Fußball

Mané ohne Glück, Tel als Lösung? Ein Tor würde dem Spiel des FC Bayern guttun

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Läuft nicht.

(Foto: dpa)

Die Ergebniskrise in der Fußball-Bundesliga erreicht den FC Bayern zur Unzeit. Denn die Suche nach der Lösung schleppt der Verein nun ebenso mit in die Länderspielpause wie die Diskussion um einen echten Mittelstürmer. Aber was kann der Trainer tun?

Ein Tor würde dem Spiel des FC Bayern guttun. Vermutlich muss es sogar heißen: Ein paar Tore pro Spiel würden dem FC Bayern guttun. Denn wenn es bei der Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann mit dem Abschluss ein klein wenig besser funktionieren würde in diesen Tagen, dann wäre jetzt weniger Krise. Die war öffentlich schon längst ausgerufen worden und wurde nun auch intern, nach dem 0:1 beim FC Augsburg, nicht mehr weggeredet. Der Coach war von der Sieglos-Serie in der Fußball-Bundesliga so angefasst, dass er in der anstehenden Nations-League-Pause alles überdenken möchte. Man darf davon ausgehen, dass die Systemfrage dazugehört.

Die dreht sich ja vor allem darum, ob es eine nachhaltig erfolgreiche Idee sein kann, die Last des Offensivspiels des FC Bayern NICHT auch in die Hände, Pardon, Füße eines Mittelstürmers zu legen. Eigentlich ist es eine sehr müßige Diskussion. Denn die Münchner Macher haben sich bewusst dafür entschieden, die Rolle eines echten Neuners anders zu interpretieren. Variabler. Dass ihnen das Thema Robert Lewandowski dabei schmerzhaft auf die Füße krachen könnte, haben sie in Kauf genommen. Nun gilt es eben, die Sache gut wegzumoderieren.

Blöd für den FC Bayern ist nun aber der Zeitpunkt, in dem die große Lewandowski-Gala beim FC Barcelona mit der großen Harmlosigkeits-Show von Sadio Mané und seinen Sturmgesellen zusammenkracht. Ausgerechnet vor der Länderspielpause kumulieren sich die kritischen Zwischenrufe. Vielleicht war der viel gelobte Kaderumbau doch gar nicht so gut, wie gedacht? Beim Rekordmeister dreht sich das Debatten-Rad zwischen Euphorie und Bewunderung, zwischen Kritik und Spott, halt schneller als an jedem anderen Bundesliga-Standort. Dass dabei gelegentlich überdreht wird, nun, das ist keine Breaking News für das Imperium von der Säbener Straße. Über die Auswüchse darf man sich dennoch manchmal wundern. Was von den Dingen zwischen "Zweifeln aus der Kabine am Trainer" bis zu "Unruhe durch seine neue Freundin" richtig und wichtig ist, who knows?

Nagelsmann steht unter Erfolgsdruck

Aber in den vergangenen Jahrzehnten hatten sie immer eine Lösung: Uli Hoeneß. Der Bodyguad des FC Bayern biss jede Diskussion weg, machte zur größten Not sich selbst und seine verbalen Attacken zum nationalen Thema und lenkte damit die Aufmerksamkeit weg von den tatsächlichen Problemen. Egal, in welcher Dimension sie sich offenbarten. Doch die Macht vom Tegernsee hat sich zurückgezogen, tritt nur noch sehr dosiert auf. Wenn es wieder ganz besonders brennt. Wie beim damals noch ungelösten Wechseltheater um Lewandowski. Ob und wann ein mächtiges Wort zum Herbst-Frust gesprochen wird? Unklar. Aber je mehr Nagelsmann öffentlich angezählt wird, je mehr das Thema "Thomas Tuchel" befeuert wird, desto wahrscheinlicher sind Grüße vom Tegernsee.

Aktuell aber steht Coach Nagelsmann alleine im Wind. Zumindest gefühlt. Zwar betonen die Bosse, dass es keine Zweifel am Trainer gebe, aber sie sagen auch immer wieder, dass er einen tollen Kader zur Verfügung hat, einen, der Titel gewinnen soll. Gewinnen muss. Es ist nicht nur ein großes Aufgebot, in dem es Unzufriedenheiten der Spieler wegen ausbleibender Spielzeit geben wird, sondern auch eines nach den Vorstellungen des 35-Jährigen. Also eben auch ohne klassischen Mittelstürmer.

Wobei das natürlich nicht ganz richtig ist. Denn Mathys Tel ist ja da. Der 17-jährige Franzose wurde für rund 20 Millionen Euro von Stade Rennes verpflichtet. Ein sehr wuchtiges Investment, angelegt für die Zukunft. Nicht für die Gegenwart. Für die war zwischenzeitlich mal Harry Kane im Gespräch, der Topstürmer der Tottenham Hotspur. Weil er aber zu teuer war, erledigte sich das Thema schnell. Ebenso wie Cristiano Ronaldo. Bei der Suche nach einem Obdach der Spitzenklasse (sprich Champions League) hatte der portugiesische Superstar auch mal beim Rekordmeister vorfühlen lassen.

Aber womöglich beginnt die Zukunft genau jetzt. Genau in dieser Phase, in der Nagelsmann alles überdenken will. Tel hat in seinen 169 Pflichtspielminuten für den FC Bayern (verteilt auf fünf Spiele, garniert mit fünf Toren) beeindruckend angedeutet, wie viel er dem Klub geben kann. Lothar Matthäus, der im Vergleich zu anderen TV-Experten oft kluge und konstruktive Sachen sagt, sieht das Sturm-Juwel sogar bereits als Teil der Lösung. Er rät Nagelsmann, "zum altbewährten 4-2-3-1 zurückzukehren und mit einem richtigen Stürmer zu spielen. Das kann in meinen Augen der junge Tel sein. Dann muss man ihm eben vertrauen und ihn von Anfang an spielen lassen. Denn wenn er bisher gespielt hat, dann hat er überzeugt."

Wo ist Manés Wucht geblieben?

Der Mut zum Talent und der Mut, gleichzeitig einen Star auf die Bank zu setzen, das ist die eine Option. Sie ist alternativlos, weil der Transfermarkt geschlossen und eine schnelle Korrektur der eigenen Überzeugung nicht mehr möglich ist. Die andere ist: Wieder den Weg zur Wucht finden, mit der die Münchner zu Beginn dieser Bundesliga-Saison über ihre Gegner hinweggedonnert sind. Es wäre der Weg, der auch Mané erlöst. Der Star-Stürmer vom FC Liverpool schlug mit einem Donnerhall in seiner neuen Heimat auf, um nun seit Wochen zu fremdeln. Nagelsmann riet ihm zu mehr Egoismus und weniger Nachdenklichkeit. Wenn das so einfach wäre ...

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Die Tor-Phobie ist offenbar auch hoch ansteckend und verbreitet sich nun sogar bis nach Gravenbruch. Das ist ein Stadtteil von Neu-Isenburg im Landkreis Offenbach. Dort hat die Nationalmannschaft eingecheckt. Eigentlich ist die Auswahl von Bundestrainer Hansi Flick stets eine Wellness-Oase für gestresste DFB-Spieler. Doch der Faktor Erholung wirkt bei Joshua Kimmich noch nicht. Den nervt die Krisenstimmung bei seinem Arbeitgeber nämlich noch immer. "Man ärgert sich schon brutal", bekannte der immer ehrgeizige Mittelfeldantreiber in einer Medienrunde, "auch heute im Trainingsspiel hatten wir wieder viele Chancen - und wir verlieren wieder, weil man die Dinger nicht reinmacht."

Öffentlich sind sie zwar übellaunig beim FC Bayern, aber nicht im Panikmodus. Sie vertrauen auf die Kraft des Kaders und die Kompetenz des Trainers, den sie um vorherigen Sommer für fünf Jahre an sich gebunden hatten. Sportvorstand Hasan Salihamidžić etwa findet: "Wir können das und haben auch Spieler dafür - nur, die müssen das besser zu Ende spielen." Ja, ein Tor würde dem Spiel des FC Bayern guttun. Und Julian Nagelsmann.

Quelle: ntv.de, tno

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