Fußball

Nur eine Sache bleibt ungeklärt Der FC Bayern weiß nun offiziell, wie gut er ist

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Ausgezeichnete Jungs.

(Foto: REUTERS)

In diesem Jahr gibt es keinen Titel, den der FC Bayern nicht gewonnen hat. Wen wundert's also, dass die Münchner auch bei der Wahl von Europas besten Fußballern (fast) maximal abräumen. Robert Lewandowski unterbricht dabei auch eine gähnende Langeweile.

Über eine Sache kann man streiten. Nein, man muss es sogar. Warum ist Joshua Kimmich eigentlich der beste Abwehrspieler in Europa? Klar, das eine oder andere Mal hat es den 25-Jährigen auch im Jahr 2020 noch in die letzte Reihe des FC Bayern verschlagen. Auf die Position hinten rechts, wo er einst der erste Mann der Wahl war. Wo er sich zu einem Spieler entwickelt hat, der Mannschaften führen kann.

Aber Kimmich nahm die Gastrolle hinten rechts in diesem Jahr immer nur noch dann ein, wenn Benjamin Pavard, der Stammplatzmann, mal verhindert war. Und das kam so oft nicht vor. Und die Zeiten, in denen das gallige Genie Kimmich den Zwergen-Riegel im Zentrum bildete, die stammen aus vorguardiola'scher Vergangenheit (Kleinstausnahmen bestätigen dieses Regelchen). Also: Was war los, liebe Uefa?

Nun, nur damit eins klar ist: Niemand möchte einen Streit darüber entfachen, dass Kimmich die Ehre als bester Mann nicht verdient hätte. Aber sowohl in München als auch in der Nationalmannschaft gibt der 25-Jährige bereits seit längerer Zeit den Anführer im Mittelfeld, physisch wie psychisch. Er treibt an, organisiert, korrigiert, entdeckt bisweilen seine Genialität im Fuß - und manchmal auch den Slapstick. Immer häufiger auch spielentscheidend.

Nur de Bruyne "stört"

Sei's drum, dass Kimmich einer der Besten des Jahres ist, unbestritten. Ebenso wie Trainer Hansi Flick, der eine darbende Mannschaft zur allessiegenden Pressingmaschine in Europa blitzgeformt hatte, die unter anderem für den "Mord am ruhmreichen FC Barcelona" verantwortlich gemacht wurde. Und Robert Lewandowski natürlich, der Torschützenkönig in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. Wäre er nicht Europas Fußballer des Jahres geworden, es wäre der nächste sportpolitische Skandal gewesen.

Wenn es der FC Bayern nicht ohnehin schon gewusst hat, dann weiß er seit diesem Donnerstagabend, seit der Uefa-Wahl, wie gut, wie dominant er eigentlich ist: Fußballer des Jahres, Trainer des Jahres (the first Hansi ever), bester Torwart der League Champions (Manuel Neuer), bester Abwehrspieler der Champions League und bester Stürmer der Champions League (selbstverständlich auch Lewandowski).

Fehlt nur noch eine Ehre, den besten Mann im Mittelfeld stellt der Quintupel-Champion nicht. Die Uefa hob Kevin de Bruyne auf den Positionsthron. Seine Wahl ist ein bisschen wie der Sicherheitstippschein für die Risikowette. Mit dem Belgier von Manchester City macht man ja nie etwas falsch, denn gut ist er ja. Ob er aber tatsächlich der Beste war? Besser beispielsweise als Thomas Müller, dessen überragende Wiederaufstehung vom Nothelfer zum Pressingchef und Vorlagenakkordler ausschöpfend erzählt ist? Oder auch als Thiago, der das Spiel der Münchner so oft verzaubert hat?

So oder so hat der FC Bayern etwas Erlösendes geschafft: Der FC Bayern, allen voran Lewandowski, hat die gähnende (wenn auch oft berechtigte) Messi-Ronaldo-Monotonie durchbrochen. Was in Europa gelungen ist, soll nun auch unbedingt noch interkontinental manifestiert werden. Es wäre: völlig verdient.

Quelle: ntv.de