Fußball

DFB versagt auf ganzer Linie Infantinos Fifa-Wahl ist eine Farce

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Hat gut lachen: Gianni Infantino wird auf vier Jahre wiedergewählt.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Eine Wahl, die vorher entschieden ist? Stets ein schlechtes Zeichen. Fifa-Boss Gianni Infantino verhält sich wie ein Despot, dennoch stimmt der DFB für ihn. Eine Schande für den Verband, der positive Schlagzeilen bitter nötig hat - und ein Schlag ins Gesicht für alle Fußballfans.

Gianni Infantino strahlt, die Fußballwelt weint. Per Akklamation wird der alte Fifa-Boss der neue, Gegenkandidaten gibt's keine, die Entscheidung ist schon vorher klar. Infantino wird abermals vier Jahre den Weltverband autoritär und nach Belieben führen, wird intrigieren, vertuschen und den Fußball immer weiter verkaufen. Auch dank tatkräftiger Unterstützung des DFB. Dass Reinhard Rauball, Rainer Koch und Friedrich Curtius wie angekündigt für den Fifa-Despoten stimmten, ist eine Schande.

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Für Infantino zählt nichts so viel wie Geld und in Deutschland ist er aufgrund seiner geplanten Mega-Projekte, von der Klub-WM über eine globale Nations League bis hin zu einer WM mit 48 Teams, äußerst unbeliebt. Selbst Ex-DFB-Boss und "Uhren-Sammler" Reinhard Grindel fuhr in seiner Amtszeit eine harte Linie gegen den Schweizer. Zwar hätte auch der DFB seine Wiederwahl nicht mehr aufhalten können. Aber ein Nein oder wenigstens eine Enthaltung hätte Infantino gezeigt, dass er mächtige Gegner hat.

Endlich hätte der DFB nach dem verkorksten WM-Sommer 2018, der Özil-Affäre und dem Grindel-Aus mal wieder halbwegs positive Schlagzeilen schreiben können. Aber selbst in diesem Moment versagt die Führungsetage kläglich: "Einstimmig" habe man entschieden, Infantino zu unterstützen, teilte der Verband mit. Wer schafft es, noch unbeliebter als der DFB 2018 zu werden? Richtig, der DFB 2019.

Rauball und Koch gehen voll auf Linie mit Infantino. "Das Präsidium des DFB unterstreicht die Notwendigkeit, sowohl mit der Europäischen Fußball-Union Uefa als auch mit dem Fußball-Weltverband Fifa in einem konstruktiven Dialog zu stehen", hatte der Verband am Tag vor der Wahl mitgeteilt. Wann und wie Ja und Amen zu einem konstruktiven Dialog führen, wissen aber wohl nur die alten, weißen Männer. Der DFB fürchtet wohl eher, seinen nach Grindels Rücktritt verlorenen Platz im Fifa-Council beim Kongress im März 2020 nicht wiederzubekommen und knickt deshalb gefügig ein. Klar, "im Austausch mit der Fifa" wolle man natürlich "wenn nötig auch kritische Standpunkte" vertreten. Dieses Statement grenzt an Ironie, war schließlich mit dem Moment des Schreibens die Chance für einen dieser kritischen Standpunkte vertan. Soziale Verantwortung sieht anders aus. Der DFB versagt mal wieder, wenn es um ein klares Bekenntnis und Handeln in Richtung Ehrlichkeit, Fairness und sauberen Sport geht.

Der König ist tot, lang lebe der König

Infantinos Vorgänger Sepp Blatter wurde nach seinen Mega-Skandalen vom Hof gejagt. Nur lehrt die Geschichte, dass auf einen Tyrannen oft ein weiterer, nicht besserer Alleinherrscher folgt. Der König ist tot, lang lebe der König. Seit 2016 zeigt Infantino, wie viel Despot in ihm steckt: Milliardenschweren Klubs wie Paris St. Germain oder Manchester City hilft er, ihre Vergehen gegen das Financial Fairplay zu verschleiern, in das Umschreiben des Fifa-Ethikcodes mischt er sich nachweislich ein und die Klub-Weltmeisterschaft versucht er, für 25 Milliarden Dollar an dubiose Investoren zu verkaufen, die er nicht namentlich nennen will.

Als die Ethik-Kommission der Fifa gegen ihn ermittelt, setzt der Fifa-Boss die Ermittler ab und seine Leute ein. Hier wird gemauschelt, dort werden ein paar Geschenke gemacht und Wahlstimmen gegen Gefälligkeiten eingetauscht. Die Wahl war eine Farce. Der DFB unterstützt einen Präsidenten, der keinen Deut besser ist als der Despot vor ihm. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Fans, Hobby-Kicker und Ehrenämtler im DFB, die diesen Sport lieben. Moneten statt Moral, Machenschaften und Gefälligkeiten statt Verantwortung und Gewissen. Was muss ein Fifa-Präsident eigentlich tun, damit der DFB gegen ihn stimmt?

Quelle: n-tv.de

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