Fußball

Nicht alle Spieler sind gleich Warum Löw nicht auf Reus setzen kann

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Ein Hauch von Wehmut: Marco Reus.

(Foto: imago/Sven Simon)

Bundestrainer Joachim Löw nimmt Marco Reus nicht mit zur Fußball-Europameisterschaft, weil er verletzt ist. Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels hingegen schon. Warum tut er das? Weil sie es wert sind.

Warum muss Marco Reus zu Hause bleiben? Und warum nimmt Joachim Löw die ebenfalls verletzten Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels mit zur Fußball-Europameisterschaft? Das sind die beiden Fragen, die sich aufdrängen, nachdem der Bundestrainer sein 23er-Aufgebot für Frankreich benannt hat. Die Antwort lautet: Weil er die beiden Weltmeister offensichtlich für wichtiger hält als den Dortmunder. Das ist sein gutes Recht.

Dennoch: Dass der Mann wieder nicht dabei ist, der vor zwei Jahren die Weltmeisterschaft in Brasilien verpasste, weil er sich in der letzten Testpartie verletzte, ist fast schon tragisch. Seinen 27. Geburtstag wird Reus heute nicht allzu ausgiebig feiern - oder eben drum. So liegt ein Hauch von Wehmut über dem Löw'schen Verdikt: Ein Marco Reus in Topform hätte der Mannschaft durchaus helfen können. Aber eben diese Möglichkeit hat Löw nicht gesehen.

Der Bundestrainer jedenfalls bediente sich sicherheitshalber eines medizinischen Arguments, das schwer zu widerlegen ist: "Er kann im Moment nur geradeaus laufen. Für uns und für ihn ist es eine bittere Entscheidung gewesen, er wäre eine Bereicherung gewesen." Und wie um dem Vorwurf vorzubeugen, er behandele nicht all seine Spieler gleich, versicherte er: Die Ärzte hätten bestätigt, dass Schweinsteiger und Hummels beim Turnier einsatzfähig seien. Er hätte aber auch einfach sagen können, dass er selbstverständlich nicht alle Spieler gleich behandeln kann, sondern Prioritäten setzt. Das ist sein Job. Und das ihm diese Entscheidung keinen Spaß gemacht hat, war ihm deutlich anzumerken.

Der Bundestrainer setzt Prioritäten

Kurzum: Der Bundestrainer hat sich dagegen entschlossen, darauf zu warten, ob Reus gesund wird. Das Risiko war ihm zu hoch. In den beiden anderen Fällen geht er genau dieses Risiko ein. Eine große Überraschung ist das nicht. Löw hofft halt darauf, dass Schweinsteiger, sein Kapitän, und Hummels, der Innenverteidiger, irgendwann bis zum 10. Juli doch wieder Fußball spielen können. Dann findet in Stade de France das Endspiel der EM statt. Dass beide kaum schon beim ersten Gruppenspiel am 12. Juni gegen die Ukraine auf dem Rasen des Stade Pierre-Mauroy zu Lille stehen werden, nimmt er in Kauf. Schließlich hatte er vor der WM 2014 ähnlich entschieden und für den verletzten Sami Khedira eine Ausnahme von der Regel gemacht, nur Spieler zu nominieren, die hundertprozentig fit sind. Wie mittlerweile bekannt, ging die Sache in Brasilien für die DFB-Elf ja ganz gut aus.

Ansonsten hat der Bundestrainer wieder so entschieden, dass die Enttäuschung sich bei denen, die zu Hause bleiben müssen, in Grenzen halten dürfte. Zumindest müssen die Leverkusener Julian Brandt und Karim Bellarabi sowie der Hoffenheimer Sebastian Rudy geahnt haben, dass es sie treffen könnte. Brandt hat just beim 1:3 gegen die Slowakei sein erstes Länderspiel absolviert und fiel raus, weil Löw lieber auf den ebenso unerfahrenen Schalker Leroy Sané setzt. Bellarabi ist angeschlagen und Rudy hat sich nie als echte Alternative auf dem Posten des rechten Außenverteidigers angeboten. Hinzu kommt, dass diese Personalien nie turnierentscheidend sind.

Bei einem Aufgebot mit 23 Spielern ist es stets so gewesen, dass einige letztlich gar nicht zum Einsatz kommen. Bei der WM schauten Erik Durm, Matthias Ginter und Kevin Großkreutz sowie die beiden Torhüter Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler nur zu, wie die Kollegen den Titel gewannen. Auch in Frankreich wird es darauf ankommen, dass Löw ein festes Gerüst baut, mit dem er ernsthaft versuchen kann, Europameister zu werden. Das heißt: Ohne die Weltmeister Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Sami Khedira, Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller geht wenig bis nichts. Und im Zweifelsfall auch nicht ohne Kapitän Schweinsteiger und Hummels. Zumindest will sich Löw diese Option offen halten - anders als bei Reus. Das ist eine gute Entscheidung.

Quelle: ntv.de

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