Fußball

Nächster Schritt gegen Russland UEFA will Geldgeber Gazprom loswerden

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Cristiano Ronaldo wird man womöglich nie wieder vor einer Gazprom-Werbebande sehen.

(Foto: imago images/AFLO)

Seit 2012 ist der russische Staatskonzern Gazprom einer der wichtigsten Partner der UEFA. Erst im vergangenen Jahr wird die Partnerschaft von der Champions League auf weitere Turniere, unter anderem die EM 2024 in Deutschland, ausgedehnt. Jetzt steht die UEFA vor der Trennung von einem der wichtigsten Geldgeber.

Die Europäische Fußball-Union UEFA wird laut übereinstimmenden Medienberichten aus England die seit 2012 laufende Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Gazprom beenden. Der Gasgigant war fester Bestandteil des Fußballzirkus in Europa. Er trat seit 2012 als Sponsor der UEFA Champions League auf. Im vergangenen Jahr war die Partnerschaft unter anderem auch auf die EM 2024 in Deutschland ausgeweitet worden. Den Berichten zufolge hat Gazprom jährlich zwischen 40 und 48 Millionen Euro an die UEFA überwiesen.

Am Ende eines ereignisreichen Tages im Sport steht nun also auch die Trennung von Gazprom an. Vorher hatte die UEFA Russland bereits das Champions-League-Finale entzogen. Diese Entscheidung fällte das Exekutivkomitee der UEFA bei einer Krisensitzung aufgrund der russischen Invasion in die Ukraine. Am Rande dieser Sitzung habe man sich auch auf die Auflösung des Deals mit Gazprom geeinigt, heißt es in dem Bericht. Demnach sollen beim nächsten Spieltag der Champions League am 8. März keine Werbebanden mehr mit der Aufschrift Gazprom zu sehen sein.

Das Champions-League-Finale, das weltweit größte Spiel im Vereinsfußball, wird am 28. Mai 2022 somit nicht in der Gazprom-Arena in Wladimir Putins Heimatstadt St. Petersburg, sondern im Stade De France in Paris ausgetragen. "Wir glauben, dass die Entscheidung, das Finale der Champions League zu verlegen, von politischen Gründen diktiert ist. Der (Verband) RFS hält sich immer an das Prinzip, den Sport aus der Politik herauszuhalten und kann diese Entscheidung deshalb nicht unterstützen", sagte der Präsident des russischen Fußball-Verbands und Vorstandschef von Gazprom Neft, Alexander Djukow, im Anschluss. Gazprom Neft steht auf der Sanktionsliste der USA.

Der 54-jährige Djukow sitzt momentan noch in dem UEFA-Gremium. Sein Verbleib in diesem erscheint aufgrund der aktuellen Entwicklungen und angesichts der US-Sanktionen mittlerweile als sehr fraglich. Weniger angefasst von der Entscheidung zeigte man sich im Kreml. Die russische Nachrichtenagentur "Tass" zitierte Putin-Sprecher Dmitiri Peskow mit den nüchternen Worten: "Es ist natürlich schade, dass diese Entscheidung getroffen wurde."

FIFA reagiert noch nicht

Zudem hatte die UEFA entschieden, dass russische und ukrainische Klubs in den laufenden Europacup-Wettbewerben ihre Heimspiele auf neutralem Boden ausrichten müssen. Das letzte verbliebene russische Team, Spartak Moskau, wurde kurze Zeit später in der Europa League gegen den deutschen Vertreter RB Leipzig gelost. Es ist noch vollkommen offen, wo das Rückspiel am 17. März 2022 ausgetragen werden wird. Der Umzug auf neutralen Boden gilt auch für die Nationalmannschaften der beiden Länder in der Nations League ab diesem Sommer. Die im März anstehenden Playoffs in der Qualifikation für die WM in Katar dagegen sind FIFA-Wettbewerbe und im Zuständigkeitsbereich des Weltverbandes. FIFA-Präsident Gianni Infantino ging in einer ersten Einschätzung am gestrigen Donnerstag nicht davon aus, dass der Krieg um die Ukraine am 24. März noch andauern werde. An diesem Tag soll Russland in Moskau Polen zu einem Playoff-Spiel im Rahmen der Qualifikation für die umstrittene Winter-Weltmeisterschaft in Katar empfangen.

Die Fußballverbände aus Polen, Schweden und Tschechien haben ihre Weigerung zur Austragung der WM-Playoffs Ende März in Russland angekündigt. "Die Unterzeichner dieses Appells ziehen es nicht in Betracht, nach Russland zu reisen und dort Fußballspiele zu spielen", steht in einem Brief an die Generalsekretärin des Weltverbands FIFA, Fatma Samoura, den der polnische Verband bei Twitter veröffentlichte. In den europäischen Playoffs zur WM-Endrunde in Katar (21. November bis 18. Dezember) werden Ende März drei Tickets vergeben. In einem Halbfinal-Weg soll Polen mit Bundesliga-Starstürmer Robert Lewandowski am 24. März in Russland antreten. Kämen die Russen in das Finale, wären dort am 29. März Schweden oder Tschechien der Gegner. Sie hätten dann erneut Heimrecht. Die Ukraine spielt in ihrem Halbfinale am 24. März in Schottland.

Weitere Konsequenzen für Russland

Gazprom hatte in den vergangenen Tagen mit der deutschen Tochter Gazprom Germania bei Fußball-Zweitligist FC Schalke 04 für Wirbel gesorgt. Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet wird seit 2007 von dem russischen Staatsunternehmen gesponsort, wird jedoch als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine an diesem Wochenende ohne den Namen des Unternehmens auf der Brust zum Spiel beim Karlsruher SC antreten. Stattdessen wird der Schriftzug "Schalke 04" auf dem Trikot zu sehen. Der hochverschuldete Klub arbeitet aktuell an Alternativszenarien zur Beendigung der Partnerschaft, die den Königsblauen in der 2. Bundesliga rund 10 Millionen Euro pro Jahr einbringt. Vorher hatte bereits Alexander Warnig den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 verlassen. Der 66-Jährige war im Juli 2019 vom russischen Hauptsponsor der Königsblauen als kooptiertes Mitglied in den Aufsichtsrat entsandt worden. Der gebürtige Lausitzer Warnig ist CEO der Nord Stream 2 AG und gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

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Auch der englische Rekordmeister Manchester United zog am Freitag die Konsequenzen aus dem russischen Einmarsch und trennte sich von der staatlichen russischen Airline Aeroflot. Der Vertrag, der noch bis 2023 lief, brachte dem Premier-League-Klub jährliche Einnahmen von rund 36 Millionen Euro.

Ebenfalls am Freitag strich die Motorsportserie Formel 1 den für den 25. September angesetzten Grand Prix in Sotschi aus dem Kalender. "Formel 1, [Motorsport-Weltverband, Anm.d.Red.] FIA und die Rennställe haben sich besprochen und beschlossen, dass es unmöglich ist, den Großen Preis von Russland unter den aktuellen Voraussetzungen auszutragen", hieß es in einem offiziellen Statement. Sotschi war seit 2014, dem Jahr der Annexion der Krim, Dauergast im Rennkalender. Sotschi-Veranstalter Rosgoski schrieb derweil etwas überraschend an diejenigen, die bereits Tickets erworben hatten: "Die gekauften Eintrittskarten werden nicht storniert - es besteht keine Notwendigkeit, eine Rückerstattung zu beantragen, da es immer noch möglich ist, dass die Runde stattfindet und wie geplant abgehalten wird."

Quelle: ntv.de, sue

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