Fußball

Keine Rückkehr in Aufsichtsrat Klinsmann kontrolliert bei Hertha nichts mehr

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Das war's: Jürgen Klinsmann.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Nach seinem Rücktritt als Trainer von Hertha BSC kehrt Jürgen Klinsmann nicht in den Aufsichtsrat zurück. Das teilen der abstiegsbedrohte Berliner Fußball-Bundesligist und Investor Lars Windhorst mit. Der will an Bord bleiben. Aber wie geht's sportlich weiter?

Jürgen Klinsmann ist bei Hertha BSC endgültig Geschichte. Nach seinem überraschenden Rücktritt nach nur 76 Tagen als Trainer an diesem Dienstag wird er nicht in den Aufsichtsrat zurückkehren. Das teilten der Berliner Fußball-Bundesligist, vertreten durch Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz, sowie der Großinvestor Lars Windhorst mit. Der hat knapp die Hälfte der Profiabteilung gekauft und Klinsmann am 7. November vergangenen Jahres als seinen Vertrauten in dem Aufsichtsgremium platziert.

Nun entzog Windhorst ihm das Mandat. Die Art und Weise des Rückzugs sei "inakzeptabel" und "ungeheuerlich". Daher sei eine Zusammenarbeit mit Klinsmann im Aufsichtsrat nicht mehr möglich. "Das kann man vielleicht als Jugendlicher machen, aber im Geschäftsleben unter Erwachsenen, wo man ernsthafte Vereinbarungen hat, sollte man das nicht machen." Er bedauere es sehr, sagte Windhorst, dass Klinsmann "uns abrupt verlassen hat".

Der habe sich zwar im persönlichen Gespräch entschuldigt, "es tut ihm auch leid. Ich glaube, er bereut auch die Entscheidung". Und natürlich sei der ehemalige Bundestrainer ein Gewinn für Hertha BSC gewesen. "Er ist ein Weltstar, verfügt über viel Kompetenz." Nun aber sei Schluss. "Jürgen Klinsmann hat viel an seiner Glaubwürdigkeit verloren. Das ist wirklich traurig, aber wir müssen damit leben." Während Windhorst nicht ausschließen wollte, irgendwann noch einmal mit Klinsmann bei der Hertha zu arbeiten ("Ich schlage niemals Türen zu"), sieht Präsident Gegenbauer keine Chance für ein "Comeback". Dafür sei in den vergangenen Tagen einfach zu viel zerbrochen.

"... wenn man sich umdreht und davonläuft"

Das scheint Manager Preetz ähnlich zu sehen. Die Nachricht von Klinsmanns Rückzug habe ihn komplett überrascht. "Es gab kein Anzeichen, schon gar nicht in der Verbindung zwischen uns beiden." Er sei einige Jahre im Fußball, sagte der ehemalige Profi, der wie Klinsmann einst Angreifer war. "Doch das, was am Dienstagmorgen passiert ist, war mir komplett neu. Das hat uns als Hertha BSC keine Chance gegeben, darauf zu reagieren." Auch er kritisierte Klinsmann.

Der war am Mittwochabend in Kampf um die Deutungshoheit vorgeprescht und hatte den Manager in einem Monolog auf Facebook angegriffen. Preetz komentierte das so: "Dinge, die ich gestern gehört habe, dass ich auf der Bank sitze und engagiert auftauche. Das sind keine Dinge, die wir miteinander besprochen haben. Das kann man nicht klären, wenn man sich umdreht und davonläuft."

Lars Windhorst, Investor

"Es gibt keinen Grund, warum Hertha BSC als Klub der Hauptstadt Deutschlands es nicht schaffen sollte, in führender Position in Deutschland und Europa mitzuspielen. Den Grund gibt es einfach nicht, da können noch so viele Leute skeptisch sein."

Windhorst betonte noch, er habe, anders als teilweise berichtet, nicht am Abend zuvor, sondern erst am Tag der Rücktrittserklärung von Klinsmanns Entscheidung erfahren. Und als "die Sache in der Welt war, war das tragischerweise alles nicht mehr zu retten". Rein formal sei es so, "dass Herr Klinsmann aktuell ohnehin nicht mehr Teil des Aufsichtsrates ist. Er wird aus Sicht unserer Holding nicht wieder in den Aufsichtsrat berufen - aus den genannten Gründen".

Der Investor hatte sich über seine Firma Tennor mit 224 Millionen Euro in zwei Tranchen 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien gesichert. Dafür stehen ihm vier von neun Sitzen in dem Kontrollgremium zu. Wieder betonte er, dass er langfristig plane. "Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass wir uns 20 oder auch 30 Jahre im Klub engagieren." Zudem bestehe das Investment aus reinem Eigenkapital. Er habe nicht die Absicht, kurzfristig Rendite abzuschöpfen. "Das ist absolut ausgeschlossen." Und: "Uns war klar, dass ein Investment in den Fußball nicht vergleichbar ist mit anderen Investments." Allerdings müsse sich der Verein "mit Augenmaß und langfristiger Strategie" verändern. "Ich habe das Wort von Herrn Gegenbauer."

Klinsmann hatte am Dienstag handstreichartig via Facebook verkündet, seinen Job als Trainer zur Verfügung zu stellen, seine Vorgesetzten damit kalt erwischt und den Klub ins sportliche Chaos gestürzt. Die Hertha steht in der Bundesliga auf Platz 14, sechs Punkte vor dem Relegationsplatz. Am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) steht das Spiel beim SC Paderborn 07 an, einem Konkurrenten im Abstiegskampf. Wie Manager Preetz sagte, sollen die bisherigen Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff "in den nächsten Wochen" die Mannschaft trainieren. Auch der so genannte Performance Manager Arne Friedrich bleibt. "Wir hoffen und sind davon überzeugt, dass wir die nötigen Punkte holen werden." Zu der langfristigen Besetzung sagte Preetz konkret nichts. "Es ist unsere Aufgabe, einen Trainer zu finden, der mit uns die Ziele angeht, der ehrgeizig und ambitioniert ist. Das ist eine interessante Stellenbeschreibung."

Quelle: ntv.de