Fußball

Die Lehren des 10. Spieltags Das würden sie beim FC Bayern nie sagen

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Der FC Bayern bleibt hungrig.

Mit viel Mühe, aber auch einer erstaunlichen Mentalität verteidigt der FC Bayern den ersten Platz in der Fußball-Bundesliga. Überraschend wenig Frust herrscht beim BVB, der vom Remis im Spitzenspiel hätte profitieren können. Derweil erleidet der 1. FC Union den Super-GAU.

Borussia Dortmund fühlt sich zu wohl im Krisenmodus

Borussia Dortmund hätte sich zu einem der großen Gewinner des Samstags machen können: Der FC Bayern, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach, der VfL Wolfsburg: Alle kamen sie über ein Unentschieden nicht hinaus. Der 1. FC Union, vor diesem Spieltag nur zwei Punkte hinter dem BVB, verlor sogar. Doch auch Borussia Dortmund konnte nicht gewinnen, das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt hält den notorischen Vize-Meister im Krisenmodus.

Statt sich in Abwesenheit von Torjäger Erling Haaland in Schlagdistanz zum arg strauchelnden FC Bayern zu bringen, blickt man dem Rekordmeister mal wieder früh aus der Entfernung hinterher. Da mutet es schon reichlich grotesk an, dass man sich beim immer ambitionierten BVB mit der Situation offenbar ganz gut arrangiert hat.

"Am Ende können wir zufrieden sein", befand Trainer Lucien Favre hinterher. "Wir wollen immer gewinnen, aber unsere erste Halbzeit war nicht gut. Die zweite Halbzeit war viel besser, da hätten wir auch gewinnen können. Da hatten wir viel mehr Intensität und Bewegung. Es hat etwas zum Sieg gefehlt, aber nicht viel. Ich bin immer okay mit einem Punkt." Damit wären wir wohl mal wieder bei der M(entalitäts)-Frage: Beim FC Bayern, dem Alles-Gewinner der letzten Monate und national seit beinahe einem Jahrzehnt unantastbar, würden sie sich eher heftig auf die Zunge beißen, als einen solchen Satz in die Welt zu geben.

Der FC Bayern ist einfach besser zufrieden

Beim FC Bayern hört sich das so an: "Am Ende können wir damit leben, müssen wir damit leben", sagte Thomas Müller nach dem 3:3 seiner personell und termingehetzt arg zerrupften Mannschaft im Spitzenspiel gegen RB Leipzig. "Es war am Ende auch besser, dass wir nicht übertrieben haben, um nicht noch mal einen Konter zuzulassen."

Die Punkteausbeute - ein Zähler aufgrund des Remis' - war dieselbe wie bei Borussia Dortmund, aber der Rekordmeister verteidigte eben damit im Duell mit dem direkten Verfolger in einer ganz schwierigen Phase die Tabellenführung - und ließ nicht Punkte bei einem Mittelfeldklub liegen. Favres Trainerkollege Hansi Flick drückte es so aus: "Wichtig war, dass wir das Spiel nicht verloren haben. Zumal es ein wildes Spiel war, wo wir relativ einfache Tore bekommen haben."

Die einfachen Tore - schon die Gegentreffer 14 bis 16 in der laufenden Saison - nerven Flick natürlich, auch wenn der Trainer die Erklärung dafür zu kennen glaubt: "Die Abstimmung ist gerade bei den relativ einfachen Gegentoren nicht ganz optimal gewesen, was auch daran liegt, dass wir nicht immer mit derselben Formation auftreten können." Seine Mannschaft kontere das aber erfolgreich mit starkem Willen, vor allem bei Rückständen. Thomas Müller machte dann auch noch einmal klar: "Da waren zu viele Ballverluste dabei, auch von mir, es war also nicht alles perfekt", krittelte der unermüdliche Titelsammler bei aller Zufriedenheit mit dem Punkt an der eigenen Leistung herum. Wohlgemerkt: Der Mann hatte zweimal getroffen.

Mainz spielt nicht wie ein Abstiegskandidat

Nein, der 1. FSV Mainz 05, seit dem 1:2 gegen Arminia Bielefeld nach einem kurzen, fünf Punkte starken Zwischenhoch wieder 17. der Bundesliga-Tabelle, präsentiert sich auf der Alm wahrlich nicht wie ein Abstiegskandidat. Und das ist keineswegs als Kompliment oder Aufmunterung gemeint. Im Gegenteil: gegen einen direkten Konkurrenten ließ das Ensemble von Interims-oder-vielleicht-doch-Dauerlösung Jan-Moritz Lichte nicht nur Engagement und Überzeugung vermissen, sondern auch die nötige Ernsthaftigkeit, die für den Abstiegskampf nötig ist.

Das sichtbarste Symptom dafür produzierte ausgerechnet Jean-Philippe Mateta. Der Stürmer hatte in den letzten drei Spielen viermal getroffen und hatte in den ersten Minuten dieses für seine Mannschaft so wichtigen Spiel wieder zwei Großchancen. Beide ließ der Franzose liegen, was er aber bei der zweiten in der 16. Minute veranstaltete, hatte mit seriösem Abstiegsmanagement nichts zu tun: Zuerst scheiterte der Stürmer an Bielefelds Torwarts Stefan Ortega, den Nachschuss wollte er dann mit der Hacke ins Tor bugsieren. Und scheiterte grotesk.

"Wir müssen im Kopf für solche Spiele bereit sein", ärgerte sich der Mainzer Keeper Robin Zentner nach der Partie: "Wir müssen erkennen, um was es in solchen Spielen geht. Dann gewinnen wir die auch." Fünf Punkte nach neun Spieltagen hatten die Mainzer zuvor gesammelt. Für manche waren das offenbar ein paar zu viel, um die Sache ernst zu nehmen.

Herthas Frust-Stürmer trifft gerade recht

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Leer? Egal!

(Foto: AP)

Matteo Guendouzi läuft nach Abpfiff des Hauptstadt-Derbys in die Ostkurve. Er feiert den 3:1-Sieg gegen den 1. FC Union, er lässt seine Freude über ein gutes Spiel heraus, er wirft sogar sein Trikot in den Rang. Das alles ohne Zuschauer. Und ohne überhaupt zu wissen, wie die Stimmung in der Ostkurve so ist. Das hat der 21-Jährige seit seinem Wechsel zu Hertha BSC noch gar nicht erlebt. Seine Party ohne Publikum wirkt albern, aber für seine Mitspieler nachahmenswert, so, wie sie sich dort drüben in der Kurve des mit 74.000 Plätzen ausgestatteten Berliner Olympiastadions selbst feierten. Klar, erster Heimsieg der Saison und der Gewinn des Derbys, das sind gute Gründe so ausschweifend zu jubeln. Und trotzdem gibt Trainer Bruno Labbadia den Mahner: "Die drei Punkte sind das Wichtigste, weil uns das in der Entwicklung einen Schub geben kann." Sein Team habe das Spiel allerdings "nicht auf einem Top-Niveau bestritten". Und erklärte am Tag danach: "Ich bin weit davon entfernt zu sagen, wir haben ein Klassespiel gemacht." Seine Mannschaft drehte immerhin die Partie, hatte beim abgefälschten Tor von Krzysztof Piatek allerdings auch das Glück auf ihrer Seite.

Apropos Piatek: Der polnische Stürmer - schon als Fehleinkauf und wieder auf dem Absprung gewertet - erzielte seine Saisontreffer Nummer zwei und drei. Er wird am kommenden Samstag im Spiel bei Borussia Mönchengladbach wohl zu einem Startelf-Einsatz kommen, denn Topscorer Matheus Cunha fehlt wegen seiner fünften Gelben Karte. Es könnte also gut sein, dass Piatek gerade rechtzeitig beweist, warum er im Januar für 24 Millionen Euro vom AC Mailand zur Hertha transferiert wurde. Er hat immerhin noch mitbekommen, wie die Stimmung im Olympiastadion sein kann. Seine Gute-Laune-Hopser vor der Ostkurve waren also mutmaßlich nicht nur seinem guten Spiel geschuldet.

Union muss Kruse jetzt verzichtbar machen

Ganz anders ist naturgemäß die Gemütslage ein paar Kilometer quer durch die Hauptstadt: In Köpenick haben sie die Derby-Pleite mächtig teuer bezahlt: Die Sperre, die Mittelfeldspieler Robert Andrich nach dessen Kung-Fu-Attacke auf Lucas Tousart erwartet, wird dabei weniger schmerzen als der Super-GAU "Kruse-Ausfall". Stürmer Max Kruse, mit elf Scorerpunkten in zehn Spielen der Motor des prächtigen Saisonstarts der Köpenicker, wird bis auf Weiteres fehlen. Der Stürmer selbst rechnet aufgrund seines Muskelbündelrisses mit einer Pause von acht Wochen. "Wenn es so sein sollte, gilt es, ihn zu ersetzen. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig", hatte Urs Fischer, Trainer von Union Berlin, vor der bitteren Diagnose gesagt - und hatte Kruses Bedeutung für das Unioner Offensivspiel nochmals hervorhob: "Er ist der Verbindungsspieler, der uns gefehlt hat. Derjenige, der immer mal wieder für das Kreative und Außergewöhnliche da ist."

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den Spielen, in den sechs Spielen, in denen Kruse Scorerpunkte sammelte, holte Union 14 Punkte - in den übrigen vier sprangen nur zwei Zähler raus. Fischer freut sich im ersten Saisonspiel ganz ohne seinen Topscorer auf "eine tolle Herausforderung", es warte "ein toller Gegner". Gemeint ist der FC Bayern München. Das wäre auch mit Max Kruse schwer geworden.

Man kann sich auf viele Arten eine Gelbe Karte verdienen ...

... etwa, indem man einen Konter per Trikotzupfer verhindert. Oder etwas zu rustikal zu Werke geht. Oder sich zu viel Zeit bei der Spielfortsetzung lässt. Oder dem Schiedsrichter unsachgemäß Rückmeldung zu dessen Spielleitung gibt. Alles nicht regelkonform und sanktionswürdig. Auf exotische, unsportliche, nachgerade dumme Art und Weise hat sich der Stuttgarter Silas Wamangituka seine Strafe verdient. Der Stuttgarter war am Sonntag der Mann des Nachmittags, seine beiden Treffer sorgten beim SV Werder für das traurige Finale einer ärgerlichen Woche und für drei weitere Punkte auf dem schon ordentlich gefüllten Konto von Aufsteiger Stuttgart. Und dann macht sich die Offensivkraft zum Klops, weil er augenscheinlich den Gegner verhöhnen will: Beim zweiten Tor stibitzte Wamangituka kurz vor Schluss Bremens Torhüter Jiri Pavlenka den Ball und spazierte aufreizend lässig Richtung Torlinie, ehe er ihn zum 2:0 über die Linie drosch. Dafür sah er die Gelbe Karte, die unnötigste der bisherigen Saison.

Pellegrino Matarazzo, Wamangitukas Trainer, erklärte den Vorfall etwas überraschend so: "Wer Silas Wamangituka kennt, weiß, dass er ein sehr schüchterner Junge ist. Ich habe bei dem Tor gedacht, dass er auf Zeit spielen will, das hat er mir auch nach dem Spiel bestätigt." Zur Erinnerung: Wamangituka traf zum 2:0, es lief bereits die Nachspielzeit.

Quelle: ntv.de

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