Fußball

Sechs Lehren des 31. Spieltags Schalke braucht 393 Sekunden bis zur Krise

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Ach Klaas-Jan Huntelaar, ach Schalke ...

(Foto: imago/Moritz Müller)

Bayerns Trainer Josep Guardiola entschuldigt sich bei einem seiner Spieler. Dortmund ist nervös, aber nur wegen Mats Hummels. Die Schalker verstehen die Welt nicht mehr und Hannover feiert seine Absteiger.

1. Der FC Bayern konzentriert sich auf große Spiele

Bei den Münchnern ist es ja so: Wer in einem nicht ganz so wichtigen Spiel in der Startelf steht, der kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er bei der nächsten, etwas wichtigeren Partie wieder auf der Bank sitzt. Will meinen: Das Team, das an diesem 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga mit 2:0 bei der Berliner Hertha gewonnen hat, wird definitiv nicht das sein, das am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in Madrid zum Hinspiel im Halbfinale der Champions League bei Atlético antritt.

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Josep Guardiola über Serdar Tasci: "Er hat Wahnsinn gespielt."

(Foto: dpa)

Serdar Tasci zum Beispiel wird nicht dabei sein, dafür spricht schon das Lob, das Trainer Josep Guardiola ihm zollte. "Tasci hat mir heute gezeigt, wie unfair ich zu ihm war. Er hat Wahnsinn gespielt. Es ist nicht einfach, wenn du monatelang keine Minute gespielt hast. Großes Kompliment." Der FC Bayern hatte sich den Innenverteidiger in einem leichten Anflug von Panik am letzten Tag der Wintertransferperiode nach der Verletzung Jérôme Boatengs von Spartak Moskau ausgeliehen. Tasci stand in seinem zweiten Bundesligaspiel für die Bayern erstmals über 90 Minuten auf dem Platz und machte seine Sache im Olympiastadion tatsächlich gut. Dennoch: Die Aufstellung der Bayern in Berlin deutete auf ein gewisses Maß an Schonung, Kapitän Philipp Lahm durfte gar zu Hause bleiben. Franck Ribéry, Javier Martínez, Xabi Alonso, David Alaba und Kingsley Coman saßen auf der Bank. Was zählt, ist halt Madrid, bevor sie am Samstag im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach ihre vierte Meisterschaft in Folge einfahren und damit für einen Liga-Rekord sorgen. Bleibt die Frage, wie gut die Münchner für die Königsklasse gerüstet sind, die spielerische Leichtigkeit jedenfalls ging ihnen in den vergangenen Wochen ab. Im Grunde ist es so, wie es Angreifer Thomas Müller sagte: "Wir müssen die großen Spiele gewinnen, dann haben wir die Form gefunden."

2. Der BVB bewältigt spielend sein Trauma

Falls jemand wissen will, wie eine Fußballballmannschaft ein Trauma spielend bewältigen kann, der muss auf die Dortmunder Borussia schauen. Nach dem dramatischen Europaliga-Aus beim FC Liverpool scheint das Team von Trainer Thomas Tuchel ein denkbar simples Therapiekonzept gefunden zu haben: Der BVB gewinnt einfach all seine Spiele mit 3:0. So taten sie es in der Liga gegen den Hamburger SV, im Halbfinale des DFB-Pokals bei der Berliner Hertha und nun am Samstag wieder in der Liga beim VfB Stuttgart.

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Einzig die Personalie Mats Hummels trübt die Stimmung beim BVB.

(Foto: imago/Michael Weber)

Damit verschafften sie sich selbst bessere Laune und sorgten dafür, dass auch drei Spieltage vor dem Ende der Saison noch immer nicht definitiv feststeht, dass der FC Bayern deutscher Meister wird. Für Unruhe sorgt da allenfalls, dass die Münchner sich angeblich massiv um Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels bemühen. Ganz so einfach ist es aber nicht. Sportdirektor Michael Zorc räumte ein, dass der 3:4-Schock von der Anfield Road immer noch schmerze. "Doch das hindert uns nicht, die richtigen Schlüsse zu ziehen." Und Verteidiger Matthias Ginter sagte: "Darüber wird man in zehn Jahren noch sprechen." Aber sie haben halt nicht allzu lange mit sich und dem Schicksal gehadert, wie Trainer Tuchel berichtete: "So etwas gehört im Sport dazu und ist dafür da, daran zu wachsen. Das ist fast jeder Mannschaft schon passiert." Der BVB jedenfalls hat seinen Weg gefunden.

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3. Herrje, diese Schalker!

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War's das für André Breitenreiter?

(Foto: imago/Moritz Müller)

So, da haben wir sie, die 31. Saisonkrise beim FC Schalke 04. Und warum haben wir sie? Tja, wegen der 393 Sekunden, in denen Leverkusen "wie ein ICE über Schalke hinwegrauschte", wie es Bayers Julian Brandt formulierte. In diesen sechseinhalb Minuten verspielten die Königsblauen am Samstagabend alles, was sie sich zuvor aufgebaut hatten. Und das war erstaunlich viel: nicht weniger als die beste erste Halbzeit der Spielzeit 2015/2016 und ein 2:0-Vorsprung gegen ziemlich überforderte Gäste. Da ein Spiel aber - fünf Euro ins Phrasenschwein - 90 Minuten hat, reden wir heute über die nächste Krise in Gelsenkirchen. Mit 2:3 ging das Spiel aus Sicht der Schalker noch in die Binsen. Das ist nicht nur blöd, weil Champions-League-Platz drei (siehe Tabelle unten) damit sehr, sehr, sehr wahrscheinlich nicht mehr zu erreichen ist, sondern vor allem weil die Stimmung im Pott jetzt so richtig schlecht ist, nachzulesen in einschlägigen Internetforen. Aber in die Wut über (Zitate aus den Foren) "stümperhafte", "therapiebedürftige", "blutleere Luftpumpen" auf dem Rasen mischt sich etwas ganz Gefährliches, nämlich Hilflosigkeit. Denn der totale Einbruch nach der Pause mit drei Gegentoren innerhalb von sechseinhalb Minuten war für alle Beteiligten und Unbeteiligten unerklärlich. "Es ist erschreckend und zugleich schon fast eine Kunst, dieses Spiel nach einer 2:0-Führung noch verdient zu verlieren", erklärte Sky-Experte Dietmar Hamann. Was also bleibt? Nichts, außer der ewigen Nachfolgerdiskussion um Trainer André Breitenreiter. Und in der bringt User huntermike einen neuen Kandidaten ins Spiel: das japanische Ruhrpott-Rauhbein Ja Watnu (Achtung, Ironie). Ach Schalke …

4. Herrlich, diese Hannoveraner!

So, Haken dran: Hannover 96 kickt in der Spielzeit 2016/2017 in der zweiten Fußball-Bundesliga. Diese Nachricht haben wir bereits am Sonntag verbreitet, was für Verwirrung bei einigen Usern sorgte. Denn die merkten kritisch an: Hannover hat neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, kann aber noch neun Punkte holen. Folglich: Relegationsplatz rechnerisch noch möglich. Stimmt so nicht ganz, weil mit Frankfurt und Bremen die beiden derzeit heißesten Anwärter auf Rang 16 am 34. Spieltag gegeneinander spielen und sich die Punkte nehmen, die Hannover am Ende fehlen würden. Also: Hannover ist weg, verabschieden wollen wir die 96er aber nicht, ohne Trainer Daniel Stendel und die Fans zu würdigen. In den drei Spielen unter dem Bundesliga-Novizen gelangen den Niedersachsen ein Sieg sowie zwei Unentschieden, "das Gesamtbild ist ein ganz anderes", betonte Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler nach dem 2:2 beim FC Ingolstadt, "wir sind eine Einheit, wir spielen mutig, mit mehr Selbstvertrauen." Nur: "Leider zu spät. Aber besser spät als nie." Offensichtlich ist Daniel Stendel aus Frankfurt/Oder, dritter Trainer der Saison, die Lösung, nach der 96 lange gesucht hat. Nur eingefallen ist sie den Verantwortlichen nicht rechtzeitig: Weil eben die Eintracht aus Frankfurt/Main am Sonntag gegen Mainz gewann und damit eben absteigt. Aber wie auch immer, die lange Zeit wütenden und enttäuschten Fans haben ihren Frieden mit der Mannschaft gemacht. Am Samstag sangen sie voller Stolz: "Immer wieder, immer wieder, immer wieder HSV, scheißegal, in welcher Liga, immer wieder HSV."

5. Apropos HSV: Hamburg verspielt die Triple-Chance …

… zumindest gehen wir davon aus. Der emotionale Sieg im emotionalen Nordderby bringt die Mannschaft von Bruno Labbadia sechs Punkte weit weg vom Relegationsrang, den die Hamburger in den vergangenen beiden Spielzeiten für sich beanspruchten. Nun also sieht alles nach einem pünktlichen Saisonende für den HSV aus. Und das liegt vornehmlich an Pierre-Michel Lasogga. Der erlöste sich nach 666 teuflischen Torlos-Minuten direkt mit einem Tor-Doppelpack. Und genauso war's mit dem Coach vorher besprochen worden: "Vor dem Spiel hat der Trainer mich beiseitegenommen und mir gesagt, dass ich ein Spieler bin, der Emotionen braucht und er das Nordderby daher für mein Spiel hält." Neben Lasogga hatte das Bundesliga-Urgestein gegen Bremen (2:1) noch einen weiteren Triple-Verhinderungsgaranten auf dem Rasen, den Ex-Bochumer Jaroslav Drobny. Der Keeper parierte neun von zehn Schüssen auf sein Tor, darunter einen Elfmeter von Claudio Pizarro. Trainer Labbadia fand das so super, dass er den "Drobo" als "abgewichsten Hund" abfeierte. Was der Gelobte leider nicht verstand. Wir klären daher gerne auf: Also, Herr Drobny, ein abgewichster Hund ist  ein Mensch, der immer die Ruhe behält. In Bochum hätten'se gesagt: Ker, wat'n Schnapper.

6. Mönchengladbach will nun doch

Lange Zeit schien es fast so, als hätten die Borussen aus Mönchengladbach schlichtweg keine Lust auf die Champions League – zumindest gemessen daran, wie sie sich auf des Gegners Platz präsentierten. Von den jüngsten acht Auswärtspartien verloren sie sieben, einmal erreichten sie immerhin ein Remis. Der bisher letzte Auswärtssieg liegt länger als ein halbes Jahr zurück und datiert vom 31. Oktober 2015. Seinerzeit gewann die Elf von Trainer André Schubert mit 4:1 in Berlin. Wie gut für die Gladbacher, dass sie zwischendurch im Borussia-Park spielen dürfen - so wie am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim. Nach dem 3:1 haben sie die Teilnahme an der Europaliga so gut wie sicher, nun darf es ruhig noch ein bisschen mehr sein. Das sagt ein bestens gelaunter Kapitän Granit Xhaka: "Das erste Ziel ist geschafft. Jetzt kommt das zweite Ziel, die Champions League. Da wollen wir hin." Ein Punkt beträgt der Rückstand drei Spieltage vor Saisonende auf Hertha BSC, mithin auf die Mannschaft, die als Tabellenvierte noch den Qualifikationsplatz für die Königsklasse hält. "Wir stehen wunderbar da und haben jetzt noch drei Spiele, um das Ding zu veredeln", sagte Sportdirektor Max Eberl nach Gladbachs sechsten Heimsieg in Serie. Das Problem allerdings ist: Am Samstag spielt die Borussia wieder auswärts - beim FC Bayern in München.

Quelle: ntv.de

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