Fußball

Die Lehren des 25. Spieltags Vielen Dank, Herr Löw!

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Bundestrainer Joachim Löw mag in der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr mit Thomas Müller zusammenarbeiten. Thomas Müller hat dafür kein Verständnis - und hat das gegen den VfL Wolfsburg sportlich untermauert.

(Foto: www.imago-images.de)

Jaja, es kann wohl keiner mehr hören, aber es ist halt so: Der FC Bayern entlädt seinen Löw-Zorn und ist nach diesem 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga wieder Tabellenführer. Der BVB erfreut sich derweil an neuer Rolle. Bei RB Leipzig wundert sich ein Spieler über die Aufstellung.

1. Der FC Bayern muss Joachim Löw wohl dankbar sein

So, nun haben sie fast alle ihren Senf zum nationalen Ruhestand der Münchner Weltmeister Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller aus der Tube gedrückt. Sogar der Kaiser. Über seinen Hauptkommunikationskanal, die "Bild"-Zeitung, ließ Franz Beckenbauer ausrichten: "Ich hätte es wohl anders gemacht, menschlicher!" Nun steht nur noch ein Statement aus. Das von Uli Hoeneß. Und das soll nach Mittwoch kommen, nachdem der FC Bayern (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de)  in der Champions League gegen den FC Liverpool sein Rückspiel im Achtelfinale gespielt hat. Womöglich kommt da noch ein richtiges, verbales Pfund. Womöglich gibt sich der Präsident des FC Bayern aber gnädig.

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Thomas Müller wie er tanzt, wie er singt, wie er lacht.

(Foto: www.imago-images.de)

Denn die sportlich in dieser Saison eher unauffällig agierenden Ex-Nationalspieler wuchteten ihren Frust an diesem 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga in eine ziemlich beeindruckende 6:0 (2:0)-Gala gegen den armen VfL Wolfsburg um. Und die so wieder hervor gekitzelte Klasse - für das ausgerufene Maß "Weltklasse" war der Gegner viel zu schlecht - kommt ja nicht zur schlechtesten Zeit: Denn nun, wo es um die ein oder andere Silberware geht, finden vor allem Müller und Boateng zu einer Form zurück, die Titel, vorerst aber mal die Tabellenführung im Haupterwerbswettbewerb möglich macht.

Einen länderspielwürdigen Spieltrieb entdeckten die dpa-Reporter Klaus Bergmann und Christian Kunz gar bei Müller. Der 29 Jahre alte Offensivspieler traf zum 4:0 und bereitete das erste Tor mit viel Übersicht vor. Die 30 Jahre alten Boateng und Hummels strahlten im von den VfL-Spielern nicht besonders hoch frequentierten bayrischen Abwehrzentrum große Souveränität aus. "Die Art und Weise, wie sie es umgesetzt haben in positive Energie, das spricht für sie als Spieler, Menschen und Charaktere", lobte Niko Kovac, der das Trotz-Trio entgegen sonstiger Gewohnheiten gemeinsam in die Startelf beförderte. Eine wirklich sehr schöne Geste des Zusammenhalts, die den Trainer aber gleichermaßen unter einen nationalen Druck stellt: Setzt er in den wichtigen Spielen weiter regelmäßig auf die Nationalspieler a.D., oder rotiert er das seit dem Rotationsende im Dezember festgespielte Stammpersonal zurück in die Silberwaren-Schlüsselspiele? Widerlegt er Löw? Oder gibt er ihm sportlich recht, ohne ihm moralisch zuzustimmen? Nun, wir erinnern uns kurz: Zur neuen Saison hat der FC Bayern bereits Benjamin Pavard (Hauptposition Innenverteidiger, VfB Stuttgart) verpflichtet. An Lucas François Bernard Hernández (Hauptposition Innenverteidiger, Atlético Madrid) und Matthijs de Ligt (Hauptposition Innenverteidiger, Ajax Amsterdam) besteht zumindest ein hartnäckiges Interesse. Was das für die Herren Hummels und Boateng in München bedeutet? Nun, wir bleiben dran.

2. Der BVB erfreut sich an neuer Rolle

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Im Kampf um die deutsche Meisterschaft ist alles offen - sagt Marco Reus. Das ist durchaus richtig."

(Foto: www.imago-images.de)

Man kennt das ja: Wenn man immer unter dem Stress steht, sich beweisen zu müssen, dann macht einen das fertig. Und so ist es schon schön, wenn der Stress endet - selbst wenn das mit dem Gefühl einhergeht, es irgendwie verbockt zu haben. So jedenfalls könnte es sich beim BVB anfühlen - neun Punkte Vorsprung auf den FC Bayern wurden schneller verspielt als ein Eis in der Wüste schmilzt und selbst das in München verlachte Torverhältnis schmeichelt gerade nur dem Rekordmeister. Aber in Wahrheit ist es ganz anders: Der Verlust der Tabellenführung trotz des mit alten Reviertugenden im Dortmunder Stadion mühsam malochten 3:1 (0:0)-Erfolgs gegen den VfB Stuttgart sorgte für eine emotionale Gemengelage zwischen totaler Gleichgültigkeit bei Marco Reus und kollektivem Glück bei Axel Witsel (er sprach für Mehrere). Die Erleichterung soll aber bitte niemand falsch verstehen: Nur weil's Kapitän Reus im Moment "wurscht" ist wer oben steht, stellt er deshalb nicht direkt die Meisterschaftsansprüche zur Entsorgung an den Straßenrand. "Entscheidend ist, wer am Ende Erster ist. Und da ist alles offen."

3. Der FC Schalke 04 gewährt Tedesco zwei Hammer-Endspiele

Nun gut, die Mannschaft des SV Werder Bremen kann wirklich sehr schönen Fußball spielen. Das haben sie am Freitagabend einmal mehr gezeigt - zumindest phasenweise. Maximilian Eggestein deutete beim 4:2-Erfolg gegen den FC Schalke 04 in mindestens zwei Szenen bemerkenswert an, warum er in Zukunft Nationalspieler wird. Max Kruse bewies über 91 Minuten, warum er völlig zu Recht mal Nationalspieler war. Und Milot Rashica zeigte eindrucksvoll auf, warum er Nationalspieler ist (allerdings kosovarischer). Gegen so eine Mannschaft kannste verlieren. Und musst dich danach nicht schämen. Das tun sie auf Schalke folglich auch nicht. Sie sind sogar einigermaßen stolz darauf, dass sie den Trend vom Zerfall zur Zuversicht drehen konnten. Der seit Wochen öffentlich angeschossene Trainer Domenico Tedesco darf angesichts der erfolgreichen (Erfolg definiert hier nicht Erfolg im Sinne von erfolgreich) Trendwende weitermachen - mindestens mal zwei Spiele.

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Domenico Tedesco hat sich eine interessante Erfolgsformel ertüftelt.

(Foto: www.imago-images.de)

Diese gewährte Arbeitsplatzsicherheit liest sich im Subtext indes ziemlich zynisch: Denn am Dienstag geht's in der Champions League mit einer 2:3-Hinspiel-Hypothek gegen Josep Guardiolas Manchester City (wobei auch in diesem Spiel Erfolg nicht als Erfolg im Sinne von erfolgreich definiert werden wird). Am Samstag dann kommt in der Bundesliga der meinungsdifferenzierte Tabellendritte RB Leipzig (siehe unten), der ja derzeit vor allem auswärts richtig gut ist und mit seiner konterfreudigen Spielweise ein ziemliches Brett für die doch sehr konteranfälligen Schalker sein wird. Womöglich aber kommt alles ganz anders - nämlich erfolgreich im Sinne von erfolgreich. Denn Tedesco wähnt nach dem Bremen-Spiel die Formel für Erfolge zurückertüftelt: "Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit und das mal zwei multiplizieren, dann kommen auch wieder die Siege."

4. Leipzigs Spieler rätselt über Rangnicks Aufstellung

"Viel tiefer als wir heute gestanden haben, kann man nicht stehen", sagte Augsburgs Trainer Manuel Baum nach dem überraschenden 0:0 in Leipzig. Nun war's freilich nicht so, dass Baum keine Lust hatte, kreative Momente von seiner Mannschaft inszenieren zu lassen. Seine Mannschaft war personell einfach so geschwächt, dass sie sich fast ausschließlich auf die defensive Pflicht konzentrierte. Mit ein wenig Glück und sehr viel Leidenschaft ging das auf. Wohl aber auch, weil Leipzigs Trainer das falsche Personal aufstellte. So zumindest sah es Marcel Sabitzer. Er sagte (am Samstag) aus einer Emotion heraus (das relativierte er am Sonntag): "Irgendwie fehlen uns ein bisschen die kreativen Momente vorne drin. Wir haben viele Spieler, die Kreativität mitbringen, aber warum die nicht spielen, das muss wer anders beantworten." Adressat der Ansage: Ralf Rangnick.

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RB-Spieler Marcel Sabitzer hat offenbar ein Problem mit der Aufstellung seines Trainers.

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Tatsächlich kamen Emil Forsberg (58. Minute), der Portugiese Bruma (73.) und Jean-Kevin Augustin (81.) eher spät. Nun, auch wenn Rangnick die "angeblichen" Aussagen - er kannte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht - von Sabitzer während der Pressekonferenz nicht bewerten wollte, gestand er ein: "In der ersten Hälfte haben wir zu viel quer gespielt, dafür waren wir nach dem Seitenwechsel zielstrebiger und hatten drei, vier richtig gute Möglichkeiten." Nun, inhaltlich sind beide fein miteinander. Sie pflegen ja eh einen offenen Austausch, haben sowieso "keinerlei Differenzen" und freuen sich jetzt auf ein Auswärtsspiel. Dort macht's im Moment mehr "Spaß", wie Sabitzer erklärte - faktisch differenzbefreit, denn: Im vierten Heimspiel in diesem Jahr gab es noch keinen Sieg für RB, zum dritten Mal auch kein Tor.

5. Champions League erreicht man nicht mit Laberei

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Bundestrainer in spe?

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Fans des 1. FC Köln mögen das sicher nicht gerne lesen (abgekühlte Wut-Mails bitte an sporttag@nama.de), aber von der europäischen Demut des wenig geliebten Rivalen Borussia Mönchengladbach kann man noch was lernen. Das Ende der Serie von 2:12-Toren und nur einem Punkt aus den vergangenen vier Spielen inklusive neuem Selbstvertrauen im Kampf um Europa fassen sie am Niederrhein so nüchtern auf wie einen Aschermittwoch: "Wir nehmen das 1:0 (Anmerk. d. Red.: wackeliger Sieg beim FSV Mainz 05) zur Kenntnis", erklärte Coach Dieter Hecking. Das deckt sich gut mit der Klublinie, die Sportdirektor Max Eberl ausgibt: "Soll ich nun endlich rauslassen, Champions League ist unser Ziel? Das erreicht man nicht mit Laberei." Aber: "Wenn wir unsere Punkte machen, können die anderen machen, was sie wollen." Über seine Wünsche für die Zukunft hat sich übrigens auch einmal mehr Hecking geäußert. Im ZDF-Sportstudio. Bundestrainer mag er immer noch werden. Als Nachfolger von Herrn Löw. Die Dringlichkeit bei Hecking: gering. Die Dringlichkeit beim DFB: nicht vorhersehbar. Also wohl doch erstmal Champions League.

6. Deutschlands Fußball-Zukunft spielt in Freiburg vor

Spiel am Montagabend

Fortuna Düsseldorf - Eintracht Frankfurt

- ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de

So könnten sie spielen:

Fortuna Düsseldorf: Rensing - Zimmermann, Ayhan, Kaminski, Gießelmann - Barkok, Sobottka - Fink - Raman, Lukebakio, Kownacki. - Trainer: Funkel

Eintracht Frankfurt: Trapp - Falette, Hinteregger, Ndicka - da Costa, Kostic - Fernandes, Rode - Gacinovic - Haller, Jovic. - Trainer: Hütter

Schiedsrichter: Robert Hartmann

Alexander Schwolow (26, Torwart), Lukas Kübler (26, Abwehr), Dominique Heintz (25, Abwehr), Christian Günter (26, Abwehr), Pascal Stenzel (22, Abwehr, eingewechselt), Nico Schlotterbeck (19, Abwehr, eingewechselt), Mike Frantz (32, Mittelfeld), Janik Haberer (24, Mittelfeld), Jerome Gondorf (30, Mittelfeld, eingewechselt) Luca Waldschmidt (22, Stürmer), Nils Petersen (30, Stürmer, alle SC Freiburg), Niklas Stark (23, Abwehr), Jordan Torunarigha (21, Abwehr), Lukas Klünter (22, Abwehr), Maxi Mittelstädt (21, Mittelfeld), Arne Maier (20, Mittelfeld, eingewechselt) und Dennis Jastrzembski (19, Mittelfeld, eingewechselt) - sie alle dürfen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielen. Sie alle standen beim Spiel SC Freiburg gegen Hertha BSC (2:1) auf dem Platz. Wo also sollte ein Bundestrainer sein? Richtig, nicht in München.

Wer spielt das beste Phrasenschach (außer der Reihe)

"Du kannst im Leistungssport nicht zu einem Spieler sagen, du spielst nie mehr. Das habe ich noch nie gehört. Das ist fast wie Gefängnis." Das findet Sky-Experte Jan-Aage Fjörtoft in der Sendung "Wontorra" zum Nationalmannschafts-Aus von Müller, Hummels und Boateng.

Quelle: n-tv.de

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