Fußball

Forderung der Top-Sponsoren Fifa-Boss Blatter verweigert Rücktritt

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Joseph Blatter ist seit 1998 im Amt als Fifa-Präsident.

(Foto: AP)

Die Schweiz ermittelt gegen ihn, mehrere Top-Sponsoren fordern öffentlich seinen Abgang - na und? Joseph Blatter klammert sich weiter an das Amt des Fifa-Präsidenten. Für Englands Verbandschef sind Blatters Tage gezählt. Adidas duckt sich derweil weg.

Allen Enthüllungen und Ermittlungsverfahren zum Trotz hält Fifa-Boss Joseph Blatter bislang stoisch an seinem Präsidentenamt im hochkorrupten Fußball-Weltverband Fifa fest. Auch auf die öffentlichen Rücktrittsforderungen mehrerer Großsponsoren wie Coca-Cola und McDonald's reagierte der 79 Jahre alte Schweizer so, wie er jüngst auch nach Bekanntwerden des Strafverfahrens gegen seine Person reagiert hatte: Er beharrt auf seinem Amt, bis am 26. Februar 2016 in Zürich die Neuwahlen stattfinden.

In einem Statement seiner Anwälte hieß es am Freitagabend, dass Blatter respektvoll der Position von Coca-Cola widerspreche. Wenn er nun sein Büro räumen würde, wäre das nicht zum besten Wohle der Fifa und es würde auch nicht den Reformprozess voranbringen, glaube er. Sollte heißen: Er werde nicht zurücktreten. Anders als etwa Volkswagen-Chef Martin Winterkorn weist er damit auch die Verantwortung für die erwiesenen Fehlentwicklungen unter seiner Ägide zurück.

Für Englands Verbandschef Greg Dyke spielt Blatter damit aber nur noch auf Zeit. Nach Ansicht des FA-Vorsitzenden wird sich Blatter gegen den Willen der Fifa-Großsponsoren nicht bis Ende Februar im Amt halten können. "Ich denke, dass es jetzt ein anderes Spiel geworden ist. Blatter kann sagen, was er will - darauf kommt es nicht mehr an. Wenn die Geldgeber der Fifa einen Wechsel wollen, dann werden sie diesen Wechsel auch bekommen", sagte Dyke. Zumal die Lage ohnehin nicht rosig ist: Durch ihre lange Glaubwürdigkeitskrise hat die Fifa von insgesamt 14 Paketen ihrer beiden besten Sponsoren-Kategorien erst die Hälfte verkauft. Blatter dürfe für die Sponsoren aber kein Bauernopfer sein, betonte Dyke: "Wichtig ist wirklich, dass es ihnen dabei um eine ernsthafte Reform geht."

Adidas duckt sich verbal weg

Neben Coca-Cola hatten auch die US-Konzerne McDonald's, Visa und Anheuser-Busch am Freitagabend explizit den sofortigen Abgang Blatters verlangt. Der deutsche Sportartikel-Konzern Adidas verzichtete hingegen auf die Forderung nach einem sofortigen Rücktritt des Fifa-Präsidenten. "Wie in der Vergangenheit mehrfach betont, müssen bei der Fifa im Sinne des Fußballs grundlegende Veränderungen durchgeführt werden. Daher muss der eingeleitete Reformprozess transparent und zügig fortgesetzt werden", sagte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen.

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Der Fifa von Joseph Blatter ist Coca-Cola seit Jahren eng verbunden. Nun geht der Getränkehersteller auf Distanz.

(Foto: imago sportfotodienst)

Einen unmittelbaren Abschied Blatters aus dem Amt hält der Sportartikelhersteller Adidas, der Blatters Aufstieg zum Fifa-Boss einst ermöglicht überhaupt erst ermöglicht haben soll, offenbar nicht für zielführend - im Gegensatz zu den vier US-Sponsoren. "Mit jedem Tag, der vergeht, werden das Bild und der Ruf von der Fifa weiter befleckt", hieß es nun unter anderem von Coca-Cola, das seit mehr als einem halben Jahrhundert Fifa-Sponsor ist. Seit 1978 ist Coca-Cola offizieller WM-Sponsor, der Vertrag gilt bis 2022.

McDonald's erklärte: "Wir glauben, dass es im Interesse des Spiels wäre, wenn Fifa-Präsident Sepp Blatter sofort zurücktreten würde, so dass der Reformprozess mit der Glaubhaftigkeit geführt werden kann, die notwendig ist." Von Visa hieß es: "Angesichts der Ereignisse der letzten Woche, ist es klar, dass es im Interesse der Fifa und des Sports am besten wäre, wenn Sepp Blatter sofort zurücktritt."

Reaktionen von Hyundai und Gazprom als weitere Fifa-Geldgeber standen noch aus. Auf den südkoreanischen Auto-Konzern Hyundai, pikanterweise im Besitz der Familie von Blatters Nachfolge-Anwärter Chung Mong-Joon, kann Blatter aber kaum rechnen. Bleibt neben Adidas nur noch der russische Staatskonzern Gazprom als letzter Getreuer des Fifa-Paten, der beste Beziehungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin unterhält.

Strafverfahren in der Schweiz

*Datenschutz

Der deutsche Justizminister Heiko Maas hält einen sofortigen Rücktritt von Joseph Blatter derweil für dringend geboten. "Jeder Tag, an dem #Blatter immer noch Präsident der #FIFA bleibt, ist ein schlechter Tag für den Fußball", twitterte er.

Nachdem monatelang Blatter nicht Teil eines Strafverfahrens in dem schwersten Korruptionsskandal gewesen war, der die Fifa je erschütterte, hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft Ende vergangener Woche mitgeteilt: Auch gegen Blatter wurde ein Strafverfahren eröffnet. Der Verdacht: Ungetreue Geschäftsbesorgung sowie - möglicherweise - Veruntreuung.

Daraufhin hatte Blatter, seit 17 Jahren Herrscher der Fifa, klargemacht, dass er keinesfalls früher als zum 26. Februar sein Amt niederlegen will. Dann soll ein neuer Fifa-Präsident gewählt werden. Die Wahl droht allerdings zur Farce zu werden, da mittlerweile Blatters Abgang nicht mehr als sicher gilt - weil auch gegen die möglichen Nachfolger wie Uefa-Präsident Michel Platini Korruptionsvorwürfe im Raum stehen.

In dem Verfahren gegen Blatter geht es auch um einen früheren Deal des Fifa-Bosses mit Platini. Im Februar 2011 soll Blatter eine "treuwidrige Zahlung" von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini geleistet haben - für geleistete Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002. Warum Platini sich seine Dienste von der Fifa erst neun Jahre später bezahlen ließ, hat der Franzose bisher nicht schlüssig erklärt.

Zudem bestehe laut Schweizer Behörden der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Karibischen Fußball-Union und deren Präsident Jack Warner einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen habe. Der Fifa-Präsident weist alle Vorwürfe zurück. Am vergangenen Montag betonte er vor Fifa-Mitarbeitern, "nichts Illegales und Unangemessenes getan zu haben und dass er Präsident der Fifa bleiben werde". Die Großsponsoren der Fifa konnte Blatter damit nicht überzeugen.

Quelle: n-tv.de, cwo/vpe/dpa/sid

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