Fußball

So läuft der 13. Spieltag Heynckes-Komplex rasiert BVB-Coach Bosz

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Der Heynckes-Komplex wird Peter Bosz trotz Schalke-Expertise zum Verhängnis.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Ausgerechnet vor der Rückkehr in Heynckes' Heimat schwächeln die Heynckes-Bayern. Noch viel mehr schwächeln der BVB und Peter Bosz, der Dortmund-Coach bekommt medial ein Ultimatum gestellt - trotz ausgewiesener Schalke-Expertise.

Was macht der FC Bayern?

Ob die Münchner mit Coach Carlo (Ancelotti) auch so gnädig gewesen wären? Nun, vermutlich nicht. Aber hat er denn wettbewerbsübergreifend auch mal neun Pflichtspiele in Serie mit den Fußballern des FC Bayern gewonnen? Vermutlich auch nicht (wenn wir uns nicht verzählt haben, sogar definitiv nicht. Andere, faktensicherere Ergebnisse können Sie gerne an sporttag@nama.de mailen). Sein Nachfolger Jupp Heynckes aber hat das nun am Mittwoch geschafft (vermutlich nicht zum ersten Mal in der Geschichte seiner unzähligen FCB-Engagements und inklusive eines Elfmeterdramas). Diesmal aber nur dank Torwart Sven Ulreich, Debütant Marco Friedl (er ist Linksverteidiger) und einer mächtigen Wutansprache in der Halbzeitpause des Champions-League-Spiels beim RSC Anderlecht (1:2). Völlig wumpe, findet Karl-Heinz Rummenigge. In seiner (Erfolgs)-Welt heißt das so: "Ich glaube, das Spiel wird leider nicht in die Annalen des Weltfußballs eingehen. Aber ich denke, das macht nichts." Die zurückerkämpfte Mia-san-mia-Unbesiegbarkeit langweilt offenbar selbst die Bayern-Bosse.

Aber bevor Sie nun flehentlich das Sandmännchen wegen einer Extraladung Schlafsand ansimsen, um das Bundesliga-Wochenende einfach komplett verpennen zu können, studieren Sie lieber nochmal den Spielplan. Dort hat die DFL nämlich ein Topspiel mit Zunder platziert. Am Samstagabend (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) empfängt die wieder Königsklassen-schnuppernde und stets Bayern-bereite Borussia aus Mönchengladbach den Allesgewinner und sein personell - von der Stammoffensive ist nach den Ausfällen von Thiago und Arjen Robben jetzt nur noch Robert Lewandowski einsatzfähig - und sportlich zumindest kurzzeitig schwächelndes Team. Und, Pikanterie (II), der Allesgewinner ist ein gebürtiger und mit der Heimat tief verwurzelter, Obachts-Alarm, München-Gladbacher - so hieß Mönchengladbach bis 1960. Wenn das nicht die Wucht in Tüten ist! Jetzt aber wieder ruhiger werden und konzentrieren: Denn auch sportlich wird's, wir haben es gerade angerissen, durchaus spannender, als die seit Wochen grassierende Heynckes-Liga-Langeweile erwarten lässt. Denn die Gastgeber fühlen sich nach einer bislang starken Saison durchaus bereit, die Münchener Siegesserie zu killen. "Wenn wir einen guten Tag haben, sind wir in der Lage, einen tollen Fight abzuliefern", sagt BMG-Coach Dieter Hecking, der nach 35 Jahren endlich ein bislang unbekanntes Jupp-Trauma überwinden könnte. Denn als er damals als 18 Jahre junger Spieler zur Borussia und zum Trainer Heynckes kam, passierte Folgendes: "Wenn Jupp im Training mitgespielt hat, dann ging es manchmal so lange, bis seine Mannschaft gewonnen hatte", ... ; Tipp: 2:1 für Gladbach!

Wie geht's Borussia Dortmund?

... womit wir unmittelbar beim BVB wären. Warum? Weil der nämlich auch nicht gewinnen kann, wenn Jupp Heynckes mitmischt. Denn seit sich der 72-Jährige wieder aktiv in der Bundesliga tummelt, hat die bis dato, bis einschließlich zum 7. Spieltag, offensiv begeisternde und defensiv stabile Borussia nur noch ein Spiel gewonnen, im DFB-Pokal beim drittklassigen 1. FC Magdeburg (5:0). Ansonsten: Patzer, Peinlichkeiten und Probleme. Wie wir den Heynckes-Komplex, also den Zusammenhang zwischen Heynckes-Comeback und BVB-Slapstick wissenschaftlich-wasserdicht belegen sollen? Puh ..., wir tüfteln im n-tv.de Fußballlabor noch an einer Lösung, versprochen. Bis dahin widmen wir uns dem Pottklassiker. Am Samstagnachmittag empfängt die Borussia die tüchtig malochenden Punkteeichhörnchen von Domenico Tedescos FC Schalke 04 zum Revierderby. Und die einzig gute Nachricht für Schwarzgelb liefern die hiesigen Wettanbieter. Denn die blenden die Krise des Klubs ganz dreist aus und bieten dem Mutigen für einen Sieg des BVB nur eine Quote von 1,9!

Coach Peter Bosz dürfte das ziemlich schnurz sein. Der Niederländer muss dieser Tage nämlich über sich lesen, dass er akut entlassungsgefährdet ist. Ausgerechnet das Duell gegen die verhasste, königsblaue und aktuell als Zweiter sehr erfolgreiche Pottverwandtschaft soll für den Coach zum Entscheider werden, was der Klub allerdings nicht so sieht sagt. Nun, sollte es tatsächlich so sein, es gäbe schlimmere Nachrichten für Bosz. Denn er ist ja ausgewiesener Schalke-Experte, demütigte die "Knappen" im April, im Hinspiel des Europa-League-Viertelfinals (2:0), mit Ajax Amsterdam. "Ich bin jetzt eineinhalb Jahre auf Schalke. Die schlimmste Niederlage, die ich in dieser Zeit erlebt habe, war die in Amsterdam, weil ich uns da einfach chancenlos gesehen habe", sagt S04-Manager Christian Heidel dem "Kicker". Denn, wie er weiß, ist es in guten Zeiten so: "Wenn das System Bosz funktioniert, ist es brutal. Wir haben das in perfekter Weise zu spüren bekommen." Aber, wir befinden uns nun wieder im hier und jetzt, funktionieren tut im System Bosz gerade mal gar nix. Woran das liegt? No one know's! Außer Thorsten Legat. Der Kasalla-Klartextler hat im "Reviersport" schonungslos analysiert: "Bosz wird von der Mannschaft im Stich gelassen. Von Spielern wie Marcel Schmelzer und anderen Experten erwarte ich keine klugen Sätze nach den Spielen, sondern Taten auf den Platz. Das ist zu wenig, was die Jungs da anbieten. Und was sich dieser Aubameyang erlaubt, ist eine absolute Frechheit." Tja, und nun? Tippen wir 0:0 und auf das Ende der Mini-Ära Peter Bosz.

Kann der 1. FC Köln doch noch Bundesliga?

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Gewinnt der Effzeh endlich ein Bundesliga-Spiel?

Läuft doch beim Effzeh! Seit Wochen schon DFB-Pokal-Achtelfinalist, seit Donnerstagabend Arsenal-London-Besieger und plötzlich auch wieder Europapokalüberwinterungskandidat! Die legendär-lustige Grenzenloseuphorie der Kölner will sich aber dennoch nicht einstellen. Was freilich an der Bundesliga liegt. Denn dort haben die Männer von Coach Peter Stöger bislang zwar zwei Remis eingefahren, sonst aber nichts. Was nach zwölf Spieltagen für einen Kölner ähnlich ernüchternd ist wie ein Glas Düsseldorfer Altbier. Aber: Nun wird alles besser, da sind sie sich relativ sicher: "Dieses Spiel (Anmerk. d. Red: der 1:0-Sieg gegen Arsenal) kann ein wirklicher Dosenöffner sein", sagt Abwehrspieler Jannes Horn. Erster Futtertopf wäre dann am Sonntagabend die Hertha aus Berlin (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Bei der läuft's in der Liga zwar deutlich besser als beim Effzeh, richtig gut aber auch nicht (14. mit 14 Punkten). Hinzu kommt das seit Donnerstagabend besiegelte, ziemlich dusselige Europapokal-Ende und das DFB-Pokal-Aus vom 25. Oktober. Dort unterlagen die Berliner daheim natürlich ausgerechnet den Kölnern (1:3)! Macht in der Summe den einzig sinnvollen Tipp: 3:0 für den Effzeh, Hattrick Claudio Pizarro!

Was passiert sonst noch so?

Hannover 96 - VfB Stuttgart (Freitag, 20.30 Uhr): Hannover-Coach André Breitenreiter schiebt Frust. Sein Stürmer Jonathas hat sich verletzt. Er ist im Training ausgerutscht, weil der Platz so schlecht ist. "Sehr ärgerlich" findet der Trainer das. Denn er könnte den treffsicheren Brasilianer gut gebrauchen, um Ron-Robert Zieler im VfB-Tor zu überwinden. Der beschäftigt sich derweil weniger mit den Stürmern, sondern eher generell mit Hannover. Denn dort reifte er zwischen 2010 und 2016 zum Nationalspieler. Jetzt kehrt er erstmals heim und fragt sich: "Wie werde ich wohl empfangen?" Wir tippen gut und 0:0.

Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr): Zum Duell der Schulen hat die "Frankfurter Rundschau" das Spiel ausgerufen. Tatsächlich ist es so, dass die Eintracht defensiv ziemlich stabil steht (12 Gegentore) und sich offensiv meist minimalisiert (14 Tore). Anders halt als Leverkusen, die mit Saison-Entdeckung Leon Bailey zumeist so herzzereißend stürmen (25 Tore), dass es hinten mitunter tüchtig einschlägt (18 Gegentore). Tipp: 1:1.

FC Augsburg - VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr): Was macht eigentlich "Torero" Mario Gomez? Einen überragenden Job, findet Coach Martin Schmidt. Nun, bei einem Tor und einer Vorlage in sieben Liga-Spielen müssen wir natürlich nachfragen, wie das gemeint ist. Und wir lesen beim "Kicker" die Antwort: "Er hat sehr uneigennützig und mannschaftsdienlich gespielt", erklärt Schmidt. In Wolfsburg würden nämlich auch nicht in die Wertung eingehende Torbeteiligungen gewürdigt, "die wir im Team aber herausstreichen". Und die Augsburger so? Sie freuen sich auf das Wiedersehen mit ihrer Klub-Legende Paul Verhaegh. Außer er schießt einen Elfmeter, das kann er nämlich besonders gut, beim FCA hat er einst 17 seiner 19 Versuche verwandelt. "Ich habe ihm gesagt: Wenn er auf die Idee kommt, den ersten Elfmeter gegen uns zu nehmen, hat er ein Problem mit mir", sagt FCA-Kapitän Daniel Baier. Tipp: Nach dem Sieg-Ausrutscher vergangene Woche gegen Freiburg macht Wolfsburg das, was es am Besten kann: remisieren, und zwar 1:1.

RB Leipzig - Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr): RB-Coach Ralph Hasenhüttl gilt als Fachmann, als jemand, der seine Mannschaft bestens auf den Gegner einstellen kann. Und jetzt wissen wir auch, woher er seine Expertise hat - von der klubeigenen Homepage nämlich! Dort wird der Gegner in all seine - überraschend viele - Stärken und Schwächen zerlegt. Nach eingängigem Studium der Fakten erwarten wir kein monegassisches Torrausch-Déjà-vu, sondern tippen: 1:0.

SC Freiburg - FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr): SCF-Trainer Christian Streich macht sich bereits jetzt Gedanken, wie er friedliche Feiertage verleben kann. Und das Ergebnis seiner Gedankenspiele ist Folgendes: "Wenn wir neun Punkte holen, wird meine Beruhigung Richtung Weihnachten nicht zu überbieten sein." Das Problem: Bislang holte Freiburg nur acht. Das Positive: Mit Mainz, dem HSV und Köln warten noch drei schlagbare Gegner bis Jahresende. Da wir immer pro ruhige Feiertage sind, 2:1.

Hamburger SV - 1899 Hoffenheim (Sonntag, 15.30 Uhr): In Hamburg treffen zwei der drei aktuell größten Trubeltruppen der Liga (die dritte ist der BVB, siehe oben) aufeinander. Während sie in Hamburg wieder kurz vor dem Relegationsplatz stehen und mit ihren formschwachen Spitzenkräften um André Hahn und Bobby Wodd hadern, wissen die nun ebenfalls europapokalbefreiten Hoffenheimer aktuell gar nicht, wen sie nächstes Jahr überhaupt noch als Leistungsträger haben. Denn neben den Dauergerüchten um Coach Julian Nagelsmann und dem heftigen Flirt zwischen dem FC Bayern und Sandro Wagner, wollen auch Mark Uth und der ausgeliehene Serge Gnabry nicht über den Sommer hinaus bleiben. Viele Nebengeräusche sorgen auch für viel Aufregung auf dem Platz. Für Hamburg reicht's aber. Tipp: 2:3.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Am Ende der Saison wird der Nicht-Abstieg stehen. Ich habe keine hellseherischen Fähigkeiten, sondern eine Überzeugung in den Kader." Florian Kohfeldt bewirbt sich beim SV Werder Bremen ausgerechnet vor dem Spiel bei den Spektakelfußballern von RB Leipzig um die Doppelrolle als Cheftrainer und Klub-Orakel.

Quelle: n-tv.de

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