Fußball

Letzte Fragen zum 33. Spieltag Lewandowski schmollt, Heynckes schmunzelt

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Obacht: Das Foto ist aus Madrid, nicht aus Köln. Aber es passt einfach besser.

(Foto: AP)

Ach ja, der FC Bayern. Scheint nach dem Aus in der Königsklasse nicht ausgelastet. Also ist Robert Lewandowski beleidigt - und Trainer Jupp Heynckes moderiert die Sache sauber weg. Die Schalker feiern, der HSV hofft, Wolfsburg scheint am Ende.

Wer ist der Boss beim FC Bayern?

Jupp Heynckes, na klar. Hat er selbst gesagt - nachdem ihm Robert Lewandowski am Samstag in Köln nicht die Hand gegeben hatte. Was ist da los? Der Angreifer war etwas knatschig, weil der Trainer ihn nach 77 Minuten ausgewechselt hatte. Lewandowski hatte zwar an diesem vorletzten Spieltag schon einen Treffer erzielt, den 29. in dieser Saison der Fußball-Bundesliga, den 150. in seinem 193. Spiel für den FC Bayern. Aber er hätte wohl gerne sein persönliches Torkonto noch weiter aufgestockt. Derart kindisch zu schmollen spricht nicht gerade für den Spieler. Aber es spricht absolut für den Trainer, der mit aller Weisheit seiner 72 Jahre die Dinge kurz klarstellte: "Der Boss bin ich - und sonst keiner." Nach dem doch etwas unglücklichen Aus im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid scheinen die Münchner nicht ganz ausgelastet. Und bis auf das DFB-Pokalfinale am 19. Mai gegen Eintracht Frankfurt steht ja auch nichts Nennenswertes mehr an, Meister sind sie ja schon.

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Bleibt ruhig: Jupp Heynckes.

(Foto: imago/DeFodi)

Heynckes jedenfalls berichtete: "Im Moment der Auswechslung habe ich nicht ganz so lustig reagiert. Im Nachhinein kann ich darüber schmunzeln." Es sei nämlich so: "Torjäger sind nun mal egoistisch und denken an ihre Torquote, aber Lewy hat es eingesehen." Fazit: Das hat er sauber wegmoderiert. Da war es eher überflüssig, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic auch noch was sagte. Zunächst beteuerte er, da sei "gar nix" gewesen. Dann gestand er ein: "Wir haben darüber gesprochen. Lewy ist ein Voll-Profi und hat sich über sich selbst geärgert, weil er nicht zwei oder drei Tore gemacht hat."

Das lag aber weniger an der Auswechslung als an seinen zwei leichtfertig vergebenen Großchancen in der ersten Halbzeit. "Lewy wird Torschützenkönig der Bundesliga. Aber er will auch europäischer Torschützenkönig werden", sagte Heynckes. Die Chancen auf den Goldenen Schuh als erfolgreichster Angreifer des Kontinents stehen aber schlecht: Ein gewisser Lionel Messi hat just beim 2:2 im spanischen Clásico gegen Real Madrid sein 33. Tor erzielt. Wenn also Lewandowski am kommenden Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im allerletzten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart nicht mindestens fünf Mal trifft, ist er bestimmt wieder beleidigt. Aber der Boss wird ihm schon sagen, was zu tun ist.

Darf man die Schalker loben?

Klar, warum nicht? Nur weil sie sehr oft sehr langweiligen Fußball spielen? Ach ja. Formulieren wir es so: Die Gelsenkirchener stellen die schlauste Mannschaft der Liga: wenig riskieren, auf die Schwächen der anderen schauen und das Ding dann durchziehen. Das haben sie auch Domenico Tedesco zu verdanken. Er hat den FC Schalke 04 auf Platz zwei geführt, der ist ihnen schon vor dem letzten Saisonspiel gegen die Frankfurter Eintracht nicht mehr zu nehmen. "Was der Trainer aus der Mannschaft geformt hat, ist sensationell. Wir arbeiten als Team gern zusammen, sind eine richtig eingeschworene Truppe", sagt Angreifer Guido Burgstaller. Das sieht zwar nicht immer toll aus, aber die Schalker spielen diszipliniert, strukturiert und fleißig. Und die Abwehr um Naldo steht. In der kommenden Saison gibt es also nach vier Jahren Abstinenz wieder Champions League in der Turnhalle neben dem Parkstadion. Und Manager Christian Heidel ist ganz entzückt. "Viel mehr können wir nicht erreichen. Das ist wie eine gefühlte Meisterschaft, auch wenn es dafür keine Schale gibt. Das muss eh geändert werden." Den FC Bayern wollen sie also nicht angreifen, ihnen reicht der Status als "Best of the Rest".

Wer steigt denn jetzt ab?

Der 1. FC Köln, das war schon vor diesem 32. Spieltag klar. Der FSV Mainz ganz bestimmt nicht, dazu später mehr. Die schlechtesten Chancen hat mit seinen 28 Punkten der Hamburger SV auf Platz 17. Mehr als der Relegationsrang 16 ist nicht mehr drin. Dafür muss das Team nach der klaren, aber nicht unumstrittenen Niederlage in Frankfurt nicht nur am letzten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach gewinnen, sondern auch darauf hoffen, dass der VfL Wolfsburg, der zwei Zähler mehr hat und auf Platz 16 rangiert, gegen den 1. FC Köln verliert. Also gegen die Mannschaft, die auf jeden Fall in der kommenden Saison zweitklassig spielt.

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"Wir haben Bruno Labbadia."

(Foto: imago/regios24)

Andererseits: Die Kölner können befreit aufspielen. Und die Wolfsburger Mannschaft trat bei der Pleite in Leipzig derart desolat auf, dass wenig Hoffnung besteht. Zum wiederholten Mal machten sich einige Fans des VfL über den Trainer lustig, der doch eigentlich als Retter gekommen war. Sie sangen: "Wir steigen ab, wir kommen nie wieder, wir haben Bruno Labbadia." Der ist, wie die "Bild"-Zeitung berichtete, am Rauswurf vorbeigeschrammt. Und sagt: "Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Ich identifiziere mich mit dem Klub und gebe das, was ich habe. Und dann will man natürlich lieber ein Stück Liebe haben!" Nun ja. Bleibt der SC Freiburg. Für die Breisgauer auf Rang 15 ist die Rechnung nach dem 1:3 in Gladbach denkbar einfach, aber halt ungleich schwerer umzusetzen: gewinnen sie am letzten Spieltag gegen den FC Augsburg, ist alles in Butter. Selbst ein Remis wird reichen.

Wie haben die Mainzer das geschafft?

Wir wissen nicht einmal, ob die Mainzer so genau wissen, wie sie sich in einem furiosen Endspurt mit Siegen gegen RB Leipzig und nun bei der Dortmunder Borussia vor dem Abstieg gerettet haben. Aber der viel und oft kritisierte Trainer kann nicht alles falsch gemacht haben. "Alle im Verein haben in schweren Zeiten zusammengehalten", sagte Sportvorstand Rouven Schröder im Westfalenstadion mit Tränen in den Augen. "Wir haben unser Ding durchgezogen. Wir haben es geschafft. Ich bin vor allem stolz auf Sandro Schwarz." Der Trainer schwärmte dann auch von einem "unfassbaren Gefühl", der perfekten Mischung aus "Glück, Stolz und Dankbarkeit". Und: Kistenweise trugen Dortmunder (sic!) Betreuer das Bier in den Mainzer Bus, Schwarz versicherte, niemand müsse sich sorgen, noch "zu verdursten". In der Heimat ging es gleich weiter: Mainz, wie es trinkt und lacht.

Rettet sich der BVB in die Königsklasse?

Es ist nicht alles schlecht bei der Dortmunder Borussia. Auch nach der Niederlage gegen die lustigen Mainzer steht der BVB auf Rang drei der Tabelle, mithin auf einem Platz, der zur Teilnahme an der europäischen Königsklasse berechtigt. Um nichts anderes geht es in dieser im Grunde doch arg verkorksten Saison, deshalb haben sie Trainer Peter Stöger geholt. Doch nun bleiben die Dortmunder unter Druck: Wenn sie am letzten Spieltag in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim deutlich verlieren und Bayer 04 Leverkusen zeitgleich klar gegen Hannover 96 gewinnt, werden sie nach hinten durchgereicht und verlieren viele Millionen Euro, die allein die Teilnahme an der europäischen Königsklasse garantiert.

Der Kollege Felix Meininghaus war im Stadion und hat die Lage analysiert: "Auch auf der Zielgeraden bleibt Borussia Dortmund ein rätselhaftes Gebilde. Und in der kommenden Saison muss der BVB eine wankelmütige Mannschaft wieder auf Kurs bringen." Apropos Stöger: "So wie er sich in der Kabine ausdrückt, gehen wir fest davon aus, dass wir in der kommenden Saison einen neuen Trainer haben!", sagte Ersatzspieler Sebastian Rode am Sonntag bei "Wontorra" auf Sky. Tja, die Wahrheit - oder zumindest das, was alle glauben zu wissen und erwarten - wird beim BVB offenbar bestraft. Boss Hans-Joachim Watzke jedenfalls bestätigt der "Bild"-Zeitung, dass es eine Sanktion geben wird.

Wie geht's dem Rekordaufsteiger?

Rekordaufsteiger - das ist auch so ein Titel. Aber die Nürnberger werden sich freuen, dass sie sich jetzt so nennen dürfen. Nach dem Sieg in Sandhausen am Sonntag steht fest: "Der Glubb is a Depp!" gilt vorerst nicht mehr, der 1. FCN spielt in der kommenden Saison, wenn nicht erstklassig, so doch wieder in der ersten Liga. Es war der achte Aufstieg der Klubgeschichte, was allerdings auch heißt, dass sie ganz schön oft abgestiegen sind. Egal. "Die Mannschaft hat sich das redlich verdient, das war eine starke Saison", sagte Trainer Michael Köllner nach der Busfahrt zurück in die fränkische Heimat. "Weltklasse, es gibt kein besseres Gefühl", befand Kapitän Hanno Behrens. "Der Aufstieg war das große Ziel, der große Traum, der jetzt wahr geworden ist. Jetzt werden wir zwei, drei Tage feiern und dann schauen wir weiter in Richtung Sonntag. Die Schale am Ende in der Hand zu halten, wäre ein schöner Bonus. Dafür werden wir nochmal Gas geben." Der Glubb ist gierig. Im Heimspiel am Sonntag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf soll nun auch noch der Titelgewinn in der zweiten Liga her. "Wir werden sicher nicht die ganze Woche die Beine hochlegen. Jetzt wollen wir auch noch Meister werden", verkündete Torwart Fabian Bredlow.

Quelle: n-tv.de