Fußball

Nun also der vierte Versuch Hertha räumt Klinsmann-Chaos endgültig ab

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Nach Jürgen Klinsmann hat auch dessen Co-Trainer Alexander Nouri nun keine Zukunft mehr bei der Hertha.

(Foto: imago images/Kolvenbach)

Sollte die Saison für Hertha BSC gut ausgehen, sollte also der Klassenerhalt gelingen, werden sie sich eiligst drum bemühen, alles was war, zu vergessen. Denn das, was war, war ein konsequent durchgezogenes Chaos.

Wenn Alexander Nouri wirklich nicht wusste, dass seine Zeit bei Fußball-Bundesligist Hertha BSC zu Ende geht, wenn er das wirklich über die Medien erfahren hat, dann ist das peinlich. Überraschend ist es allerdings nicht. Diese mögliche Posse reiht sich in das so stimmige wie schäbige Bild ein, das die Berliner in dieser Saison von sich malen. Gierig in den Ambitionen, fatal in den Entscheidungen. Womöglich waren ein paar gescheite dabei, in Erinnerung geblieben sind sie nicht. Ganz anders als die Geschichten um schnelle Titel, um baldige Superstars und um Jürgen Klinsmann, der den Klub mit seinem Trainer-Engagement zunächst voll euphorisierte, um ihn dann, als sich seine wilden Machtansprüche offenbarten, krachend zum Gespött des Landes machte.

Immerhin einigermaßen souverän manövrierte Investor Lars Windhorst die Hertha aus dem wütenden Klinsmann-Sturm. Er beendete das, was er angefangen hatte, mit unmissverständlichen Ansagen. Er verbannte den ehemaligen Bundestrainer aus dem Klub. Und offensichtlich aus seinem Beraterteam - was dessen ursprüngliche Aufgabe war. Denn mit der Expertise des Visionärs Klinsmann wollte Windhorst seinen Plan erfüllen, die Hertha als "Big City Club" in (Windes)-Eile in Europas Elite zu hieven. Ein Projekt, was völlig absurd klang. Ein Projekt, was zu einem Slogan des Scheiterns wurde. Zumindest Stand jetzt.

Drei Trainer haben die Berliner auf ihrem viel zu steilen Weg zur Spontan-Großmacht nun offenbar verschlissen. Den netten, aber offenbar überforderten Ante Covic. Den netten, aber viel zu gierigen Jürgen Klinsmann. Und nun wohl auch den netten, aber planlosen wirkenden Alexander Nouri. Der vierte Mann der Hoffnung wird wohl Bruno Labbadia sein (Update, 16:02 Uhr: Er ist es). Wobei das mit der Hoffnung nicht alle teilen - allerdings tummeln sich in den sozialen Medien, wo die noch nicht bestätigte Personalie intensiv bearbeitet wird, auch allerhand Idioten. Tatsächlich hat Labbadia zuletzt nach großen Anlaufschwierigkeiten aus dem Relegationsteilnehmer VfL Wolfsburg eine Europa-League-Mannschaft geformt - und war dort nach Vertragsende nur aus Gründen der Uneinigkeit mit dem Sportdirektor freiwillig ausgeschieden.

Der gleiche Weg wie beim VfL Wolfsburg?

Ob Labbadia nun eine gute oder eine nicht so gute Entscheidung ist, dieses Urteil fällt auf jeden Fall nicht bei Twitter, Facebook oder sonst wo. Es fällt in der Hanns-Braun-Straße. Irgendwann in den kommenden zwei Jahren, so lange soll Labbadia nämlich bleiben. Das Maß für die Qualität seiner Arbeit: Zunächst Klassenerhalt, dann ab nach Europa. Halt wie beim VfL. Wie weit der Weg in Berlin dorthin allerdings ist, das wurde in den vergangenen Wochen - als noch Fußball gespielt wurde - deutlich. Die Hierarchie der Mannschaft ist völlig außer Balance, das hat Klinsmann zu verantworten. Leistungsträger der vergangenen Jahre sind entweder abgegeben (Ondrej Duda) und degradiert (Salomon Kalou) worden oder sie sind völlig außer Form (Niklas Stark, Marko Grujic, Rune Jarstein).

Ein System, in dem sich die Mannschaft wohlfühlt, das gibt es ebenfalls nicht. Zumindest keines, was der Trainer vorgibt. So sollen die zunächst peinlich bis verstörend vergurkten Spiele gegen Düsseldorf und Bremen erst zum Remis gerettet worden sein, als Teile der Mannschaft die Taktik geändert hätten. Eine Entmachtung des Trainers? Eine Entmachtung von Nouri? Nun, der sah es anders. Der freute sich nämlich über den Input aus dem Mannschaftskreis, wie er im Pressegespräch nach dem letzten Spiel gegen Bremen bekannte - stets mit einem verunsicherten Blick zu Manager Michael Preetz, der an der Seite stand und zuhörte.

Womöglich war dieses Eingeständnis zu ehrlich. Womöglich war es für Preetz der Satz, der ihn umdenken ließ, der Nouri endgültig das Vertrauen entzog. Zumal dessen taktischen Vorgaben für das Team weder als Co-Trainer unter Klinsmann noch als Cheftrainer wirklich überzeugten. Nicht vor der weltweit wuchtigsten Transferoffensive in der Winterpause und auch nicht danach. Nun ist die Ära Klinsmann also endgültig beendet. Die letzten Relikte abgeräumt (auch Markus Feldhoff muss gehen), selbst wenn Nouri noch im März per Aussprache darum bemüht war, bitte nicht als Klinsmanns Gesandter wahrgenommen zu werden. Und auch nicht als Adujant für dessen brutale Abrechnung mit den Spielern der Berliner.

Sollte die Saison für Hertha BSC gut ausgehen, sollte also der Klassenerhalt gelingen, werden sie sich eiligst drum bemühen alles was war zu vergessen. Und den "Big City Club" am besten gleich mit. Zumindest mal mittelfristig.

Quelle: ntv.de