Fußball

"Protagonist" im Duell mit Nübel Und schon wieder wird Neuer vehement

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Manuel Neuer untermauert in Katar seine Ansprüche als unumstrittene Nummer eins beim FC Bayern.

(Foto: imago images/MIS)

Der FC Bayern möchte Alexander Nübel in der nächsten Saison als Nachfolger von Manuel Neuer aufbauen. Der Stammkeeper der Münchner hat grundsätzlich nichts gegen den Plan. Nur eine Sache missfällt dem 33-Jährigen: Auf Spielzeit zugunsten des Talents will er nicht verzichten.

Bis zu 15 Spiele soll Alexander Nübel in der kommenden Saison für den Fußball-Bundesligisten FC Bayern machen. Das sollen die Münchner dem jungen Schalker Torwart versprochen haben. Ab dem 1. Juli, wenn die neue Spielzeit offiziell beginnt, wird der 23-Jährige als Nachfolger des ehemaligen Schalkers Manuel Neuer aufgebaut. Der Kapitän des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft soll laut "Sport Bild" bereits sein "Okay" für die anteilige Spielpraxis des Neuzugangs gegeben haben. Oder auch nicht? In Katar, wo sich der Verein auf die Rückrunde vorbereitet, sagt Neuer zum künftigen Duell mit Nübel nämlich: "Ich bin Sportler, ich bin Profi. Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und möchte immer spielen."

Und er sagt auch, etwas irritiert und offenbar arg verärgert: "Über Gespräche hinter verschlossenen Türen - und wenn Brazzo (Anmerk. d. Red.: Sportdirektor Hasan Salihamidzic) und ich nur alleine saßen - sollte man nichts sagen. Bei mir kommt nichts raus. Alle anderen sollen machen, was sie wollen." Aktuell sei es aber so, dass man noch "nicht darüber gesprochen hat, wer welche Spiele bekommt". In dieser Saison hat Neuer bislang alle 26 Partien der Münchner gespielt. Er stand die gesamten 2340 Spielminuten im Tor.

Zum bereits zweiten Mal binnen vier Monaten setzt der 33-Jährige nun ein klares Statement gegen einen ambitionierten Herausforderer. Mitte September war der offene oder nicht ganz so offene Kampf um den Stammplatz im Tor der DFB-Elf kurzfristig eskaliert, nachdem Barcelonas Marc-André ter Stegen seine Unzufriedenheit über die Reservistenrolle öffentlich und deutlich geäußert hatte. Wie schon für ihn findet Neuer auch nun für Nübel ein eher relativierendes Lob mit klarer Macht-Ansage: "Er ist ein Top-Torwart, dem vielleicht auch irgendwann die Zukunft gehört." Mehr Konjunktiv geht nicht. Mehr Anspruch auf Erhalt des eigenen Stammplatzes auch nicht. Und das nicht bloß kurzfristig. Denn Neuer denkt darüber nach, seinen 2021 auslaufenden Vertrag beim FC Bayern um weitere zwei Jahre zu verlängern.

Neuer hätte es nicht wie Nübel gemacht

Neben der Qualität des Kaders ist für Neuer die Frage wer die Münchner kommende Saison trainiert ein wesentlicher Faktor. Diese Frage ist bislang unbeantwortet. Womöglich bleibt es Hansi Flick, dessen Rolle als Chef aber zunächst nur bis zum Ende der Spielzeit definiert ist. Ein längerer Verbleib des 54-Jährigen sei für den FC Bayern indes "ausdrücklich eine gut vorstellbare Option". Auch für Neuer, der Spaß an der Zusammenarbeit hat. "Für mich ist erst mal wichtig, wie der Weg weitergeht, auch mit Hansi Flick. Es ist für mich natürlich auch ausschlaggebend, wer langfristig Trainer sein wird."

Bei Flick müsste Neuer sich nicht um seinen Status sorgen. In Katar sagte er: "Manuel ist für mich der weltbeste Torhüter. Von daher wird Bayern schon alles daran setzen, dass man ihn weiterverpflichtet." Neuer will das ebenfalls. 2021 ist nämlich keine "Deadline" für seine Karriere: "Ich bin als ältester Spieler der Mannschaft sehr hungrig und motiviert." Er wolle so lange im Tor stehen, "wie ich mich gut fühle, Leistung zeigen kann, mir Fußball spielen Spaß macht, ich gebraucht werde und das Gefühl habe, dass es wichtig ist, dass ich auf dem Platz stehe und das Team mich braucht." Nübels Verpflichtung spiele für seine Zukunftspläne in München übrigens keine Rolle. "Unerheblich" sei das, so Neuer. Zu Nübels Entscheidung, nicht wie er selbst im Sommer 2011 als die klare Nummer eins zu wechseln, hat er ebenfalls eine klare Meinung: "Ich hätte es wahrscheinlich nicht so gemacht."

Nübel blickt derweil auch auf Schalke einer ungewissen, wenn auch nur kurzfristigen, Zukunft entgegen. Denn sein Platz als Nummer eins wackelt. Den Status als Kapitän hat er nach Bekanntgabe des Wechsels bereits verloren, bei den Fans ist er ohnehin unten durch und als Stammkraft nicht mehr vermittelbar. Und sein Vertreter, U21-Nationalkeeper Markus Schubert, hat seine Einsätze - Nübel war nach einem brutalen Foul an Frankfurts Mijat Gacinovic für vier Spiele gesperrt worden - durchaus gewinnbringend genutzt. So lobt Trainer David Wagner: "Schubi hat zweieinhalb Spiele sehr gut gehalten. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass er die nächsten zwei Spiele genauso gut hält." Womöglich hat sich Nübel in eine Sackgasse bugsiert. Beim FC Schalke. Und auch beim FC Bayern.

Apropos Trainingslager in Katar: Jedes Jahr wischt der FC Bayern die Kritik an der Partnerschaft mit dem Unrechtsstaat weg und steckt sich die Emirat-Millionen in die Tasche. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge glaubt sogar, er und sein Klub würden dadurch die Menschenrechtslage in Katar verbessern - und macht damit alles noch schlimmer. Den Kommentar des Kollegen David Bedürftig finden sie hier.

Quelle: ntv.de