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"Es muss alles besser werden" FC Bayern siegt und schwächelt weiter

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Wieder kein überzeugender Auftritt seiner Mannschaft: Niko Kovac fährt mit dem FC Bayern zwar einen Sieg ein, so richtig freuen konnte er sich aber nicht.

(Foto: imago images/ANE Edition)

Beim FC Bayern München kommt nach dem 3:2 über Olympiakos Piräus in der Fußball-Champions-League keine Freude auf. Weitere Verletzungen und der schwache Auftritt trüben die Stimmung stark, selbst ein Rekord kann die Gesichter nicht aufhellen. Karl-Heinz Rummenigge ruft zu Selbstkritik auf.

Manuel Neuer sah so gar nicht wie ein Sieger aus. Kein Jubel, kein Lächeln - stattdessen brodelte es im Kapitän des FC Bayern München. "Wir müssen wieder zu Bayern-like hinkommen. Jeder Einzelne muss eine bessere Leistung zeigen", sagte der Torhüter nach dem schmeichelhaften 3:2 (1:1) in der Champions League bei Olympiakos Piräus am Dienstagabend. Mit der makellosen Bilanz von neun Punkten aus drei Partien ist der deutsche Fußballmeister auf dem besten Weg ins Achtelfinale.

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Doch die aufkommende Herbst-Depression konnten die Münchner in Griechenland nicht vertreiben - im Gegenteil. Auch, weil die Defensive nach dem Kreuzbandriss von Abwehrchef Niklas Süle in Javier Martinez (Oberschenkel) und Lucas Hernandez (Knöchel) die nächsten schmerzhaften Ausfälle zu beklagen hatte. "Das trifft uns besonders", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der berichtete, dass auch Serge Gnabry "etwas gespürt" habe. Doch Salihamidzic war nicht nur deshalb bedient. "Wir waren nicht da", klagte er bei Sky über den schwachen Auftritt im Georgios-Karaiskakis-Stadion: "Man wird verrückt, wenn man so ein Spiel anschaut. Wir haben keine Kontrolle, keine Aggressivität in den Zweikämpfen. Es muss alles besser werden!" Im Spiel nach vorne habe die Mannschaft abermals zu hektisch agiert: "Wir kommen einfach nicht zu unserem Spiel."

Hoeneß' Forderungen nicht erfüllt

Piräus - München 2:3 (1:1)

Tore: 1:0 El-Arabi (23.), 1:1 Lewandowski (34.), 1:2 Lewandowski (62.), 1:3 Tolisso (75.), 2:3 Guilherme (79.)
Olympiakos Piräus: Jose Sa - Elabdellaoui, Meriah, Ruben Semedo, Tsimikas - Guilherme - Bouchalakis (69. Lovera), Camara (88. Randjelovic) - Podence, El-Arabi, Masouras (78. Guerrero). - Trainer: Martins
FC Bayern München: Neuer - Kimmich, Pavard, Hernandez (58. Jerome Boateng), Alaba - Thiago, Martinez (46. Tolisso) - Thomas Müller (86. Perisic), Coutinho, Gnabry - Lewandowski. - Trainer: Kovac
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)
Zuschauer: 31.670 im Georgios-Karaiskakis-Stadion

Der Vereinsrekord von elf Auswärtsspielen in der Königsklasse ohne Niederlage hintereinander war für keinen Bayer wirklich Grund zur Freude. "Wir haben uns wieder schwer getan", sagte Neuer: "Das Problem ist, dass wir immer drei Tore schießen müssen, es ist ärgerlich, dass wir wieder zwei kassiert haben." Das war im fünften Spiel hintereinander der Fall. Ohne Lebensversicherung Robert Lewandowski, der seine Treffer Nummer 17 und 18 in dieser Saison erzielte (34. und 62.), hätten die Münchner den nächsten Rückschlag erlitten. Youssef El-Arabi (23.) hatte biedere Griechen in Führung gebracht.

Nach Lewandowskis Doppelpack, jeweils nach Vorarbeit des erstmals seit sechs Partien von Beginn an aufgebotenen Thomas Müller, erhöhte der für Martinez eingewechselte Corentin Tolisso per Traumtor (75.). Doch Guilherme machte es mit einem von Thiago abgefälschten Schuss (79.) noch einmal spannend. Der Druck auf Trainer Niko Kovac dürfte nach der dürftigen Leistung hoch bleiben. Von ihm gab es zunächst keine kritischen Worte zur Leistung, er sorgte sich um die Verletzten. Hernandez habe Probleme mit der Knöchel-Innenseite, "er hat in jedem Fall große Schmerzen". Womöglich seien Bänder betroffen. Martinez habe er wegen muskulären Problemen ausgetauscht. "Wir mussten reagieren, damit da nichts Schlimmeres passiert."

"Wir spielen zu sorglos"

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Trotz der weiter souveränen Tabellenführung in Gruppe B erfüllte seine Elf die Forderungen von Präsident Uli Hoeneß ("geiler auf Tore", defensive Stabilität) nicht. Der FCB hatte viel Ballbesitz, aber wenig Esprit. Es fehlte zu oft die Bereitschaft, die entscheidenden Läufe in die Tiefe zu machen. Im Mittelfeld, wo Martinez wie von Hoeneß verlangt als Sechser auflief, klafften die gewohnten Lücken, die Abwehr wackelte häufig.

Klubchef Karl-Heinz Rummenigge rief zu Selbstkritik auf: "Das Positive am Spiel sind die drei Punkte", sagte er auf dem Mitternachtsbankett. "Ich glaube nicht, dass die Leistung, die wir heute gebracht haben, uns in diesem Jahr große Erfolge bescheren wird, wenn wir nicht langsam die Kurve kriegen. Wir spielen ein bisschen zu sorglos." Rummenigge rief die Bayern-Spieler dazu auf, von nun an "mit höchster Konzentration, aber auch Motivation" auf den Platz zu gehen.

Zumindest zeigte gegen Piräus neben dem eiskalten Lewandowski auch Müller gute Ansätze. "Ich habe immer gesagt: Jeder wird seine Chance bekommen und hat seine Daseinsberechtigung", sagte Kovac über den Rio-Weltmeister, den er zunächst auf rechts und nach dem 0:1 in der Mitte spielen ließ. "Thomas weiß, wie er in diesem heißen Stadion spielen muss", meinte Kovac - und lag damit halbwegs richtig.

Quelle: n-tv.de, dbe/sid

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