Fußball

"Ein bisschen dreckiger sein" Der nächste fatale Kontrollverlust des BVB

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Lucien Favre hadert mit den erneuten Patzern in der Defesnive seines BVB.

(Foto: dpa)

Borussia Dortmund verspielt bei Bayer Leverkusen zweimal eine Führung. Der Sportdirektor ist enttäuscht, der Trainer genervt. Für das Ziel Meisterschaft gibt's den nächsten herben Dämpfer. Neuzugang Emre Can weiß derweil, was der Mannschaft gut tun würde.

Fünf Pflichtspiele hat Borussia Dortmund im Jahr 2020 schon gespielt. 20 Tore haben die Fußballer von Lucien Favre dabei bereits erzielt. Das ist beeindruckend. Elf Treffer haben sie indes auch schon kassiert. Das ist besorgniserregend. Allein vier gab's am Abend im äußerst furiosen Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen (3:4). "Es ist sehr enttäuschend, weil wir bis zur 80. Minute ein gutes Spiel gemacht haben", ärgerte sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc. "Das tut weh." Doppelt sogar: "Man braucht nur einen Blick auf die Tabelle werfen. Dann weiß man, dass das heute ein wichtiges Spiel war um die Champions-League-Plätze, aber auch um ganz nach oben zu schauen."

Tatsächlich hatten die Dortmunder einmal mehr unter Beweis gestellt, zu was sie in der Lage sind, nein, sein können: Tempo, Technik, Tore - es ist eine faszinierende Mischung, die dazu taugt es mit den ganz Großen im europäischen Fußball aufzunehmen. Es ist allerdings mehr ein Versprechen, als eine Erfüllung. Denn so furios der BVB nach vorne spielt, so fatal verteidigt er bisweilen. Vor allem in fremden Stadien. "Es ist ein Teil unseres Problems, dass wir es auswärts nicht schaffen, das Spiel einzutüten und zu killen", so Zorc.

Einfach viel zu viele Patzer

Leverkusen - Dortmund 4:3 (2:2)

Tore: 1:0 Volland (20.), 1:1 Hummels (22.), 1:2 Can (33.), 2:2  Volland (43.), 2:3 Sancho (52.), 3:3 Bailey (81.), 4:3 Lars Bender (82.)
Leverkusen:
Hradecky - Tah, Sven Bender, Tapsoba - Amiri (89. Dragovic), Lars Bender - Bellarabi (46. Weiser), Sinkgraven - Havertz, Volland, Diaby (71. Bailey); Trainer: Bosz.
Dortmund: Bürki - Akanji (86. Hazard), Hummels, Zagadou, Guerreiro - Witsel - Hakimi, Can (87. Mario Götze), Brandt (46. Reyna), Sancho - Haaland; Trainer: Favre.
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

Und weil das so ist, wackelt das Ziel mit der Meisterschaft zunehmend. Und das reizt die nach der Pokalpleite in Bremen (2:3) ohnehin schon arg angespannten Nerven der Dortmunder noch mehr. Trainer Lucien Favre reagierte auf Fragen zur Tabellensituation sehr harsch. "Hören wir auf, darüber zu sprechen", sagte er bei Sky. Trotz zweimaliger Führung, begeisternden Kombinationen und vielen Chancen, unter anderem durch Sturmwunder Erling Haaland, der in seinem fünften Spiel für BVB erstmals ohne Tor blieb, musste er den bitteren Knockout mitansehen. Herbeigeführt in nur 82 Sekunden. Leon Bailey (81.) und Lars Bender (82.) hatten das Spiel gedreht, die Abwehr der Borussia - mental nicht auf der Höhe.

In der 20. Minute hatte Kevin Volland nach sehr feinem Zuspiel von Nadiem Amiri das 1:0 erzielt. Auch hier stimmte die Abstimmung zwischen Mats Hummels und Manuel Akanji, der Volland schließlich nicht mehr stoppen konnte, nicht. Nur zwei Minuten später köpfte Hummels eine Ecke von Jadon Sancho aber zum schnellen Ausgleich ein. In der 33. Minute war Emre Can mit einem perfekten Schlenzer aus 31 Metern zum 2:1 für die spielfreudigen Gäste erfolgreich. Volland (43.) mit seinem neunten Saisontor war zum erneuten Ausgleich für Bayer zur Stelle, ehe Raphael Guerreiro auf 3:2 (65.) stellte. Es war ein überragendes Spiel. Bayer-Coach Peter Bosz, der einst bei der Borussia krachend gescheitert war, fand: "Wenn man Fußball liebt, konnte man dieses Spiel genießen - außer man ist BVB-Fan."

"Defensiv müssen wir besser stehen"

Oder BVB-Spieler. Das zweimalige Herschenken des Vorsprungs nervte. Vor allem Emre Can. "Wenn wir in Führung gehen, müssen wir ein bisschen dreckiger sein", sagte der Winter-Neuzugang. "Das muss die Mannschaft lernen, defensiv müssen wir alle zusammen besser stehen." Für die Ambitionen in dieser Spielzeit sei das Ergebnis natürlich ein Rückschlag, "aber es kann noch alles passieren." Dazu braucht es aber vor allem eine bessere Balance zwischen stürmischer und kontrollierter Offensive sowie aktiver statt reaktiver Abwehr. "Wir dürfen bei Führungen nicht so passiv werden", haderte Abwehrchef Hummels bei Sky. "Wir können eine internationale Topmannschaft sein, aber das sind wir nicht, wenn wir dem Gegner jedes Mal wieder das Spiel überlassen. Ganz große Mannschaften schaffen es, ein Spiel nahezu 90 Minuten zu dominieren. Da müssen wir einen Tick besser werden." Wenn man nur hoffe, dass ein Spiel vorbeigeht, "geht es schief." Zum sechsten Mal schenkten die Borussen in der Liga eine Führung her.

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Auch Favre appellierte einmal mehr an die Cleverness seiner Spieler. Denn immer wieder hatten ihn Aussetzer und Nachlässigkeiten in dieser Saison genervt, ganz besonders beim Auswärtsspiel in Hoffenheim am 17. Spieltag. Damals beklagte er die Dummheit im Spiel seiner Mannschaft. Ähnlich, wenn auch nicht so drastisch, sprach er nun. "Wir haben Probleme, wir bekommen zu viele Gegentore. Wir müssen die Situationen besser beherrschen. Wir müssen das Spiel mit mehr Geduld besser kontrollieren", urteilte Favre. "Dieses Spiel ist sehr schwer zu verdauen." Ebenso wie ein weiterer personeller Rückschlag.

Nach dem Ausfall von Kapitän Marco Reus, er hatte sich am Dienstag in Bremen spät verletzt und fällt mindestens einen Monat aus, droht nun auch Julian Brandt eine Pause. Der Nationalspieler, der vom Leverkusener Publikum wegen seines Wechsels im vergangenen Sommer ausgepfiffen wurde, hat sich am Sprunggelenk verletzt. Er war bereits zur Pause gegen Top-Talent Giovanni Reyna ausgewechselt worden. Wie lange er ausfällt, ist unklar.

 

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Quelle: ntv.de