmund Hummels' Wechselwunsch öffentlich gemacht hatte. Jetzt setzt die kontroverse Personalie auch das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg unter Spannung, obwohl die Wolfsburger in geradezu unverschämt lustloser Manier ambitionslos dem Saisonende entgegentaumeln. Die BVB-Fangrüße an ihren desertierenden Kapitän dürften weniger eloquent ausfallen, als es Hummels gewohnt ist, selbst BVB-Coach Thomas Tuchel räumte ja ein: "Eine Enttäuschung ist damit verbunden." Schließlich müssen sie beim BVB jetzt zusehen, dass nicht alle Guten gehen, auch Ilkay Gündogan gilt ja quasi schon als an Manchester City verkauft. Tuchel betonte aber, dass er nun nicht auf Hummels verzichten werde: "Für Samstag und die nächsten Spiele ist Mats ein Bestandteil der Mannschaft."

Wie läuft der Kampf um den Europapokal?

Zu den Wunderlichkeiten dieser Bundesliga-Saison gehört, dass Hertha BSC immer noch auf einem Champions-League-Platz steht. Deswegen ist das Berliner Gastspiel beim Dritten Bayer Leverkusen nicht nur das Topspiel des 32. Spieltags, sondern auch ein Millionenspiel. Setzt Leverkusen sein grandioses Schmidteinander der letzten Wochen fort und feiert den siebten Ligasieg in Serie, könnte die vorzeitige Königsklassen-Qualifikation vorzeitig perfekt sein - sofern Gladbach nicht in München gewinnt. Gewinnt die Hertha, ist der Kampf um Platz drei und damit das direkte CL-Ticket wieder höchst spannend. Bei einem Remis hätte Hertha zumindest die Europaliga sicher, doch Coach Pal Dardai will mehr. Nämlich: "Wir wollen den vierten Platz verteidigen."

Nichts mehr zu verteidigen gibt es für Hannover 96, von der eigenen Ehre mal abgesehen. Das immerhin klappte unter Saison-Trainer Nummer 3, Daniel Stendel, trotz vorzeitigen Abstiegs sehr gut, in fünf Spielen ist H96 ungeschlagen. Eine Serie, die auch gegen den FC Schalke 04 halten soll und zur totalen Implosion des königsblauen Chaosklubs führen könnte. Implodiert ist zuletzt auch der FSV Mainz, der erst von Köln geliverpoolt und dann von Frankfurt niedergekämpft wurde. Ein Pleiten-Triple sollten die Mainzer im Kampf um Europa tunlichst vermeiden. Ach ja: Gegner ist der Hamburger SV.

Brisanz oder Langeweile?

Der 1. FC Köln im internationalen Geschäft? Das ist vor dem 32. Spieltag tatsächlich noch eine Option und verleiht dem an sich überschaubar aufregenden Effzeh-Gastspiel beim FC Augsburg durchaus Würze. Zumal dem wiedererstarkten FCA neben dem Verlust von Erfolgstrainer Markus Weinzierl weiterhin der Abstieg droht. Noch würziger als im bayrischen Schwabenland wird es aber in Hessen. Dort steht das Derby zwischen SV Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt an und das beschäftigt sogar das Verwaltungsgericht Darmstadt. Das kippte am Donnerstagabend das Innenstadtverbot für Frankfurt-Fans, was bei Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann dennoch einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. "Solche Alleingänge der Stadt können für den Fußball nicht stilbildend sein. Wir wollten versuchen, im Vorfeld deeskalierend zu wirken. Dadurch ist die Situation jetzt nicht einfacher geworden", sagte Hellmann und appellierte an die eigenen Fans: "Meine Bitte ist, dass am Samstag alle die, die kein Anliegen haben, Abstand von einer Fahrt nach Darmstadt nehmen." Denn brisant wird es auch ohne Frankfurter Sternmärsche oder dergleichen durch die Darmstädter Innenstadt. Die Eintracht ist vor dem 32. Spieltag mit 30 Punkten Vorletzter und akut abstiegsgefährdet - Aufsteiger Darmstadt steht mit 35 Zählern auf dem 13. Rang und muss weiter zittern. 1899 Hoffenheim auch, trotz Bubi-Coach Julian Nagelsmann. Ein Heimsieg über Ingolstadt würde die Lage bei der TSG aber deutlich entspannen - ganz ohne Verwaltungsgericht.

Für welchen Trainer wird's eng?

Montagabend, 20.15 Uhr, Flutlicht: Wer da spielen darf, der hat es geschafft. Für diesen exklusiven Spielplatz hat die DFL jede Woche das Topspiel reserviert - in der 2. Liga. Am kommenden Montag, den 2. Mai, dürfen die Noch-Erstligisten Werder Bremen und VfB Stuttgart schon mal testen, wie sich so ein Zweitliga-Topspiel am Montag anfühlt, der 1. Mai und die DFL-Spielplaner wollten es so und sie hatten schon unlustigere Einfälle. In Bremen und Stuttgart haben sie sich damit freilich keine Freunde gemacht, die VfB-Ultras boykottieren die Reise an die Weser. Vielleicht wollen sie auch einfach nicht mit ansehen, wie die Stuttgarter unter Jürgen Kramny wieder dorthin rutschen, wo sie Kramnik nach der fruchtlosen Arbeit des unverstandenen Trainergenies Alexander Zorniger übernommen hatte: auf Relegationsrang 16. Zorniger hatten die Schwaben nach einem 0:4 gegen den FC Augsburg am 13. Spieltag gefeuert. Damals stand der VfB auf dem drittletzten Tabellenplatz. Und nun, nach 31 Spieltagen, sind die Stuttgarter Viertletzter - mit zwei Punkten mehr auf dem Konto als die Bremer, die auf dem Relegationsrang weilen. Das klingt spannend. Wie gut, dass Stuttgarts Sportdirektor Robin Dutt, der seinerseits im Oktober 2014 als Trainer in Bremen entlassen worden war, Kramny so etwas wie eine Jobgarantie ausgestellt hat. Er habe, ließ Dutt verlauten, "hundertprozentiges Vertrauen in Jürgen". Und überhaupt: Im vergangenen Jahr sei alles noch viel schlimmer gewesen: "Damals waren wir Letzter. Jetzt haben wir wenigstens zwei Punkte Vorsprung. Da werde ich doch nicht negativer eingestellt sein als damals."

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Er wird am Wochenende keinen Elfmeter schießen. Mittlerweile ist die Quote so, als ob unser Zeugwart schießen würde." Schalkes Trainer André Breitenreiter auf die Frage, ob Klaas-Jan Huntelaar in Hannover erneut zum Strafstoß antreten würde. Der Niederländer hatte beim 2:3 gegen Leverkusen zum siebten Mal in der Bundesliga einen Strafstoß nicht verwandelt.

Quelle: ntv.de