Fußball

Sanches' Abgang als Sinnbild Ein eigenartiger Sommer beim FC Bayern

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Renato Sanches hat offenbar nicht verstanden, wie es der FC Bayern mit ihm gemeint hat.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Der unzufriedene Renato Sanches darf den FC Bayern doch noch verlassen und wechselt zum OSC Lille. Damit endet das spektakuläre Missverständnis zwischen dem Top-Talent und dem Rekordmeister. Und irgendwie passt dieser Wechsel zum Transfersommer der Münchener.

Wenigstens ein Missverständnis konnte der FC Bayern noch ausräumen, ehe Renato Sanches den Klub am Freitag endgültig verließ, um sein Fußballglück nun beim OSC Lille zu finden. Oder zumindest mal wieder zu suchen. Die Geldstrafe, die der Portugiese im Nachgang des ersten Spieltags der Bundesliga gegen Hertha BSC (2:2) bekommen hatte, war nämlich nicht verhängt worden, weil er öffentlich gemosert hatte. Nicht zum ersten Mal. Noch auf der Werbereise nach dem Doublesieg soll er geschimpft und das Ende in München eiligst herbeigesehnt haben.

Stattdessen hatte er einen physischen Reiz, so nennen sie in München eine After-Work-Einheit für Reservisten, geschwänzt und musste blechen. Womöglich fühlte er sich auch nicht aufgefordert. Schließlich hatte er ja gespielt - auch wenn es lediglich acht Minuten waren. Und damit zu wenig für den Europameister, der in dieser, seiner bereits vierten, Saison in München einschlagen wollte und sollte. Dieser Plan darf nun wahlweise in der Isar oder im Canal de la Deûle versenkt werden. Und so richtig traurig wirkt darüber niemand. Zum Abschied gibt's ein paar professionell-höfliche Worte: "Ich bedanke mich bei Renato für seine Leistungen und wünsche ihm im Namen des FC Bayern alles Gute", ließ Klubchef Karl-Heinz Rummenigge mitteilen. Vom Spieler war dagegen nichts zu hören. Oder zu lesen.

Und so richtig erklären kann dieses fußballerische Missverständnis zwischen dem Rekordmeister und dem einst hoffnungsvollsten Talent Europas wohl niemand. Im Training sei er stets einer der fleißigsten und besten gewesen. Das hatte gerade erst Abwehrchef Niklas Süle gesagt. Überzeugt sei man von ihm, hatte Rummenigge in diesem Sommer berichtet. Und Niko Kovac hatte Renato Sanches Mut gemacht, dass er in der neuen Saison mehr spielen werde. Er hatte aber auch auf die Konkurrenz im Kader verwiesen. Und das es selbstverständlich nach Leistung gehe.

Ein Problem mit der Verständlichkeit

Die Argumente des Trainers, warum es bislang nicht zu einer wichtigen Rolle gereicht hatte, hätten den Spieler überzeugt. So wurde es aus München berichtet. Drei Pflichtspiele später war das Einverständnis einseitig aufgekündigt. Eine Einwechslung im Supercup, eine Auswechslung im DFB-Pokal, ein Kurzeinsatz gegen Berlin - Sanches hatte das mit dem Mehr an Spielzeit natürlich anders verstanden. Denn das mit der Leistung, das hatte ja eigentlich gepasst. In der Vorbereitung. Und auch gegen Energie Cottbus, als er das Spiel seiner Mannschaft mit Dynamik und Tempo durchaus bereicherte und den vorzeitigen Abgang vom Feld so gar nicht verstand.

Die Kommunikation, die ist ein großes Thema in diesem Sommer beim FC Bayern gewesen. Mal war sie zu offensiv und intern wiesen sich die Münchener eigenartig zurecht. Öffentlich erklärte Kovac, dass er zu forsch war, als er sagte, dass er optimistisch sei, dass der FC Bayern Leory Sané verpflichten könnte. Dann sagten sie nichts mehr. Und verpflichteten im Eiltempo Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Mickaël Cuisance. Für das akute Flügelleiden nach den Abgängen von Franck Ribéry und Arjen Robben war das eine eher überraschende Linderungsstrategie. Zumal die zuvor heftig umworbenen Wunschspieler Leroy Sané und Callum Hudson-Odoi ausgewiesene Außenexperten sind.

Auch wenn die Münchener erklären, dass die frischen Neuzugänge - zur neuen Saison waren ja auch die Abwehr-Weltmeister Benjamin Pavard und Lucas Hernandez sowie Fiete Arp als Perspektivspieler für den Sturm verpflichtet worden - alle Positionen der offensiven Kette spielen können, so ist eigentlich nur Vizeweltmeister Perisic ein Mann für Außen. Coutinho sieht sich selbst am stärksten auf der Zehn. Eine Position, die es übrigens im favorisierten System der Bayern nicht gibt. Und der junge, plötzlich demütige Cuisance ist ebenfalls ein Mann mit großen Kompetenzen fürs Zentrum.

"Kompliment an die Chefs"

Absage an Marc Roca?

Der Name Marc Roca wurde in diesem Sommer bereits mehrfach gehandelt, wenn es um einen Wechsel zum FC Bayern ging. Sportdirektor Hasan Salihamidzic soll bereits mit dessen Beratern verhandelt haben. Nun scheint ein Transfer des 22 Jahre alten Spaniers vom Tisch. Wie die "Bild" berichtet, sei die Münchener nicht überzeugt von den Defensivqualitäten des U21-Europameisters. Für den Mann von Espanyol Barcelona wäre ein Ablöse von 40 Millionen Euro fällig geworden.

Zufrieden ist der Trainer trotzdem. Vor dem Topspiel am Samstagabend beim FC Schalke 04 (18.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) bedankte er sich bei den Kaderplanern um Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic öffentlich für deren Arbeit. "Kompliment an die Chefs, das haben sie sehr gut gemacht." Er bedankte sich auch dafür, dass die "Versprechen eingehalten wurden" (welche - womöglich die "Wenn-Sie-wüssten-Ankündigung von Präsident Uli Hoeneß? - blieb unklar) und er freue sich nun, über einen "guten Kader, sowohl von der Qualität als auch von der Quanität."

Den hatte Kovac zuvor mehrfach beklagt. Von vier weiteren neuen Spielern hatte er zu Saisonbeginn gesprochen. Drei hat er nun bekommen. Sanches und der zum Ende der vergangenen Saison chronisch lustlose Jérôme Boateng galten entgegen aller Wechselgerüchte lange doch als Kandidaten für den Kader. Ein Bonus in der Kovac-Forderung (vom Trainer gewollt oder nicht?). Nun ist der Portugiese weg. Das Aufgebot wieder reduziert. Und der Kovac'schen Rechnung droht auch ein Defizit von minus eins. Denn Weltmeister Boateng könnte noch folgen. Das hat Karl-Heinz Rummenigge diese Woche verkündet. Und das ziemlich unmissverständlich.

Quelle: n-tv.de

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