Fußball

Hertha richtet über Klinsmann Windhorst watscht den "Weltstar" ab

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Jürgen Klinsmann holt sich noch nachträglich eine Watschn vom Klub ab.

(Foto: dpa)

Jürgen Klinsmann hat bei Hertha BSC keine Zukunft mehr. Der Fußball-Bundesligist lässt keinen Zweifel, dass der 55-Jährige der große Verlierer der Rücktrittsposse ist. Die Ambitionen aber bleiben dieselben - und damit müssen alle Trainerkandidaten gewarnt sein.

Das hat gesessen: Drei mächtige Männer, die bei Hertha BSC Entscheidungen treffen, präsentieren sich überaus einig und schießen gegen einen vierten, der beim Fußball-Bundesligisten nun gar keine Macht mehr hat. Bei der Pressekonferenz von Hertha BSC mit Michael Preetz, dem Manager, Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer gibt es einen großen Verlierer: Jürgen Klinsmann. Die Art des Rücktritts sei "inakzeptabel" und "ungeheuerlich" gewesen. Es ist schon harsch, wie sie den Ex-Trainer abkanzeln.

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Diese drei demonstrieren Einigkeit: Werner Gegenbauer, Lars Windhorst und Michael Preetz.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Der plötzliche Rücktritt per Facebook nach nur 76 Tagen hat den Klub nicht nur überrascht, sondern in Rage versetzt. Und daran lassen die Verantwortlichen keine Zweifel. "Das kann man vielleicht als Jugendlicher machen, aber im Geschäftsleben unter Erwachsenen, wo man ernsthafte Vereinbarungen hat, sollte man das nicht machen", sagt Windhorst über das Verhalten des Trainers. Preetz ergänzt: "Ich glaube, im Fußball schon vieles erlebt zu haben. Das was am Dienstag passiert ist, war auch für mich total neu." Der 55-Jährige habe dem Verein "keine Chance gelassen, in einen Austausch zu kommen".

"Viel an seiner Glaubwürdigkeit verloren"

Jede Zusammenarbeit ist damit Geschichte, Klinsmann wird auch nicht in den Aufsichtsrat zurückkehren. "Leider ist die Art und Weise des Abgangs so inakzeptabel, dass wir im Sinne des Vereins eine zielführende Zusammenarbeit so nicht fortführen können", so Windhorst. "Jürgen Klinsmann hat viel an seiner Glaubwürdigkeit verloren. Das ist wirklich traurig, aber wir müssen damit leben." Zugleich betont Windhorst, dass es dem von ihm engagierten Klinsmann mittlerweile leidtue. Der Investor sagt, er werde sich in den kommenden Wochen einen neuen sportlichen Berater suchen.

Berichte darüber, dass er vor dem Klub persönlich von Klinsmann informiert worden sei, kommentiert er so: "Ich habe leider auch erst am Dienstagvormittag eine Nachricht von ihm bekommen, dass er den Rücktritt vollzieht. Ich war selber in einer Aufsichtsratssitzung und hatte mein Handy nicht vor mir." Er habe daher die Nachricht vielleicht eine Viertelstunde zu spät gesehen, so der 43-Jährige, "es war nicht mehr umzudrehen".

Aufmerksamkeit bleibt dank Klinsmann

Für den früheren Bundestrainer ist die Chance auf ein weiteres Engagement bei einem Bundesligaklub deutlich gesunken. Der Mann, den Windhorst einen "Weltstar" nennt, hat seinen Nimbus verloren. Er ist der große Verlierer, daran lassen alle bei Hertha BSC keinen Zweifel. Er ist derjenige, der den Klub zu einer - zumindest kurzfristigen - Lachnummer gemacht hat. Obwohl, so betonte es Windhorst mehrfach, Klinsmann so viel Strahlkraft für den Klub gebracht hat. Der Verein könnte aus dem Debakel überraschend gestärkt herausgehen, nämlich dann, wenn alle bei ihrer trauten Einigkeit bleiben.

Gleichzeitig ist genau das auch eine Warnung an alle, die sich Chancen auf den nun wieder vakanten Posten des Cheftrainers beim Tabellen-14. ausrechnen. Nach Ante Covic und Klinsmann braucht Hertha nun Coach Nummer drei in dieser Saison. Wer keine Strahlkraft hat, wer nicht dafür sorgt, dass Hertha BSC Aufmerksamkeit bekommt, der steht in Berlin gar nicht erst zur Debatte.

Denn das ist etwas, was Klinsmann hervorragend gemacht hat. Die Pressekonferenzen waren voll wie lange nicht mehr, die Pressetribünen bei Heimspielen ebenfalls und auch in den Medien war deutlich mehr über Hertha BSC zu lesen und zu hören als zuvor. Die Alte Dame von der Spree liegt nicht mehr im Dämmerschlaf - Investor Windhorst hat sie herausgerissen und in die Öffentlichkeit gezerrt. An seinen Ambitionen lässt er nach wie vor keinen Zweifel: Die Berliner sollen in diesem Jahr "nur" den Klassenerhalt schaffen, aber in der kommenden Saison schon die europäischen Plätze erreichen.

Der Klub wolle und müsse sich an diesen Zielen messen lassen. Seine 224 Millionen Euro, die er als Eigenkapital in den Klub gesteckt hat, sollen sich lohnen. Bislang sieht er sich in diesem Plan bestätigt, schließlich habe Hertha BSC im Winter so viel für Transfers ausgegeben wie sonst kein Klub auf der Welt. Die Träume vom "Big City Club" sind längst nicht zerplatzt.

Kleine Trainer-Lösung ist nicht zu erwarten

Das nächste Geld wird also für einen neuen Trainer bereitgestellt werden. Dem "Kicker" zufolge bleibt Niko Kovac der Wunschkandidat. Der frühere Hertha-Spieler und Bayern- sowie Frankfurt-Trainer war von Preetz bereits nach der Trennung von Covic umworben worden. Nun könnte Preetz einen neuen Versuch starten, da der Grund von Kovacs Absage ausgeräumt ist: Er hatte nicht unter einem Aufsichtsrat Klinsmanns arbeiten wollen. Der gebürtige Berliner wäre einer von Format - wie ihn sich Windhorst wünscht. Einer, der dem Klub Aufmerksamkeit bringt, für Sponsoren attraktiv ist und zudem sportliche Erfolge vorzuweisen hat. Ebenfalls nicht ganz unwichtig: Er ist derzeit ohne Arbeitgeber. Das kann über die meisten seines Kalibers eben nicht gesagt werden. Außer man möchte einen Mauricio Pochettino ins Spiel bringen, der mit Tottenham im vergangenen Jahr nur knapp den Champions-League-Titel verpasst hat.

Doch ob Kovac oder Pochettino auch Interesse an einem Klub haben, der zwar von Großem träumt, aber noch weit davon entfernt ist, darf bezweifelt werden. Und so geht es in den kommenden Wochen erst einmal mit den bisherigen Assistenztrainern Alexander Nouri und Markus Feldhoff weiter. Das klingt noch nicht nach "Big City Club". Und deswegen werden die beiden auch selbst wissen, dass sie nicht mehr als eine Übergangslösung sind.

Nach seinem Rücktritt als Trainer von Hertha BSC kehrt Jürgen Klinsmann nicht in den Aufsichtsrat zurück. Das teilen der abstiegsbedrohte Berliner Fußball-Bundesligist und Investor Lars Windhorst mit. Der will an Bord bleiben. Aber wie geht's sportlich weiter?

Die Pressekonferenz im Re-Live.

Quelle: ntv.de