Fußball

So läuft der 26. Spieltag FC Bayern kippt Salz in offene Dino-Wunden

Hilflos taumelt Bundesliga-Dino Hamburger SV dem Premieren-Abstieg entgegen. Bitter, dass ausgerechnet jetzt das traditionelle HSV-Debakel bei schrecklich mitleidigen Bayern ansteht. Bei Stögers BVB regiert Ratlosigkeit.

Wie geht's dem FC Bayern?

Als um Punkt elf Uhr eine frische Pressemitteilung des FC Bayern im Redaktionspostfach landete, war der erste Gedanke: Jetzt laden sie für Samstag, 15.30 Uhr, zu einer öffentlichen Trainingseinheit ins Stadion nach Fröttmaning ein. Aber so etwas Respektloses würden die Münchner niemals tun, und so findet an diesem Termin wie vorgesehen anlässlich des 26. Spieltags die Partie gegen den Hamburger SV statt. Aber es stellt sich natürlich dennoch die Frage, wie hoch die Bayern dieses Mal gewinnen. Aus Sicht der Hamburger lautet die Bilanz der jüngsten acht Gastspiele beim Branchenprimus: acht Niederlagen, 3:45 Tore. In der vergangenen Saison verlor der HSV in München mit 0:8. Diesmal streute Bayern-Coach Jupp Heynckes vorab schon einmal Salz in offene Hamburger Wunden, getarnt als Mitleid für den kommenden Abstieg: "Ich finde schon, dass der Dino fehlen wird."

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"Das macht mich stolz!" Joshua Kimmich.

(Foto: imago/DeFodi)

In besagter Pressemitteilung ging es übrigens auch nicht um das Trainer-Verwirrspiel, das Jupp Heynckes angezettelt hat. Sondern darum, dass der FC Bayern nun noch länger als eh schon vorgesehen mit dem deutschen Nationalspieler Joshua Kimmich zusammenarbeitet. Der 23 Jahre alte Rechtsverteidiger hat als Nachfolger des langjährigen Kapitäns und Ausnahmespielers Philipp Lahm just seinen Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis zum 30. Juni 2023 verlängert. Weil: "Joshua hat sich in den letzten zweieinhalb Jahren zu einer tragenden Säule unserer Mannschaft entwickelt" - sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und hat diese Einschätzung nicht exklusiv. Bundestrainer Joachim Löw dürfte das ähnlich sehen. Und Kimmich ist auch ganz froh. Sein Kommentar: "Das macht mich stolz!" Unser Tipp fürs Spiel: 5:0.

Was machen Leipzig und Dortmund?

Die Leipziger versuchen nach dem 2:1 gegen Zenit St. Petersburg im Achtelfinal-Hinspiel der Europaliga am Donnerstagabend, nach Kräften die Tatsache zu überspielen, dass sich - auch gemessen an den eigenen Ansprüchen - im Grunde kaum jemand für diese Partie interessiert hat. Keine 20.000 Zuschauer waren im Zentralstadion - das gab es bei den Rasenballsportlern zuletzt in der zweiten Liga. Am Sonntag ab 15.30 Uhr sind sie dann zu Gast beim VfB Stuttgart. Der Aufsteiger erlebt unter dem neunen Trainer Tayfun Korkut einen beachtlichen Aufschwung, ist mittlerweile auf Platz neun der Tabelle angelangt und hat nur sechs Punkte weniger auf dem Konto als die Leipziger. Die sind dennoch zuversichtlich, dass sie es auch in ihrer zweiten Bundesligasaison wieder in die Champions League schaffen. Tipp: 1:1.

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Eher ratlos: Peter Stöger.

(Foto: imago/Kirchner-Media)

Derweil stehen die Dortmunder, die am Sonntag ab 18 Uhr zu Hause gegen Eintracht Frankfurt spielen, vor einem Rätsel. Nach dem 1:2 gegen den FC Red Bull Salzburg droht das Aus in der Europaliga. Und Trainer Peter Stöger sagte direkt nach der Niederlage gegen den österreichischen Meister: "Momentan ist es schwer für mich, das zu erklären." Insgesamt sei das alles "sehr dürftig" gewesen. "Es gibt Gott sei Dank ein zweites Spiel." Kapitän Marcel Schmelzer konstatierte: "Vieles, was zuletzt in Leipzig noch gut ausgesehen hat, hat uns dieses Mal gefehlt. "Wir haben verdient verloren."

Und richtig viele Zuschauer, zumindest für Dortmunder Verhältnisse, waren auch nicht im Stadion:  53.700 wurden gezählt, voll ist das nicht. Aber vielleicht ist die Europaliga auch einfach kein attraktiver Wettbewerb für den gemeinen deutschen Fußballfan, auch Hertha hatte sich ja vor halbleeren Rängen zum Gruppenaus kicken müssen. Trostpflaster für den BVB: In der Liga rangiert der BVB noch immer auf Platz drei. Allerdings könnten Niko Kovacs punktgleiche Frankfurter, das Sensationsteam dieser Saison, der Borussia dieses Pflaster schmerzhaft abreißen. Kovac erinnerte vorab jedenfalls daran: "Der BVB muss in die Champions League, das ist das erklärte Ziel. Der Druck ist dort also viel größer als bei uns. Der BVB muss, wir können." Allerdings: Wenn er wirklich musste, konnte der Stöger-BVB trotz aller Unzulänglichkeiten bis jetzt immer. Tipp: 3:1.

Gibt es noch Hoffnung für den HSV?

Das lässt sich doch erst einmal gut an: Der HSV entlässt seinen Vorstandschef und seinen Sportdirektor und plant bereits, wie er aus der zweiten Liga wieder aufsteigen könnte. So viel Weitsicht war selten in Hamburg. Das ist auch weit vielversprechender, als allzu lange über die Partie beim FC Bayern nachzudenken. Nur Felix Magath, einst Spieler und Trainer, gefällt das alles nicht. Und deswegen schließt er vorsichtshalber eine Rückkehr aus. Dem Bezahlsender Sky sagte er: "Natürlich hätte ich immer geholfen und ich werde dem HSV auch selbstverständlich helfen, wenn ich kann. Aber ich sehe da keine Möglichkeit mit den Personen, die momentan beim HSV sind." Es sei doch so: "Es müsste eigentlich klar sein, dass ich zum HSV ein anderes Verhältnis habe, als zu anderen Bundesligavereinen. Aber ich sehe keinen, der in den letzten Jahren Verantwortung getragen hat. Außer Trainer und Manager auszuwechseln, ist den Verantwortlichen leider nicht viel eingefallen." Aber: Dürfen die Hamburger noch hoffen? Klar - allerdings nicht darauf, dass sie im dieser Saison den Abstieg noch irgendwie vermeiden können. Und nicht darauf, dass Bernd Hollerbach noch lange im Amt bleibt. Tipp: siehe oben. Der HSV geht in München unter.

Was passiert sonst noch?

FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 (Freitag, 20.30 Uhr): Im 400. Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte wollen die Rheinhessen so gern siegen - doch wir müssen diese Hoffnung leider zunichtemachen. Denn es heißt Abstiegsanwärter gegen Champions-League-Kandidat. Zudem ist die Bilanz gegen Schalke ernüchternd - die jüngsten vier Duelle verloren die Mainzer. Trotzdem strotzt Trainer Sandro Schwarz vor Selbstbewusstsein: "Wir rechnen uns gegen Schalke was aus." Was, konkretisiert er nicht. Vielleicht besser so. Tipp: 0:3

TSG Hoffenheim - VfL Wolfsburg: Bruno Labbadia ist gekommen, um zu helfen. Dem VfL hat der Trainerwechsel bislang allerdings nichts genützt. Als 15. punktgleich mit dem 16. Mainz, seit fünf Spielen nicht gewonnen - die Lage sieht vor dem Duell mit den Hoffenheimer Nagelsmännern düster aus. Den TSG-Coach treiben derweil ganz andere Gedanken um, er kümmert sich vor der Partie um Deutschlands schönste Fußballplätze - und kam zum Schluss: "Bei uns ist die Toskana Deutschlands. Da ist das Wachsen des Rasens schon bei acht Grad möglich." Tipp: 2:0

Hertha BSC - SC Freiburg: Bei diesem Duell treffen sich zwei Dinos - ganz ohne den HSV. Denn mit Christian Streich und Pal Dardai stehen die beiden dienstältesten Trainer der Liga an der Seitenlinie des Berliner Olympiastadions. 178 und 108 Bundesligaspiele in Folge haben sie auf ihren nicht vorhandenen Buckeln. Für Streich könnte das 179. Spiel deutlich besser laufen als das 109. für Dardai: Weil Hertha wieder einmal in der Rückrunde schwächelt. Weil Hertha in diesem Jahr noch keinen Heimerfolg feiern konnte. Weil Freiburg nur eins der vergangenen sechs Auswärtsspiel verloren hat. Hoffnung für die Hertha: Freiburg hält den Ligarekord mit vier Eigentoren. Tipp: 1:2

Hannover 96 - FC Augsburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Der Gast könnte dem gastgebenden Trainer ein unliebsames Jubiläum bescheren: Sollte Augsburg gegen Hannover ein Tor schießen, ist dies das 150. Gegentor für André Breitenreiter als Bundesligatrainer. Allerdings bedeutet das noch lange nicht, dass die bayrischen Schwaben auch die drei Punkte aus Niedersachsen entführen. Denn die Augsburger holten nur einen Zähler aus den letzten vier Partien. Die 96er konnten in den vergangenen sieben Partien nur einen Sieg bejubeln. Tipp: 1:1

Bayer 04 Leverkusen - Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr): Dieses Duell bietet vor allem eins: eine Torgarantie. 4,1 Treffer fielen im Schnitt in den letzten 19 Begegnungen. Das Hinspiel endete - autsch - mit einer 5:1-Klatsche für Gladbach, dabei führte Gladbach sogar zur Halbzeit. Der Abstand der beiden beträgt sechs Punkte - mit einem Sieg könnte Leverkusen seine Europapokal-Ambitionen untermauern. Heiko Herrlich aber mauert: Die Tabelle sei derzeit "uninteressant". Tipp: 3:1

SV Werder Bremen - 1. FC Köln (Montag, 20.30 Uhr): Beide Klubs haben eins gemeinsam: sie hoffen und beten - Köln ein bisschen mehr als Werder. Zehn Punkte trennen sie, Werder ist 14., hat aber nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsschleudersitz. Und wäre da nicht die Saison-Unglücksserie der Kölner, könnte den Bremern die Bilanz der jüngsten Duelle Angst machen: sechs Remis und zwei Siege für Köln. Aber für Werder spricht das Momentum. Tipp: 2:1

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Heute ist es leider so: Wenn man piep sagt, kommt hinten ein Kanonenschlag raus." Bayern-Coach Heynckes lässt es verbal krachen.

Quelle: n-tv.de

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