Fußball

Lehren des zehnten Spieltags Heynckes verhext Liga, BVB fehlt Plan B

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Kann er zaubern? Jupp Heynckes, hier mit Robert Lewandowski.

(Foto: imago/DeFodi)

Die Dortmunder beharren darauf, keine Krise zu haben - und schauen zu, wie der FC Bayern in der Bundesliga vorbeizieht. Ihre Schwäche ist die Stärke der Münchner. Und ist Fußball-Mörder eine Beleidigung?

1. Dortmunds Bosz braucht Einsicht

Es ist kaum noch vorstellbar: Zu Saisonbeginn stürmte der BVB unter dem neuen Trainer Peter Bosz nicht nur durch die Fußball-Bundesliga. Er tat das in den ersten fünf Saisonspielen auch ohne jedes Gegentor, nach sieben Spieltagen waren es erst zwei Gegentreffer. Und jetzt, nur drei Spieltage später, stehen die Dortmunder nach anhaltenden Abwehrchaoswochen bei elf Gegentoren und erstmals nur noch auf Platz zwei der Tabelle. Aus atemberaubenden fünf Punkten Vorsprung auf den FC Bayern sind in atemberaubend kurzer Zeit drei Punkte Rückstand geworden. Bosz, der vor dem Hannover-Spiel noch die Meisterschaft als Ziel ausgegeben hatte, agierte nach der 2:4-Abreibung beim Aufsteiger ähnlich unterzeugend wie sein Team. "Da ist keine Krise - und da war keine Krise", behauptete er.

Klartext beim BVB mussten andere sprechen wie Kapitän Marcel Schmelzer und Sportdirektor Michael Zorc, der "Alibifußball" geißelte und den Auftritt als "pomadig und selbstgefällig" beschrieb. Das ging direkt gegen die BVB-Profis, die sich auch Bosz vornahm: "Ich habe schon vier Fragen bekommen, ob wir zu hoch stehen. Wenn wir gut stehen und gleich Druck machen, wenn wir den Ball verlieren, dann ist hoch zu stehen kein Problem." Aber genau diesen Druck, diese Dortmunder Gier, diese Aggressivität lässt der BVB seit Wochen vermissen - und dafür ist Bosz ebenso verantwortlich wie für den fehlenden Plan B. Während andere Spitzenteams ihre Taktik im laufenden Spielbetrieb wechseln, an Gegner oder Situationen anpassen, gibt es für Bosz nur sein auf Offensive total ausgerichtetes 4-3-3-System - das in Hannover erneut total ausrechenbar und ein Totalausfall war. Für das Topspiel am kommenden Samstag im Westfalenstadion gegen den FC Bayern verspricht das wenig Gutes. Und wie es das Los so will, spielt der BVB auch im Achtelfinale des DFB-Pokals am 19. oder 20. Dezember  gegen die Münchner - natürlich auswärts. Mal sehen, wem das den Atem raubt. Beim Champions-League-Spiel am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Apoel Nikosia hingegen geht es eher darum, den Schaden zu begrenzen und in der Gruppe H Platz drei zu erreichen, auf dass es im nächsten Jahr zumindest in der Europa League weitergeht.

2. Jupp Heynckes verzaubert die Konkurrenz

FC Bayern gegen RB Leipzig - mehr Spitzenspiel geht angesichts der Dortmunder Vielleicht-Krise im Moment nicht. Und als wäre die Partie nach dem Pokal-Drama nicht schon brisant genug, würzten es die Dortmunder durch ihre Pleite in Hannover noch zusätzlich und machten es zum Spiel um die Tabellenführung. Die ging nach erneuter 80-minütiger Münchner Überzahl gegen erneut zu grüne, zu ungestüme und zu wilde Leipziger letztlich an die Bayern, die damit nach der Ewigkeit von 116 Tagen ohne Platz eins endlich wieder von ganz oben grüßen.

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Gemeinsam stark: Jérôme Boateng und Mats Hummels.

(Foto: imago/Picture Point LE)

Was natürlich einzig und alleine an Jupp Heynckes liegt. In nur drei Ligaspielen acht Punkte mehr zu holen als die Dortmunder Borussia - das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Zudem haben die Münchner sieben Punkte zwischen sich und die Hoffenheimer gebracht und auch auf RB Leipzig nun vier Zähler Vorsprung. Seit er statt Carlo Ancelotti - und zwischendurch Willy Sagnol - die Mannschaft trainiert, ist zwar nicht alles gut, aber vieles besser. So haben die Bayern mit ihm in der Liga noch kein Gegentor kassiert, will heißen, die Abwehr steht, Jérôme Boateng und Mats Hummels sind wieder das Bollwerk in der Innenverteidigung, das sie einst waren. Doch nur mit der eigenen Brillanz ist der Erfolg nicht zu erklären; vielmehr haben die Münchner die Schwäche der Konkurrenz gnadenlos ausgenutzt - was wiederum auch eine Stärke ist. Und nun? Geht’s am Dienstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in der Champions League nach Glasgow zu Celtic - vorsichtshalber ohne Robert Lewandowski, den muskuläre Probleme im linken Oberschenkel plagen. Und am Samstag drauf wie erwähnt zum BVB. Ob's ein Spitzenspiel wird? Schaun mer mal, dann sehn mer scho.

3. "Deutscher Meister wird nur der SVW!"

Die Fans des SV Werder Bremen sind einiges gewöhnt, kämpft ihre Lieblingsmannschaft doch seit Jahren gegen den Abstieg. Die Fans des SV Werder sind treu und haben ihr Team stets so treu unterstützt, dass es auch für den neutralen Beobachter eine Freude war. Nun aber kippte die Stimmung. Beim desaströsen 0:3 gegen den FC Augsburg am Sonntagabend wussten sie sich nicht anders zu helfen, als auf die hilflose Vorstellung ihres Teams mit Ironie zu reagieren.

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Raus: Nouri.

(Foto: dpa)

In den Ohren der Spieler muss es gar wie Sarkasmus geklungen haben: "Oh, wie ist das schön!" Und: "Deutscher Meister wird nur der SVW!" Sie riefen aber auch: "Nouri raus". Und nun ist der Trainer weg. Die Bremer, allen voran der nach der Partie sichtlich erschütterte Manager Frank Baumann, haben Trainer Alexander Nouri das mitgeteilt, was die meisten geahnt haben dürften: So geht es nicht weiter. Noch kein einziges Ligaspiel hat der SV Werder in dieser Saison gewonnen, die beiden einzigen Erfolge gelangen im DFB-Pokal. In zehn Partien haben die Bremer ganze drei Tore erzielt, seit 484 Minuten läuft gar nichts mehr. Und nun? Übernehmen U23-Trainer Florian Kohfeldt, ihm hilft Tim Borowski, am Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) geht's zur Frankfurter Eintracht. Apropos Borowski: Der Ex-Nationalspieler gewann mit Werder 2004 das Double: "Deutscher Meister wird nur der SVW!"

4. Kölns Strohhalm ist - nur der HSV

Ein richtiger Trost war es nicht für Peter Stöger. Dazu muss man wissen: Der Mann trainiert den 1. FC Köln und hat mit seiner Mannschaft - wie der SV Werder - in dieser Spielzeit in der Bundesliga noch keine Partie gewonnen. Die jüngste Niederlage datiert vom Samstag, als die Kölner in Leverkusen gar in Führung gingen - und dann doch wieder verloren, zum achten Mal bei bisher zehn Versuchen. Und Stöger sagte: "Ich könnte jetzt sagen: Wenn der HSV das geschafft hat, können wir es auch schaffen." Sagte er aber nicht: "Aber für uns wird es noch schwieriger. Der HSV war im Abstiegskampf erprobt, hat es immer wieder geschafft, sich zu retten und darin eine Qualität entwickelt. Für uns ist es eine neue Situation." In der Saison zuvor war es so, dass der Hamburger SV wie der FC jetzt nach zehn Spielen noch keinen Sieg und nur zwei Punkte auf dem Konto hatte - und sich am Ende noch rettete, sogar ganz ohne Relegation. Aber das hilft den Kölnern jetzt auch nicht weiter. Auch nicht, dass es in der seit 1963 immerhin eine Mannschaft gab, die schlechter war als sie: In der Premierensaison hatte der 1. FC Saarbrücken nach zehn Spieltagen gar nur einen Zähler. Allerdings stieg der Klub am Ende auch als abgeschlagener Tabellenletzter ab. Trost spendet das nicht.

5. Aufregung um ein Anti-Hopp-Plakat

Ganz so, wie Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking sich das vorstellt, läuft das nicht. Er hatte den Journalisten nach dem famosen 3:1 seiner Mannschaft in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim empfohlen: "Am besten gar nicht mehr darüber berichten." Dabei hatten die Gladbacher doch wirklich prima gespielt und das 1:5 gegen den Bayer 04 Leverkusen am Spieltag zuvor offenbar gut verdaut. Aber darum ging es gar nicht. Sondern darum, dass einige Fans der Gäste in der Rhein-Neckar-Arena ein Plakat aufgehängt hatten, mit dem sie Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp beschimpften: "Und Ihr? Huren eines Fußballmörders!"

Festzuhalten bleibt, dass sie Hopp nicht einen Mörder nannten, was in der Tat geschmacklos und infam gewesen wäre. Der Begriff "Fußballmörder" ist zwar ebenfalls beleidigend, dennoch besteht zwischen beiden Begriffen ein Unterschied. "Die Choreo war schön, das Banner hätte man sich sparen können", sagte Hecking. Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen kam zu dem Schluss: "Es nicht mehr zu erwähnen, um keine Plattform zu geben, wäre eine Möglichkeit. Das ist nicht zu ertragen, das ist verabscheuenswürdig. Ich weiß aber nicht, was der Ansatz ist." Er sei sich sicher, dass dies seinem Gladbacher Kollegen Max Eberl total unangenehm sei: "Aber ich frage mich: Was soll er machen?" Eberl sagte dann: "Es ist schade, dass man sich nach so einem Auswärtssieg für einen Teil der eigenen Fans entschuldigen muss. Dieses Verhalten passt nicht zu uns. Wir sind ein Verein, der Toleranz lebt und einfordert. Wir wollen nichts mit Leuten zu tun haben, die Hass schüren." Und was macht der DFB? Er ermittelt.

Quelle: n-tv.de

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