Fußball

Mannequin Challenge in Milano DFB-Elf entspannt, San Marino foppt Müller

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Geschickt ausgekontert worden, der gute Thomas Müller.

(Foto: dpa)

Während sie in San Marino noch sauer sind ("Ihr bleibt diejenigen, die weiße Socken unter Sandalen anziehen"), zieht die DFB-Elf in aller Freundschaft weiter nach Italien. Gut, dass der Bundestrainer den Papst in der Tasche hat.

Worum geht's?

Für die einen ist es ein Fußballspiel gegen einen prominenten Gegner - und für die anderen auch. Sie nennen es Klassiker. Oder wie es Mats Hummels sagte: "Da ist immer ein bisschen Prickeln dabei." Heute also spielen sie, ab 20.45 Uhr (im Liveticker bei n-tv.de), zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr, in aller Freundschaft in Mailand: Italien gegen Deutschland. Ende März gewann die DFB-Elf ein Testspiel in München mit 4:1, Anfang Juli setzte sie sich beim Bolzplatz-Bingo in Bordeaux im Viertelfinale der Europameisterschaft in einem ebenso skurrilen wie dramatischen Elfmeterschießen durch. Und heute? Hofft Bundestrainer Joachim Löw darauf, dass "beide Mannschaften schon auch, befreit von dem Druck, ein bisschen offensiver aufspielen, als es bei der EM der Fall war"

Wie ist die Ausgangslage?

Italien - Deutschland, 20.45 Uhr

Italien: Buffon - Darmian, Bonucci, Astori, de Sciglio - Parolo, Verratti, de Rossi - Candreva, Belotti, Immobile; Trainer: Ventura.
Deutschland: Leno - Höwedes, Mustafi, Hummels - Rudy, Weigl, Goretzka, Gerhardt - Müller, Gnabry - Götze; Trainer: Löw.
Schiedsrichter: Soares Dias (Portugal)
Stadion: Giuseppe Meazza

Ganz prima eigentlich. Die deutsche Mannschaft hat ja am Freitag locker und doch seriös mit 8:0 in Serravalle gegen San Marino gewonnen, auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland den vierten Sieg im vierten Spiel eingefahren und sich darüber gefreut, dass Serge Gnabry in seinem ersten Spiel gleich drei Tore geschossen hat. Ob er heute wieder auf der linken Angriffsseite spielen darf? Der "Kicker" sagt ja, wir halten das für eine gute Idee. Fest steht aber nur: Nachdem Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona am Freitag sein erstes Pflichtspiel für die DFB-Elf absolviert hatte, ist heute der Leverkusener Bernd Leno an der Reihe, den maladen Manuel Neuer zu vertreten. Darauf hat der Bundestrainer sich festgelegt. In der Innenverteidigung stellt er dem Münchner Hummels den Schalker Benedikt Höwedes an die Seite - wie prickelnd. Und: "Es kann auch gut sein, dass Yannick Gerhardt auf der linken Abwehrseite beginnt für Jonas Hector." Der Wolfsburger wäre dann nach Benjamin Henrichs von Bayer 04 Leverkusen und besagtem Gnabry vom SV Werder Bremen der dritte Debütant auf dieser Länderspielreise.

Wie ist die deutsche Mannschaft drauf?

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Die dürfte sich in Mailand einigermaßen erholt präsentieren. Statt nach dem Kantersieg in San Marino fleißig weiter zu üben, um immer besser und noch besser zu werden, hatte sich die Reisegruppe DFB auf den Weg nach Rom gemacht, um sich dort zu vergnügen. Gestern ging's zum Papst, das muss ein Erlebnis gewesen sein. Der Bundestrainer sprach gar von einem Höhepunkt. "Es waren auf jeden Fall schöne Minuten." Am Sonntag besichtigten sie das Colosseum und diverse Hügel, am Samstag waren die Herren schön essen, der Wahl-Römer a. D. und prominenteste Praktikant in der Geschichte des Verbandes hatte die Lokalität ausgesucht. Dort ließen es sich Miroslav Klose und seine ehemaligen Mitspieler samt Trainer gut gehen. Lustig ging's zu. Nur einmal hielten sie inne - um ein Video für dieses Internetdings "Mannequin Challenge" aufzunehmen. Das haben sie tatsächlich gut hinbekommen; das mit den Mannequins, also mit den Schaufensterpuppen, haben wir verstanden. Aber wo ist die Herausforderung, in einem Restaurant einige Minuten wie gefroren zu verharren? Heute wollen wir das sehen! Sagen wir 20.45 Uhr, Guiseppe-Meazza-Stadion?

Was machen die Italiener so?

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Giampiero Ventura hat gut zu tun.

(Foto: imago/Buzzi)

Dem Vernehmen nach sind sie gar nicht glücklich, dass sie heute gegen den Weltmeister spielen müssen. Nationaltrainer Giampiero Ventura hatte den Job im Sommer nach dem bitteren Aus im Elfmeterschießen gegen Deutschland im Viertelfinale der EM von Antonio Conte übernommen und im Grunde genug damit zu tun, mit seiner Mannschaft ohne Umweg die WM 2018 zu erreichen. Die Partie komme für seine neu zusammengestellte Mannschaft zu früh, sagte Ventura, "es ist fast schon eine Reifeprüfung". Dazu muss man sagen, dass die Italiener das Pech haben, mit Spanien in einer Qualifikationsgruppe zu spielen. Gegen die gab es, nach einem 3:1 in Israel, im zweiten Spiel ein 1:1 in Turin, was der Squadra Azzurra insofern schmeichelte, als dass sie spielerisch klar unterlegen war. Es folgten, nach einem 1:2 Rückstand, ein 3:2 in Mazedonien und am Samstag nun ein 4:0 in Vaduz gegen Liechtenstein. In der zweiten Halbzeitzeit schossen die Italiener kein Tor mehr, auch deshalb führt Spanien die Tabelle der Gruppe G mit der klar besseren Tordifferenz an.

Die Hoffnungen trägt einer, der im Sommer 2014 nach Dortmund kam, Robert Lewandowski ersetzen sollte, bei der Borussia unter Trainer Jürgen Klopp keine schöne Zeit hatte und sich nach drei Toren in der Bundesliga, drei im DFB-Pokal und vier Treffern in der Königsklasse im Sommer 2015 enttäuscht verabschiedete. Dem "Kicker" sagte Ciro Immobile nun dennoch tapfer: "Ich sehe meine Saison beim BVB nicht negativ." Mittlerweile ist der Angreifer bei Lazio Rom gelandet und soll dort Miroslav Klose ersetzen. "Er ist ein Mythos. Hier in Rom ist er immer noch ein Held, ein Teil der Klubgeschichte für jeden Lazio-Fan." Immobile spielt bisher eine gute Saison, für seinen Klub gelangen ihm in zwölf Spielen neun Tore, Lazio steht auf Platz vier der Tabelle der Serie A. Und in der EM-Qualifikation hat er für Italien auch schon viermal getroffen, er war es, der das Spiel in Mazedonien drehte. Da kann Ventura offenbar locker auf Mario Balotelli verzichten. Der hat zwar für OGC Nizza in dieser Saison der französischen Ligue 1 unter Lucien Favre auch schon sechs Treffer erzielt, aber Italiens Trainer sagte: "Er spielt kontinuierlich seit zwei Monaten. Doch dieser Zeitraum ist zu wenig, um die Laufbahn einer Person zu ändern." Er wolle aber demnächst mit Balotelli sprechen, der zuletzt vor zwei Jahren in der Nationalmannschaft gespielt hat. Erst einmal aber steht die Reifeprüfung gegen den Weltmeister an.

War sonst noch was?

Thomas Müller hatte ein bisschen darüber geschimpft, dass die San-Marinesen doch arg schlecht gespielt hätten und das mit professionellem Fußball herzlich wenig zu tun gehabt habe. Aber "für San Marino ist das natürlich ein Highlight, gegen den Weltmeister zu spielen". Genauso war's. Doch in San Marino und um San Marino herum haben sie sich dann doch geärgert, dass Weltmeister Müller so abfällig sprach. Alan Gasperoni, Sprecher des Olympischen Komitees San Marinos, schrieb Müller einen Brief. Und da er das via Facebook tat, weiß jetzt jeder, der mag, um die zehn guten Gründe, warum es eine gute Idee war, dass Deutschlands Fußballer in Europas kleinster Republik gespielt haben. Sagen wir es so: Gasperoni ist da was einigermaßen Witziges gelungen. So habe die Partie in Serravalle "bewiesen, dass Du nicht einmal gegen eine schwache Mannschaft wie unsere ein Tor erzielst", schrieb Gasperoni. "Außerdem hat das Match gezeigt, dass Fußball nicht nur der Besitz von euren Größen wie Beckenbauer und Rummenigge ist, sondern all jenen gehört, die ihn lieben - ob ihr es wollt oder nicht, wir zählen auch dazu." Und eben auch die "Jungs, die ihre Träume jagen und nicht eure Schecks". "Lieber Thomas", hieß es weiter, "dieses Spiel hat einem Land, das so groß wie ein Teil deines Münchner Stadions ist, geholfen, in die Medien zu kommen. Und zwar aus einem guten Grund, denn ein Fußballspiel ist immer ein guter Grund." Am besten aber hat uns der Schluss gefallen: "Und auch wenn ihr die schönsten Trikots tragt: Am Ende bleibt ihr doch diejenigen, die weiße Socken unter Sandalen anziehen."

Quelle: n-tv.de

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