Fußball

So läuft der 2. Spieltag Guardiola trägt Ballonseide, HSV fährt Bob

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So leger würden wir Josep Guardiola gerne mal in einem Fußball-Stadion sehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der zweite Bundesliga-Spieltag steht an, und schon ist vieles wie gehabt: Der FC Bayern schmeißt mit Geld um sich, auf Schalke grassiert die Krise, HSV-Trainer Mirko Slomka brilliert mit trockenem Humor. Aber was ist mit Bayer Leverkusen los?

Wie hoch gewinnt der FC Bayern?

Man muss den "Kicker" einfach lieben, für seine sture Altbackenheit in Text und Bild, für seine vorgestanzten Spielberichte und seine antiquierte Sprache. Das Spitzenspiel Schalke gegen Bayern, das die Hyperventilierer von "Sky" wohl gewohnt überdreht als "Duell der Giganten" ankündigen werden, nennt der "Kicker" schlicht: einen Knüller. Ein Wort, das nicht in diese Zeit gehört, sondern in den Mund von Otto Rehhagel, ein Wort, das uns in die Vergangenheit katapultiert – und als wir es lasen, hofften wir für einen Moment, Josep Guardiola würde am Samstag in Ballonseide coachen, Horst Heldt auf der Bank Zigarillos paffen, im alten Parkstadion zu Gelsenkirchen natürlich, und Maurizio Gaudino würde mitspielen, nicht sein 17-Jähriger Sohn, der nicht einmal Goldkettchen trägt. Ja, das wäre ein Knüller.

Aber es ist 2014, die Bayern haben seit über einem Jahr die Champions League nicht mehr gewonnen, das bedeutet: Angriff. Zwar dachte die Konkurrenz für einen kleinen Augenblick, die Verletzungen von Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez und Co. könnten dem Meister Probleme bereiten - doch dann schlugen die Münchner auf dem Transfermarkt zu. 26 Millionen Euro für Mehdi Benatia, wohl rund 10 Millionen für Xabi Alonso. Verhältnisse geradegerückt. Auch ohne die Verstärkung gingen die Bayern als Favorit ins Spiel bei Schalke. Die "Knappen" haben schon ihre erste Krise, Trainer Jens Keller strich den trainingsfreien Montag und verordnete Kevin-Prince Boateng eine Auszeit. Jungstar Julian Draxler zeigt sich entschlossen: "Wir müssen uns jetzt zusammenreißen und den Negativtrend stoppen. Und ich bin überzeugt, dass wir auch gegen Bayern eine Chance haben." Die Statistik ist weniger überzeugt: Die letzten sieben Bundesliga-Partien gegen den Rekordmeister verlor Schalke. Mit 2:23 Toren. Beide Treffer für die "Knappen" waren Eigentore.

Wie weltmeisterlich sind die Verhältnisse?

Den besten Fußball der Bundesliga zeigt derzeit ein Team, das keinen einzigen Weltmeister in seinen Reihen hat: Bayer Leverkusen überzeugt mit intensivem Pressing, schnellem Spiel und individueller Klasse. Um es mal ganz salopp zu formulieren: Was geht denn bitte bei Vizekusen ab? Überzeugende Antwort von Trainer Roger Schmidt: "Wir pressen früh, und dann geht die Post ab." Allerdings deutete sich beim Sieg in Dortmund an, dass dieses System dem Gegner mitunter große Lücken anbietet - was auch Jos Luhukay nicht entgangen sein wird, dem Trainer des nächsten Gegners Hertha BSC. Aber die Angst vor Bayers Offensivkraft überwiegt, Luhukay richtet sein Augenmerk vor allem darauf, kein Tor zu kriegen. Im Training ließ er das aggressive Bayer-Spiel simulieren, seine Lehren aus der Einheit: "Wir müssen die Ordnung halten und viel kommunizieren."

Das erste Opfer des neuen Leverkusener Offensivwirbels versucht in Augsburg, einen Fehlstart zu vermeiden. BVB-Coach Jürgen Klopp wird dafür wohl sein Team umstellen, prominentester Wechsel: Neuzugang Ciro Immobile wird den Anpfiff wohl von der Bank aus verfolgen, für den Italiener dürfte Adrian Ramos beginnen. Weltmeister Mattias Ginter, gegen Bayer schwach, muss offenbar ebenfalls seinen Platz räumen, Neven Subotic könnte übernehmen. Klopp nimmt sein Team in die Pflicht: "Es muss eine Reaktion kommen, wir müssen unser wahres Gesicht zeigen." Sein Kollege Markus Weinzierl versucht es mit einer bestechend einfachen Rechnung: "Wir müssen 100 Prozent geben, dann haben wir auch eine 100-Prozent-Chance, zu punkten."

Was passiert sonst noch?

In Wolfsburg kommt es zum Treffen zweier alter Wegbegleiter: VfL-Manager Klaus Allofs empfängt Thomas Schaaf zum ersten Mal als Trainer von Frankfurt. Für die "Wölfe" ein gelegener Gast: In München kassierte der VfL zum 15. Mal in Serie ein Gegentor, Abwehrchef Naldo forderte nun: "Wir müssen wieder häufiger zu null spielen." Da kommt die Eintracht ins Spiel. Die ließ nämlich im DFB-Pokal und beim mühevollen 1:0 gegen Freiburg noch einiges an offensiver Durchschlagskraft vermissen. "Unser Spiel nach vorne muss besser werden", sagte Eintracht-Urgestein Marco Russ unter der Woche. Da kommt Wolfsburg ins Spiel: Die kassierten nämlich in den letzten 15 Spielen in Serie … oh, hatten wir schon.

Welche Mannschaft überrascht?

Zugegeben, es wäre keine ganz große Überraschung, wenn der 1. FC Köln am Samstag in Stuttgart mindestens einen Punkt mitnimmt. Denn in den letzten 15 Bundesligaspielen zwischen dem FC und dem VfB gab es keinen einzigen Heimsieg, der letzte Stuttgarter Sieg im eigenen Stadion datiert aus vom September 1996. Andererseits fehlen dem Aufsteiger noch immer Patrick Helmes, Slawomir Peszko und Kazuki Nagasawa, wichtige Offensivkräfte also. Nach dem torlosen Auftakt gegen den HSV zeigte sich Trainer Peter Stöger zwar zufrieden, sagte seinem Team aber auch: "Ihr wart zu zaghaft." Die Stuttgarter hätten am vergangenen Wochenende fast eine kleine Überraschung geschafft, wenn nicht in letzter Minute Weltmeister Christoph Kramer etwas dagegen gehabt hätte. Schon, hüstel, vergessen. "Da müssen wir uns keine Gedanken machen", sagte Trainer Armin Veh, angesprochen auf die furchterregende Schwäche seines VfB in den Schlussminuten der Vorsaison. "Wichtig ist, dass wir als Mannschaft wachsen." Damit aus dem VfB ein anderes Team wird, als das verunsicherte der Vorsaison. Und dann klappt es vielleicht auch mal mit einem Heimsieg gegen den FC.

Für welchen Trainer wird es eng?

Zumindest das Hemd könnte André Breitenreiter etwas eng werden. Mit "einer breiten Brust" fahre sein SC Paderborn zum HSV, sagte der Trainer nach der durchaus geglückten Bundesliga-Premiere gegen Mainz 05. Ein Schuss Vorfreude auf das Wiedersehen ist auch dabei, schließlich spielte der 40-Jährige von 1994 bis 1998 selbst für die Hamburger. Die miese Vorsaison, das betont Breitenreiter, habe der HSV hinter sich gelassen: "Die Mannschaft spielt aus einer guten Ordnung und wirkt wesentlich gefestigter." Das Lob bekam er aus Hamburg zurück, wo Kollege Mirko Slomka Zweifel an der Erstligatauglichkeit der Paderborn vom Tisch wischte: "Das ist nicht der Viererbob von Jamaika, das ist eine richtig gute Mannschaft." Die Ansetzung der Partie ruft übrigens schlechte Erinnerungen hervor: Vor fast genau zehn Jahren traf der HSV das letzte Mal auf Paderborn. Geleitet wurde die Partie von einem gewissen Robert Hoyzer.

Wo wird es brisant?

In den Strafräumen im Weserstadion. Werder Bremen empfängt 1899 Hoffenheim, und diese Partie verspricht: Tore, Tore, Tore, Tore. Fast vier Treffer im Schnitt fielen in den bislang zwölf Bundesligapartien der TSG gegen die Hanseaten. Gewonnen haben die Kraichgauer aber nur einziges Mal, damit qualifiziert sich Werder schon zu einer Art Angstgegner. Trainer Markus Gisdol erwartet aber ein Duell auf Augenhöhe. "Es gibt Bereiche, in denen Bremen stärker ist, in anderen sehe ich uns vorne." Aha. Zum Glück sagte er auch noch, was genau er meinte: "Wir sind mehr auf das Spielerische ausgelegt, Bremen eher auf Körperlichkeit und Wucht."

Wer spielt das schönste Phrasenschach?

"Haben wir auch drüber nachgedacht." HSV-Trainer Mirko Slomka ist nicht beeindruckt vom Xabi-Alonso-Transfer.

Quelle: ntv.de

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