Fußball

Klopp? Löw? Rangnick? Dem FC Bayern bleibt - ja, wer eigentlich?

Hansi Flick hat dem FC Bayern mitgeteilt, dass er den Klub verlassen möchte. Die Münchner werden diesem Wunsch wohl nachkommen. Was die Frage aufwirft: Wer folgt? Auf den Rekordmeister kommt eine wichtige Personalentscheidung zu.

Die Bosse des FC Bayern schweigen eisern. Das tun sie selten. Es ist ein Indiz dafür, dass sie mit der aktuellen Situation überfordert sind. Dass sie von Cheftrainer Hansi Flick wieder mal überrumpelt wurden. Der hatte zwar bereits in den vergangenen Tagen intern den dringenden Wunsch hinterlegt, den Klub im Sommer trotz eines bis 2023 laufenden Vertrags verlassen zu dürfen, dass er diesen Wunsch aber am Samstagabend auch öffentlich platzierte, hat den Klub aber offenbar mächtig überrascht.

Denn Reaktionen auf die Ankündigung kamen bis zum frühen Sonntagmorgen nur aus der Mannschaft. Und die drückten ihre gewaltige Loyalität mit dem Trainer aus. Immer wieder hatten Spieler wie Robert Lewandowski, Thomas Müller oder auch Manuel Neuer fallen gelassen, dass sie sich eine lange Zusammenarbeit mit Flick wünschen würden. Ebenso wie Klubboss Karl-Heinz Rummenigge. Als allerdings einziger aus dem Vorstand. Aber auch er schweigt aktuell (noch).

Nun, diese Zusammenarbeit wird nach zwei gemeinsamen Jahren, anderthalb davon als Cheftrainer enden. Zu irreparabel ist der Streit mit dem Sportvorstand. Zu manifestiert das heftig umkämpfte Hoheitsgebiet Kaderplanung. Es liegt unangreifbar in der Verantwortlichkeit von Salihamidžić.

Das von Flick herbeigeflehte Transferveto, es wurde ihm versagt. Und wird ihm auch versagt bleiben. Eine Trennung – unvermeidlich. Auch weil der Trainer mit einer sehr konsequenten Eskalation seiner Meinung über die Personalpolitik seines Vorgesetzten den Boden für eine gemeinsame Zukunft komplett vermint hatte. Wie geht es aber nun weiter? Flick wird es wahrscheinlich zur Nationalmannschaft treiben. Auch wenn er sich sehr zurückhaltend äußerst. Für die Mächtigen beim DFB ist er die Wunschlösung als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw. Und was passiert beim FC Bayern? Gute Frage! Ein Kandidatencheck.

Julian Nagelsmann

Der Trainer von RB Leipzig ist der vielleicht logischste Kandidat auf die Nachfolge von Flick. Er ist hochbegabt in seinem Handwerk, jung, hungrig und am wichtigsten: Der erst 33-Jährige hat nach seinem Wechsel aus Hoffenheim in den vergangenen beiden Jahren bewiesen, dass er Mannschaften auf höchstem Niveau führen kann. In der zurückliegenden Saison schaffte er es mit RB bis ins Halbfinale der Champions League, in dieser Saison war indes bereits im Achtelfinale gegen Liverpool Schluss.

In der Bundesliga formte Nagelsmann Leipzig in dieser Zeit zur Nummer zwei hinter den allmächtigen Bayern – mit modernem und zielstrebigem Hochgeschwindigkeitsfußball. Kurzum: Nagelsmann ist bereit für den nächsten Schritt. Den kann er in Deutschland nur bei den Bayern machen – dem Lieblingsverein seiner Jugend übrigens. In München müsste Nagelsmann anders als in Leipzig nicht damit leben, dass ihm die Leistungsträger weggeschnappt werden, zuletzt erlebt bei Timo Werner und dem in der kommenden Saison für den FC Bayern verteidigenden Dayot Upamecano. Er stünde dann am oberen Ende der Nahrungskette; eine für jeden Trainer verlockende Aussicht. Dass Nagelsmann in Leipzig einen bis 2023 laufenden Vertrag hat, ist zwar Fakt, im Falle einer konkreten Bayern-Anfrage aber wohl auch schnell Makulatur. (sfu)

Ralf Rangnick

Wow, was für eine spannende Personalie das wäre. Und was für eine mutige noch dazu. Sportlich wäre Rangnick für den FC Bayern eine Königslösung. Der 62-Jährige kann mit Stars arbeiten und Talente entwickeln. Er hat das perfekte Portfolio, um in München erfolgreiche Arbeit zu leisten. Hat das unter anderem als Bauherr der Spitzenprojekte TSG Hoffenheim und RB Leipzig nachgewiesen. Er würde auch dem sehnlichen Wunsch nachkommen, Talente aus dem eigenen Campus in die Profimannschaft zu etablieren. Er würde damit den Weg von Flick ausbauen, der ja bereits mit Jamal Musiala einen Hochbegabten immer stärker ins Team eingebaut hatte. Mit Bright Arrey-Mbi, Christopher Scott oder aber Tanguy Nianzou stehen die nächsten Youngster bereit, um einen erfolgreichen Weg beim Rekordmeister zu gehen.

Aber es gibt ein auch ein Monster-Argument, das gegen Rangnick und München spricht. Er strebt nach Macht, Einfluss und Mitsprache. Kaum vorstellbar, dass er sich in das Machtgefüge einordnen würde, an dem Flick letztendlich verzweifelt ist. Rangnick wäre also nur dann vorstellen, wenn Salihamidžić weniger mächtig wäre. Oder aber nicht mehr da. (tno)

Erik ten Hag

Wenn im oberen Drittel der Bundesliga eine Trainerstelle offen ist, wird der Name des Niederländers immer wieder genannt. Mit seiner herausragenden Arbeit in Amsterdam hat er sich einen prominenten Platz auf allen Watch-Listen der großen Klubs gemacht. Die Art, wie er Ajax vor zwei Jahren ins Halbfinale der Champions League führte, sorgte für Begeisterung. Jung, dynamisch, offensiv, leidenschaftlich. All das sind Pfunde, mit denen er auch beim FC Bayern wuchern könnte. Und in München wissen sie ja bereits, wie ten Hag tickt. Von 2013 bis 2015 coachte er die Reserve des Klubs. Und das sehr erfolgreich. In 72 Spielen sammelte er im Schnitt 2,14 Punkte! Das toppt er bei Ajax sogar noch, in Holland holt er durchschnittlich 2,32 Punkte pro Spiel.

Mit seiner Akribie, seinem taktischen Mut, seiner Vorliebe für eine detaillierte und personalisierte Trainingsgestaltung hat er sich einiges von Josep Guardiola abgeschaut, der damals Cheftrainer in München war. Ten Hag ist bislang auch nicht durch laute Kader-Klagen aufgefallen, was bei einem internationalen Ausbildungsverein wie Ajax auch verwegen wäre. Immer wieder verliert der Verein seine besten Spieler, immer wieder werden neue Talente erfolgreich aufgebaut. Was gegen ten Hag sprechen könnte: Er hat bislang keine Erfahrungen im Umgang mit einem Star-Kader. Daran ist in München zuletzt Niko Kovac gescheitert, der unter anderem Thomas Müller gegen sich aufgebracht hatte. (tno)

Jürgen Klopp

Wie könnte sein Name nicht fallen, wenn es um den höchsten Trainerjob im deutschen Vereinsfußball geht? Der 53-Jährige hat mit dem FC Liverpool nicht nur die Champions League gewonnen, er hat den Klub auch zur ersten Meisterschaft in der Premier League nach 30 Jahren geführt. Dafür werden sie ihm an der Anfield Road irgendwann ein Denkmal bauen. Schon davor, in seiner Zeit bei Borussia Dortmund, feierte Klopp teils sensationelle Erfolge (Finale der Champions League 2013), begeisterte mit dem leidenschaftlich-krachenden Fußball, den er spielen lässt. Klopp steht für Erfolg, der FC Bayern auch.

Dass Klopp die Nachfolge von Flick anritt, ist aber sehr unwahrscheinlich. Die Gründe: Klopp steckt mit Liverpool in einem Tief. Ob sich der Klub dieses Jahr für die Champions League qualifiziert, ist völlig offen. Er wird den Verein so auf keinen Fall verlassen wollen. So tickt Klopp einfach nicht. Außerdem hat er immer wieder betont, nach seiner Station in Liverpool wohl erst einmal eine Pause einlegen zu wollen, zu intensiv sei die Arbeit an der Seitenlinie, um von Station zu Station zu hüpfen. Klopps Vertrag bei den "Reds" läuft noch bis 2024.

Und über allem steht die Frage: Hätte Klopp überhaupt Lust, die Bayern zu trainieren? Oder würde er nicht viel lieber Bundestrainer werden? Zwischen seiner hemdsärmelig-bodenständigen Art und dem bisweilen arg staatstragenden Mia-san-Mia-Selbstverständnis der Bayern klafft eine gewissen Lücke. Dass Klopp bei Transferfragen kein gewichtiges Mitspracherecht fordert? Unvorstellbar. Er ist bekannt dafür, Spieler charakterlich zu durchleuchten, bevor er sie in sein Team holt. Diese Aufgabe wird er keinem anderen überlassen, geschweige denn, ein abschließendes, verbindliches Urteil zu treffen. (sfu)

Massimiliano Allegri

Massimiliano Allegri hat die Vita für den FC Bayern, er hat das Format für den Rekordmeister und er hätte dem Vernehmen nach auch Lust auf ein Engagement beim entthronten Champions-League-Sieger. Was der Italiener nicht hat: Einen Vertrag. Und dieser Fakt könnte den einstigen Trainer von Juventus Turin auf der Shortlist des FC Bayern gleich nochmal ein, zwei Plätze nach oben rutschen lassen.

Aus Italien heißt es, dass der scheidende Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge den 53-Jährigen sehr schätzt. Allegri hatte 2011 für den AC Mailand den bis heute letzten Meistertitel geholt, danach führte er Juventus Turin in fünf Jahren zu fünf Meisterschaften und zweimal ins Finale der Champions League, im Sommer 2019 schied er einvernehmlich bei Juventus Turin aus und ist seitdem ohne Festanstellung. – und müsste also nicht aus einem Vertrag herausverhandelt werden.

Schon einmal sei er ein Kandidat beim FC Bayern gewesen sein, die Nachfolge des gefeuerten Niko Kovac trat dann aber mit den bekannten Folgen Hansi Flick sein. Lothar Matthäus schwärmte damals: "Wenn die Bayern nicht unbedingt einen Trainer haben wollen, der deutsch spricht, wäre er für mich die spannendste Lösung", so der Rekordnationalspieler seinerzeit bei Sky. Allegri sei nicht nur ein großer Name, auch seine Erfolge mit Juventus Turin würden für sich sprechen. Als einen "Gentleman und Fußball-Fachmann der allerersten Kategorie" beschreibt Matthäus den Italiener. Es kam anders, aber was damals galt, gilt nun immer noch.

Allerdings galt damals auch: Dass der Trainer Deutsch spricht, soll den Bayern-Verantwortlichen nach den zwiespältigen Erfahrungen vor allem mit dem in München glücklosen Italiener Carlo Ancelotti schon vor der Verpflichtung von Niko Kovac ein Anliegen gewesen sein. Ein Engagement beim FC Bayern wäre für Allegri die erste Station außerhalb seiner italienischen Heimat. (ter)

Joachim Löw

Einer, der auch zur neuen Saison Zeit hat und ohne nervige Vertragsscherereien zu haben wäre, ist Joachim Löw. Der Noch-Bundestrainer macht nach der EM beim DFB Schluss und verkündete schon im März, seine "Trainerlaufbahn wird danach nicht vorbei sein. Denn ich liebe die tägliche Arbeit auf dem Platz und das individuelle Training mit den Spielern", sagte der 61-Jährige bei Sport1. Nach seinem letzten großen Turnier als Bundestrainer wolle er erst einmal durchatmen, für Angebote aber offen sein, schrieb Sport1. Er könne sich vorstellen, einen Top-Verein zu übernehmen.

Ein Top-Verein, das ist ohne Zweifel der FC Bayern. 2018 war Löw zumindest von einzelnen Pressevertretern schon als Nachfolger des seinerzeit in München ausgeschiedenen Jupp Heynckes gehandelt worden. Ein Engagement, so Löw damals, sei aber "für mich keine Überlegung wert", auch weil die desaströs verlaufenen WM noch bevorstand. In dessen Folge sortierte Löw dann handstreichartig drei Bayern-Profis aus, die Scherben der Aktion werden immer noch aufgekehrt.

Unvorstellbar, dass der in seinen letzten Jahren in der Wohlfühl-Oase DFB gegenüber äußeren Einflüssen immer dünnhäutiger gewordene Löw beim per se stressigen FC Bayern arbeiten wollen würde. Thomas Müller, der ewige Münchener, der schon viel erlebt und viele kommen und gehen gesehen hat, sagte gestern über Hansi Flick mitfühlend: "Er hat viel Energie gelassen in den intensiven anderthalb Jahren. Um Trainer beim FC Bayern zu sein, braucht man ein dickes Fell." Das hat Löw nicht. Nein, Joachim Löw wird ohne den Hauch eines Zweifels nicht Trainer beim FC Bayern. (ter)

José Mourinho

"Bayern ist natürlich ein Gigant", schwärmte José Mourinho, mehrfacher Champions-League-Sieger und mit einer vor Größtvereinen überquellenden Vita gesegneter Startrainer im April 2019 gegenüber "Sport Bild". Damals war der Portugiese nach seinem Rauswurf bei Manchester United ohne Job, wenig später übernahm er den ambitionierten Premier-League-Klub Tottenham Hotspur, knapp unterlegener Champions-League-Finalist. Keine zwei Jahre später steht Mourinho dort nach einer desaströsen Rückrunde samt peinlichem Europa-League-Aus bei Dinamo Zagreb arg in der Kritik, vielleicht auch schon vor dem Ende seines Engagements. "José Mourinho hat nicht nur einen ganz großen Namen und einen exzellenten Ruf, er verfügt auch über sehr viel Erfahrung und ist besessen davon, Titel zu gewinnen", schwärmte einst der ehemalige Bayern-Profi und Mourinho-Schützling Michael Ballack in einem Interview mit "Sport Bild". "Irgendwann in der Zukunft" sei ein Mourinho-Engagement beim deutschen Branchenführer reizvoll.

Doch beim FC Bayern werden sie das wohl anders sehen, denn Mourinho steht für viel, was man beim FC Bayern wenig schätzt: Der Startrainer schätzt vor allem den Pragmatismus, seine Erfolge gründen sich nicht auf attraktiven Offensivfußball, sondern eine wohlorganisierte Defensivstruktur. Begeisternd ist anders und beim FC Bayern wünscht man sich nicht nur Titel. : "Ziel des FC Bayern war es immer, attraktiven Fußball zu spielen und dabei Titel zu gewinnen", postulierte Rummenigge einst. Und dann ist da noch was: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten", sagte Rummenigge der "Bild"-Zeitung: "Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung. Das hat den FC Bayern immer ausgezeichnet." Unbedingte Harmonie, das ist mit dem exzentrischen Mourinho kaum verlässlich zu haben. (ter)

Xabi Alonso

Als Xabi Alonso für eine kurze Zeit als Trainer von Borussia Mönchengladbach gehandelt wurde, war der Reflex sofort klar: Vorspielen für den FC Bayern. Es ist kein Geheimnis, dass die Münchner ihren ehemaligen Strategen sehr gerne wieder im Klub sehen würden. In welcher Rolle auch immer. Nun hat der 39-Jährige sich für den Werdegang des Trainers entschieden. Und das bei der zweiten Mannschaft seines Heimatklubs Real Sociedad sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass er gerade erst seinen Vertrag verlängert hat.

Nun, heißen muss das nichts. Aber eventuell ist der Schritt von dritten spanischen Liga zum Rekordmeister zu groß. Auch wenn der Ansatz von Xabi Alonso die Münchner begeistern dürfte: Ballbesitz, schnelle Kombination. So schön, wie er selbst spielte. Dass der ebenfalls sehr geschätzte Ex-Spieler Mark van Bommel ein Kandidat ist, dürfte eher auszuschließen sein. Er ist nach seiner Entlassung bei der PSV Eindhoven im Dezember 2019 arbeitssuchend. (tno)

Quelle: ntv.de

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