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Josep Guardiolas Manchester City hat in der laufenden Spielzeit Startschwierigkeiten.
Josep Guardiolas Manchester City hat in der laufenden Spielzeit Startschwierigkeiten.(Foto: imago/PA Images)
Freitag, 14. September 2018

Titelkampf in der Premier League: Guardiola stockt, Klopp spaziert mit Watford

Von Hendrik Buchheister, Manchester

Im Vorjahr entscheidet Manchester City die Fußball-Meisterschaft schon vor Jahresfrist. Nun verspricht das Titelrennen Spannung - weil Watford überrascht, Liverpool dazulernt und Guardiolas Elf noch nicht in Schwung ist.

Der Vergleich zu Leicester City bietet sich natürlich an. In der Saison 2015/16 wurde der Klub sensationell Meister in England, es war die wohl größte Geschichte, die der internationale Fußball in der jüngeren Vergangenheit im Programm hatte. Auch in der aktuellen Spielzeit der Premier League, die nach der Länderspielpause an diesem Wochenende mit dem fünften Spieltag fortgesetzt wird, gibt es eine Überraschungsmannschaft, nämlich den FC Watford. Der Verein hat aus den ersten vier Spielen vier Siege eingefahren, zuletzt das 2:1 gegen Champions-League-Teilnehmer Tottenham Hotspur. Das freut auch Elton John, den größten Fan.

Der FC Watford ist in der Premier League das Team der Stunde.
Der FC Watford ist in der Premier League das Team der Stunde.(Foto: REUTERS)

Watfords Erfolg ist erstaunlich, weil sich der Klub eigentlich immer im Umbruch befindet. Der Spanier Javi Gracia ist schon der vierte Trainer seit dem Aufstieg in die Premier League vor drei Jahren. Wegen der vielen Zu- und Abgänge in jeder Saison schleppt die Mannschaft den Ruf als Söldner-Truppe mit sich herum. Trotzdem gelingt es dem Verein gerade, so etwas wie Konstanz zu entwickeln. Beim Erfolg gegen Tottenham standen acht Spieler in der Startelf, die schon seit 2016 oder länger in Watford angestellt sind. Trainer Gracia schickte in dieser Saison in allen vier Partien die gleiche Anfangsformation auf den Platz.

Spielerisch zeichnet sich Watford durch intensives Pressing und eine stabile Defensive aus. "Die Jungs machen ihre Sache richtig gut und arbeiten als Mannschaft zusammen. Nichts anderes zählt", sagt der in Bayern aufgewachsene Außenverteidiger José Holebas. Watfords Erfolg ist also kein Zufall. Trotzdem ist es übertrieben, den Klub mit Leicester zu vergleichen. Die Sensationsmeisterschaft vor zwei Jahren war auch deshalb möglich, weil die etablierten Titelkandidaten schwächelten. Ein solches Machtvakuum an der Spitze der Premier League ist in dieser Spielzeit nicht zu erwarten.

Liverpool stabilisiert sich

Klopps Liverpool gewinnt in dieser Spielzeit auch Spiele gegen vermeintlich leichte Gegner.
Klopps Liverpool gewinnt in dieser Spielzeit auch Spiele gegen vermeintlich leichte Gegner.(Foto: imago/Action Plus)

Neben Watford haben zwei weitere Klubs alle Spiele gewonnen, der FC Liverpool und der FC Chelsea. Bei Liverpool zahlen sich die Investitionen von angeblich mehr als 180 Millionen Euro in neues Personal aus. Der brasilianische Torwart Alisson gibt seiner Abwehr deutlich mehr Sicherheit als sein deutscher Vorgänger Loris Karius und hatte auch schon die eine oder andere entscheidende Parade im Programm. Sein Patzer beim 2:1-Sieg gegen Leicester soll eine Ausnahme bleiben. Der aus Leipzig gekommene Naby Keïta ist in Rekordzeit zum Publikumsliebling aufgestiegen, weil es ihm gelingt, zwei Spieler in einem zu sein. Er ist Abräumer vor der Abwehr und Spielgestalter zugleich.

Ein Zeichen des Fortschritts ist, dass die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp recht souverän zu Siegen gegen West Ham, Crystal Palace, Brighton und eben Leicester kam. In der Vergangenheit hat das Team gegen Gegner dieser Gewichtsklasse gerne Punkte liegen gelassen. Wie weit Liverpool wirklich ist, dürfte sich schon in Kürze zeigen. Am morgigen Samstag (13.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) geht es in der Liga gegen Tottenham, zum Auftakt der Champions League ist am Dienstag Paris Saint-Germain mit Trainer Thomas Tuchel zu Gast an der Anfield Road.

Der Trainerwechsel von Conte zu Sarri scheint sich für Chelsea auszuzahlen.
Der Trainerwechsel von Conte zu Sarri scheint sich für Chelsea auszuzahlen.(Foto: AP)

Bei Chelsea verlief der Trainerwechsel von Antonio Conte zu seinem italienischen Landsmann Maurizio Sarri erstaunlich reibungslos. Der aus Neapel übernommene Übungsleiter hat es auf Anhieb geschafft, der Mannschaft seinen Spielstil mit hohem Pressing und vielen schnellen Kurzpässen zu vermitteln. Ein wichtiger Baustein ist der Brasilianer Jorginho, der mit Sarri aus Neapel kam und sofort die Kontrolle in Chelseas Mittelfeldzentrale übernahm. In der Offensive sind Eden Hazard (zwei Saisontore) und Pedro (drei Saisontore) in guter Form. Dazu kommt, dass sich die Stimmung durch Contes Weggang drastisch verbessert hat.

Guardiola-Elf noch nicht in Schwung

Die Erkenntnis der ersten vier Spieltage ist, dass der Titelkampf diesmal spannender werden könnte als in der vergangenen Saison, in der Manchester City die Meisterschaft im Grunde schon vor Weihnachten für sich entschieden hatte. Diesmal könnten Liverpool und Chelsea echte Konkurrenten für den Titelträger werden. Trotzdem bleibt die Mannschaft von Josep Guardiola erster Anwärter auf die Premier-League-Krone, auch wenn der Start in die Saison nicht überragend verlief, sondern nur solide. Es gab schon einen Punktverlust beim 1:1 gegen den ambitionierten Aufsteiger Wolverhampton Wanderers und zuletzt ein vergleichsweise hart erkämpftes 2:1 gegen Newcastle United. Für den entscheidenden Treffer musste Abwehrspieler Kyle Walker herhalten.

Auch in der abgelaufenen Saison brauchte Guardiolas Mannschaft Zeit, um in Schwung zu kommen, ehe sie der Liga davonlief und mit Punkt- und Tor-Rekorden Meister wurde. Außerdem muss sie im Moment auf ihren wohl wichtigsten Spieler verzichten. Kevin De Bruyne wird wegen einer Knieverletzung voraussichtlich erst in zwei Monaten wieder mitwirken können. Es besteht also kein Grund zur Panik beim Meister.

Mourinhos verflixtes drittes Jahr ist angebrochen.
Mourinhos verflixtes drittes Jahr ist angebrochen.(Foto: REUTERS)

Unglücklich läuft die Saison bislang für Leroy Sané. In der vergangenen Kampagne steuerte er zehn Tore und 15 Vorlagen zum Titel bei, was ihm die Auszeichnung als Nachwuchsspieler des Jahres einbrachte. In dieser Spielzeit wurde er bislang nur dreimal eingewechselt, zuletzt gegen Newcastle stand er nicht einmal im Kader. Neben der reichhaltigen Konkurrenz in der Offensive wird die Lage des deutschen Nationalspielers dadurch erschwert, dass Benjamin Mendy nach seinem Kreuzbandriss zurück ist. Der Außenverteidiger bearbeitet den kompletten linken Flügel und ist zusammen mit Holebas aus Watford der beste Vorbereiter der Liga. Er übernimmt damit die Aufgaben, für die Sané in der vergangenen Spielzeit zuständig war.

Mourinhos Nerven liegen blank

Schwer einzuschätzen ist bislang, welche Rolle Manchester United spielen kann. Die Vorbereitung im Sommer war eine Farce, Trainer José Mourinho beklagte sich über alles und jeden und tadelte seinen Vorgesetzten Ed Woodward, weil dieser ihm nicht die gewünschten Verstärkungen für die Abwehr beschafft hatte. Auch das Verhältnis des Trainers zu Frankreichs Weltmeister Paul Pogba gilt als angespannt.

Bei Mourinho scheinen die Nerven blank zu liegen, das war nach der 0:3-Niederlage gegen Tottenham Ende August zu sehen. Bei der Pressekonferenz verlangte er von den anwesenden Reportern mehr Respekt und brach die Veranstaltung ab. Solche Verhaltensauffälligkeiten sind zwar nicht neu bei Mourinho, er hat sie in der Vergangenheit immer wieder als taktisches Mittel eingesetzt, doch vielen Beobachtern drängte sich der Eindruck auf, dass er so langsam tatsächlich die Kontrolle verliert, auch über sich selbst. Zumal es schon bei vorherigen Stationen in der jeweils dritten Saison bergab ging, sportlich und atmosphärisch. In Manchester ist Mourinho gerade, genau: in seine dritte Saison gegangen.

Doch für Abgesänge ist es zu früh. Mit dem 2:0 beim FC Burnley vor der Länderspielpause vertrieb United die Krise fürs Erste. Die mitgereisten Fans feierten Mourinho fast 90 Minuten lang. Der Trainer bedankte sich dafür nach dem Spiel auf ungewöhnliche Weise und schenkte den Zuschauern unter anderem seinen Mantel. Weiter geht es für sein Team mit einer kniffligen Aufgabe - es geht zum noch ungeschlagenen FC Watford.

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Quelle: n-tv.de