Fußball

So läuft der 27. Spieltag Niemand hat die Absicht, Bayern zu krönen!

Der FC Bayern hat es tatsächlich mal nicht in der eigenen Hand: Ob die Münchener deutscher Fußballmeister werden, entscheiden - kein Spaß - andere. Zumindest an diesem 27. Bundesliga-Spieltag. Beim HSV gibt's den nächsten Personalwahnsinn.

Wann wird der FC Bayern Deutscher Meister?

Moment, wir sind überfordert. Nicht mit der Frage an sich. Wohl aber mit dem Subtext. Denn natürlich lässt es sich an diesem 27. Spieltag der Bundesliga nicht ohne Weiteres beantworten, wann der FC Bayern zum 27. Mal deutscher Fußballmeister wird. Denn die Münchener haben die Titel-Entscheidung nicht in der eigenen Hand. Zumindest noch nicht. Was die interessante Frage aufwirft: Wann hat es so etwas eigentlich zuletzt an einem 34. Spieltag gegeben? Puh. Wir ziehen Telefonjoker Ben Redelings, unseren Kolumnisten, unser Fußball-Wikipedia. Die zögerliche, aber nicht anzuzweifelnde Antwort: In der Saison 1999/2000, als Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen am letzten Spieltag nach einem Eigentor von Michael Ballack und einem Treffer von Markus Oberleitner mit 0:2 bei der SpVgg Unterhaching unterlag, während der FC Bayern um Doppelpacker Carsten Jancker die Bremer mit 3:1 besiegte - und Meister wurde.

Nun, zugegeben, der Vergleich ist ein wenig schräg. Aber immerhin richtig. Und was sollen wir Ihnen auch sonst in der spannungsbefreiten Liga über die Bayern erzählen? Dass sie nicht mehr über die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes reden wollen, es aber doch pausenlos tun? Dass sie am Mittwoch ein sportlich eher unnötiges Champions-League-Spiel bei Beşiktaş  gewonnen haben? Dass Sandro Wagner die Katze von Istanbul gefangen hätte, wenn sie ein Hund gewesen wäre? Und gegen wen der Klub nun im Viertelfinale der Königsklasse ran muss, wissen wir ja noch nicht (Auslosung ab 12 Uhr im Liveticker) Sehen'se, dann doch lieber schräge Vergleiche - und ein bisschen Meisterspannung. Und die könnte sich dramatisch prächtig entwickeln, nämlich so: Erst gewinnt der FC Schalke am Samstagabend nicht beim VfL Wolfsburg, dann lässt auch Borussia Dortmund am Sonntagmittag aus und abschließend schlagen die Münchener RB Leipzig (ab 18 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) - weil dann aber alles vorbei wäre und wir noch weniger über den FC Bayern zu schreiben hätten, tippen wir 3:1 für die Rasenballsportler, zumal RB-Keeper Peter Gulacsi so gar keine Lust auf eine Bayern-Krönung in Leipzig hat: "Es muss schon viel passieren, dass sie an diesem Wochenende Meister werden. Wir werden alles dafür tun, dass es nicht passiert."

Wer trainiert den BVB in der nächsten Saison?

Wenn es nach 115.995 Teilnehmern einer aktuellen "Kicker"-Umfrage geht, dann ist es nicht mehr Peter Stöger. Erst recht nicht nach dem blamablen Ausscheiden in der Europaliga beim FC Red Bull Salzburg. Sollten die Dortmunder der Empfehlung der Zweidrittel-Mehrheit (65,5 Prozent) folgen, wäre es arbeitsrechtlich eine saubere Nummer. Der Vertrag des Österreichers läuft zum 30. Juni aus. Das Argument gegen den Spielerfreund: Die Wankelmütigkeit der Mannschaft und der mitunter nur schwer verdauliche Fußball - so nennt es der "Kicker".

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Tja, und nun? Peter Stöger, ratlos in Salzburg.

(Foto: imago/Kirchner-Media)

Das Argument für den Spielerfreund: ein Schnitt von 2,09 Punkten aus seinen elf bisherigen Ligaspielen (sechs Siege, fünf Remis) und Platz drei in der Tabelle - das Minimalziel Königsklassen-Quali wäre damit gesichert. Tja, und nun? Voll das Dilemma - obwohl die Zeichen nun eher auf einen Abschied im Sommer hindeuten. Der erfolgreiche Euphoriefußball unter Jürgen Klopp hatte die Mannschaft und den Klub ermattet, das kontrollierte Erfolgsspektakel unter Thomas Tuchel wurde wegen atmosphärischer Spannung geopfert, den anfälligen Systemwahnsinn unter Peter Bosz hielt das Umfeld nicht aus und mit Peter Stögers nüchternem Ergebnisfußball wird auch niemand warm. Kommt also der nächste? Nun, der "Kicker" spekuliert über den Taktiker Lucien Favre vom OSC Lille (Vertrag bis 2019). Der aber soll auch beim FC Bayern auf der Liste stehen. Für den Fall, dass der Jein-Jupp irgendwann mal sagt, was er denn nach dem 30. Juni 2018 so plant. Ein anderer Kandidat ist Hoffenheims Julian Nagelsmann (Vertrag bis 2019). Ein Kandidat für wen genau? Na, für den BVB und freilich auch für den FCB. Und dann ist da noch das externe Interessenmonopol der Schwarzgelben an Huddersfields Ex-Borussen David Wagner (puh, auch er hat noch einen Vertrag bis 2019). Es ist aber auch kompliziert. Der Chronistenpflicht unser Vorschau geschuldet weisen wir wiederholt daraufhin: Der BVB spielt Sonntag um 13.30 Uhr gegen Hannover. Mit Stöger und mit, Obacht, einfach mal attraktivem Fußball, daher tippen wir: 4:1.

Nimmt Labbadias Rettungsmission endlich Fahrt auf?

Der Retter ist in schwieriger Mission unterwegs. Bruno Labbadia bespaßt seit drei Spieltagen mit dem VfL Wolfsburg erfolglos (erst ein Remis) eine Mannschaft, die eigentlich ziemlich gut kicken müsste. Denn beim Tabellen-15. stehen Leute wie Daniel Didavi, Yunus Malli oder U21-Europameister Maximilian Arnold unter Vertrag, die dem Ball mit sehr viel Liebe begegnen. Nun sind kreative Ballstreichler für den Abstiegskampf in der Regel so notwendig, wie Abrissunternehmer für den Wiederaufbau. "Unsere Situation", sagt Labbadia daher, "ist sehr speziell." Das gilt auch für den nächsten Gegner. Der ist am Samstagabend (18.30 Uhr) der Tabellenzweite, der FC Schalke 04. Eine fußballerisch durchaus begabte Malochertruppe mit aber großer Leidenschaft für den eher unattraktiven Dreipunkter. Und mit einer lässigen Immunität gegen Ästhetik-Meckerer. "Die Kritik, dass wir unansehnlichen Fußball spielen, trifft uns nicht. Es war in Mainz (Anmerk. d. Red.: letzter Spieltag) kein Spektakel. Umso schöner ist es, dass das Team in puncto Siegeswille und Körperhaltung voll da ist", sagt Coach Domenico Tedesco. Unser Tipp: Verzweifelte Zauberer unterliegen malochenden Anti-Ästheten mit 0:1.

Wer spielt für den Hamburger SV?

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Das ist Herr Titz.

(Foto: imago/Revierfoto)

Nun, klar es ist nur eins: Es werden gegen die Hertha aus Berlin am Samstag ab 15.30 Uhr nicht wieder die elf Fußballer sein, die vergangene Woche einmal mehr vom FC Bayern tüchtig vermöbelt worden waren. Es stehen aktuell 24 Feldspieler und vier Torhüter zum Casting bereit - fünf wurden bereits vor dem Abschlusstraining gestrichen. Wir stellen die Kandidaten vor, die sich derzeit für die erste Live-Show von Coach Christian Titz bewerben:

Tor: Christian Mathenia, Julian Pollersbeck, Andreas Hirzel, Tom Mickel.
Abwehr: Dennis Diekmeier, Rick van Drongelen, Mergim Mavraj, Kyriakos Papadopoulos, Douglas Santos, Gotoku Sakai, Gideon Jung, Jonas Behounek, Stephan Ambrosius, Young-Jae Seo.
Mittelfeld: Lewis Holtby, Walace, Aaron Hunt, Vasilje Janjicic, Filip Kostic, Bakery Jatta, Sejad Salihovic, Tatsuya Ito, Matti Steinmann.
Sturm: Jann-Fiete Arp, Bobby Wood, André Hahn, Gian-Luca Waldschmidt, Sven Schipplock.

Wer's nun wird? Wir wissen es nicht, nehmen aber per E-Mail unter sporttag@nama.de gerne Tipps entgegen. Das beste Orakel bekommt eine lobende Erwähnung. Die hat Titz nach fünf intensiven Trainingsheiten übrigens auch bereits für seine Mannschaft parat: "Ich habe einen guten Eindruck von der Mannschaft und gehe mit einem guten Gefühl in die Partie." Wir nicht, daher 0:1 (Wichtige Ergänzung: Bei Tipps mit Hertha-Beteiligung liegen wir IMMER daneben)

Was ist sonst noch so los?

SC Freiburg - VfB Stuttgart (Freitag, 20.30 Uhr): Seit sieben Wochen ist Tayfun Korkut Trainer des VfB Stuttgart. Und entgegen aller teilweise schmacklos geäußerten Befürchtungen, dass seine Verpflichtung des Ende des Traditionsklubs bedeute, hat der 43-Jährige den wackligen Aufsteiger auf Rang drei der Rückrundentabelle geführt - und damit nah an den Klassenverbleib. Das Duell in der Hinrunde (3:0) war übrigens eines der besten Spiele des VfB in dieser Saison - und eines der schlechtesten der Freiburger. "Im fußballerischen Sinne war das an Frustration nicht mehr zu überbieten", erinnert sich Trainer Christian Streich. Diesmal gibt's keine Schwaben-Depression, sondern zäh erbeutete Klassenkampf-Zähler. Tipp: 1:0.

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Läuft nicht mehr.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Borussia Mönchengladbach - TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr): Die schlechteste Mannschaft der Rückrunde ist der HSV. Die zweitschlechteste der VfL Wolfsburg. Und dann kommt schon Borussia Mönchengladbach, das in der Hinserie noch Vierter war - und vom Europapokal träumte. Ganz aufgewacht sind sie am Niederrhein trotz Platz neun noch nicht. Aber für den Fortgang aller Hoffnungen braucht's gegen Hoffenheim (7.) sicher einen Sieg. Der wird freilich gewohnt vergütet, vermutet zumindest Gäste-Coach Julian Nagelsmann: "Natürlich können wir mit einem Sieg ein bisschen Abstand herstellen und unseren Platz festigen. Aber trotz eines Sieges werden wir dafür wahrscheinlich keine sechs Punkte kriegen." Unser Tipp: 1:1

Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr): Keine Bundesliga-Vorschau ohne eine knackige Ausgerechnet-Geschichte! Und daher so: Ausgerechnet im Rhein-Main-Derby kassierten die Frankfurter am 27. November 2012 mit einem 1:3 die erste Heim-Niederlage seit ihrem Wiederaufstieg. Das blieb auch ihre einzige Pleite zu Hause gegen Mainz. Alles bleibt wie es ist, unser Tipp: 3:0.

FC Augsburg - Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr): Sieben Punkte aus drei Spielen, fünf Punkte Polster auf den Relegationsrang, läuft beim SV Werder. Noch. "Die Situation ist trügerisch", sagt Coach Florian Kohfeldt. Das ist nicht falsch. Denn zu den Gegnern bis zum Saisonende gehören aber unter anderem RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Also fordert der Werder-Trainer "Wir wollen auf jeden Fall mit einem Erfolgserlebnis in die Länderspielpause gehen." Unser Tipp: Klappt nicht, 2:1.

1. FC Köln - Bayer 04 Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr): Wenn jemand etwas zu diesem Spiel sagen kann, ja sagen muss, dann ist es Ex-FC-, Ex-Bayer-Trainer Christoph Daum. Im Interview mit dem Bezahlsender Sky sagt er über...
... die Kölner: " Ich befürchte, dass am Ende die Tordifferenz den Ausschlag gibt und der 1. FC Köln den Relegationsplatz knapp verpassen wird. Aber das Synonym für Realismus in Köln heißt Optimismus bzw. Hoffnung. So lange es rechnerisch möglich ist, stehen die Fans wie eine Wand hinter dem 1. FC Köln, um den Klassenerhalt zu schaffen.
... die Leverkusener: "Wir sehen hier klar und deutlich: die Hausaufgaben wurden hervorragend gemacht, die richtigen Personalentscheidungen getroffen. Sowohl im Spieler- als auch im Führungsbereich." Wir folgen dem Fußball-Fachmann uneingeschränkt. Unser Tipp: Ähmmmm..., dazu hat Daum nix gesagt, wir dann auch nicht.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Da müssen Sie Müller-Wohlfahrt fragen, meinen Kollegen. Ich bin Internist, er ist Orthopäde. Er kennt sich da besser aus." Das sagte Bayerns Stürmer Sandro Wagner über Thiago, der im Champions-League-Spiel bei Beşiktaş verletzt raus musste.

Quelle: ntv.de