Fußball

Weiter wilde Gerüchte um Sané Lewandowski verliert langsam die Geduld

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Robert Lewandowski, so viel darf man wohl sagen, ist mit dem aktuellen Stand des Kaders nicht zufrieden.

(Foto: imago images / Kirchner-Media)

Alles wartet auf Leroy Sané. So lässt sich die Situation beim FC Bayern zusammenfassen. Der mögliche Transfer des deutschen Fußball-Nationalspielers würde Stürmer Robert Lewandowski aber nur bedingt zufriedenstellen. Er fordert mindestens drei neue Spieler.

Eine Rückennummer hat er schon. Leroy Sané erbt beim FC Bayern die legendäre "Zehn". Zuletzt hatte sie Arjen Robben getragen. Zuvor waren es unter anderem Roy Makaay, Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Michael Sternkopf, Brian Laudrup, Bernd Dürnberger und Uli Hoeneß. Der erste Träger dieser so heiligen Nummer beim deutschen Fußball-Rekordmeister war Conny Torstensson. In der Saison 1973/74 trug der Schwede die "Zehn", ehe Hoeneß noch in der gleichen Saison übernahm. Nun gehört zur Wahrheit aber auch: Feste Rückennummern wurden in der Bundesliga erst zur Saison 1995/1996 eingeführt. Während jener Spielzeit kam Leroy Sané zur Welt, am 11. Januar 1996. Das alles ist genauso zufällig oder absurd, wie die Meldungen, die seit Wochen über einen möglichen Wechsel nach München veröffentlicht werden.

Die Nachricht mit Sanés Rückennummer hatte "France Football" verbreitet. Wie exklusiv der Zugang der Franzosen in den aktuell so verschwiegenen Machtzirkel beim FC Bayern ist? Unklar. Und eigentlich auch egal. Eine Sané-Geschichte ist eine gute Geschichte. Zumindest wird sie stets wahrgenommen. Und stets verbreitet. Wie tatsächlich der Stand der Verhandlungen ist? Kaum jemand weiß es. Ob der Transfer wirklich nur an der aberwitzigen Ablöse von bis zu 150 Millionen Euro hängt? Oder doch an Sanés bizarrem Beraterkonstrukt um David Beckham? Ob die nach wie vor nicht näher definierte Knie-Verletzung des Nationalspielers aus dem englischen Supercup Einfluss auf den Deal hat? Ob der 23-Jährige überhaupt wechseln will? Belastbare Antworten gibt es nicht. Seit dem angeblichen Brief der Citizens an die Münchener mit der Bitte, sich doch ab sofort mit "Wasserstandsmeldungen" zurückzuhalten, herrscht nach einer im Fernsehen eigenartig vorgetragenen Entschuldigung Schweigen.

Einer der es mit dem Schweigen beim FC Bayern seit jeher nicht so hat, ist Robert Lewandowski. In seiner immer drängenderen Sehnsucht nach einem großen internationalen Titel - mit seiner Nationalmannschaft wird das eher nichts - zählt der Pole die Verantwortlichen seines Klubs regelmäßig an, die Qualität des Kaders doch bitte hochzuhalten. Oder sie gar zu erhöhen. Zum dritten Mal in dieser Sommervorbereitung lässt er öffentlich ausrichten, dass die Münchener mehr Profis auf Top-Niveau brauchen. Nach dem vergeigten Supercup gegen Borussia Dortmund am Samstagabend hatte er gesagt: "Die jungen Spieler, die auf der Bank waren, haben Potenzial - das stimmt. Aber manchmal braucht man einfach Spieler auf der Bank, die sofort helfen können oder der Mannschaft einen Impuls geben können."

Ein Stürmer, ein Zehner, ein Sechser

Tatsächlich offenbarte die 0:2-Niederlage gegen den BVB, wie wenig Möglichkeiten Trainer Niko Kovac hat auf Verletzungen oder Formschwächen zu reagieren. Alphonso Davies für den sehr unauffälligen Thomas Müller - das lässt sich erklären. Aber Renato Sanches für David Alaba - das war Positionsverzweiflung, inklusiver wilder Spontanrotation. Sanches auf Linksaußen. Das funktionierte nicht. Er zog also stets in die Mitte. Linksaußen war nicht besetzt. Zum Verzweifeln. Und für einen Moment verzweifelt, gar sehr, sehr angespannt, waren sie auch, als sich Kingsley Coman nur ein paar Tage zuvor beim Audi-Cup abgelegt hatte, nach einem Tritt aufs Knie. Ganz still war's auf den Tribünen der Allianz Arena, die Schreie des Franzosen waren zu hören. Er wurde ausgewechselt - einen Tag später gab's Entwarnung.

Auch wegen dieser ständigen Sorge um nicht mehr zu kompensierende Ausfälle, legte Lewandowski via "Sport Bild" nun nach: "Ich denke, dass wir noch drei Spieler, neue Spieler brauchen." Diese Forderung gilt unbeeinflusst davon, ob Sané tatsächlich kommt. "Wir brauchen - auch wenn er kommt - einen weiteren Außenstürmer." Nach den Abgängen von Franck Ribéry, Arjen Robben und James Rodriguez habe der FC Bayern auf dieser Position dringenden Bedarf. Zudem wünscht sich der Stürmer einen Sechser oder einen offensiven Spieler für das Zentrum. "Wenn du eine Saison mit 13, 14 erfahrenen Profis spielen willst, wird es schwer. Wir haben 50, 60 Spiele. Man darf nicht nur daran denken, was in einer Woche ist – es geht um eine Saison, drei, vier, fünf oder sechs Monate. Dafür haben wir zu wenige Spieler. Hoeneß und Rummenigge kennen meine Meinung."

Das personell eigentlich gut besetzte Zentrum war gegen den BVB eine überraschende Schwachstelle. Die Variante mit nur einer Absicherung und zwei offensiver ausgerichten Spielern gegen die Dortmunder Raketen-Konter löste eine abermalige öffentliche Diskussion über das von Kovac bevorzugte 4-3-3 (oder auch 4-1-4-1) aus. Zwar wehrten sich Führungsspieler wie Manuel Neuer oder Joshua Kimmich gegen diese Kritik, wohl aber sahen sie die Probleme. Kimmich erkannte gar eine Naivität, die immer gleichen Fehler. Er beklagte fehlende Konzentration. Und auch fehlende Qualität.

Goretzka geht davon aus, dass sich der Kader noch verändert

Den Druck auf die Kaderplaner erhöhen derweil neben Lewandowski auch Neuer und Leon Goretzka. Kapitän Neuer sagte ebenfalls der "Sport Bild": "Ich denke, dass unsere Verantwortlichen ihre Arbeit so erledigen werden, dass wir wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft haben, die Champions-League-Sieger werden kann. Das ist mein Ziel und mein Anspruch." Diese Sätze waren Anfang Juli so auch von seinem Berater formuliert worden, dafür gab's indes reichlich Kritik und Unmut. Der nun aber wiederholte Anspruch ist womöglich auch Bedingung für eine Vertragsverlängerung. Die wird vom Klub bereits angestrebt, obwohl der Vertrag des 33-Jährigen erst im Sommer 2021 ausläuft. Noch klarer in seinen Worten wird Goretzka. Im Trainingslager des Klubs in Rottach-Egern sagt er: "Ich glaube, man kann schon davon ausgehen, dass das jetzt nicht der Kader ist, mit dem wir in die Saison gehen werden. Ich denke schon, dass noch was passieren wird. Dann sind wir auch gut gerüstet." Ob Sané Teil seines Optimismus ist, sagte er nicht. Er sagte bloß: Natürlich schreibe er wie auch schon in der fünften Schulklasse Nachrichten mit seinem "alten Freund, aber ich bitte um Verständnis, dass ich da keine WhatsApp-Verläufe preisgeben werde."

Noch liest sich die Situation weniger gut gerüstet: drei Wettbewerbe, überall mit größten Ambitionen, im besten Fall mehr als 50 Pflichtspiele, der kleinste Kader der Bundesliga und mit Jérôme Boateng noch ein Spieler mit unklarer Zukunft. Den Status des übrigens auch von Kovac mehrfach beklagten kleinsten Kaders würde der FC Bayern auch halten, wenn es mit Sané klappt. Die aktuellste Meldung zu dieser Personalie kommt aus England: "The Athletic" berichtet, dass der 23-Jährige für die ersten Spiele der Premier-League-Saison, die am Samstag mit einem Auswärtsspiel gegen West Ham United beginnt, ausfallen wird. Die Münchener soll das von ihrem Vorhaben nicht abhalten. Das twittert der britische Journalist Ronan Murphy. Der soll nicht nur gut vernetzt, sondern auch gewöhnlich gut informiert sein.

Quelle: ntv.de