Fußball

Presse entsetzt über Superliga "Zombie-Apokalypse auf Suche nach Frischfleisch"

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Jürgen Klopp ist kein Fan der Super League - sein FC Liverpool will aber trotzdem mitmachen.

(Foto: imago images/PA Images)

Auch einen Tag nach dem "Erdbeben" im europäischen Fußball sorgt die neu gegründete Super League in den internationalen Medien für viel Aufruhr, Aufregung und heftige Kritik. Von "Räuberbaronen" über "Zombies" bis hin zu "ins Gesicht gespuckt" - die internationalen Pressestimmen:

England

"Daily Mail": "Niemand kann die Personen und Institutionen lieben, die versuchen, das Vergnügen aus dem Leben so vieler zu stehlen. Die versuchen, das zu ruinieren, was als Spiel begann und immer noch ein Spiel ist. Das Ballett des Arbeiters, wie Alan Hudson es nannte. Sie versuchen, uns das wegzunehmen, und wofür? Für Geld. Geld, um wahnsinnig reiche Leute noch wahnsinnig reicher zu machen."

"Sun": "Vielleicht sollten wir den Räuberbaronen hinter unseren 'großen sechs' Vereinen dazu gratulieren, dass sie einen so abscheulichen Plan ausgeheckt haben, dass er sogar in dieser spaltenden Ära fast jeden in empörter Verurteilung vereint. Die Super League wurde von gierigen Männern entworfen, die kein Gefühl für das Spiel, die Geschichte und die Bedeutung der Vereine und Fans haben, die den Fußball in über 100 Jahren zu dem gemacht haben, was er ist."

"The Guardian": "Die Pandemie nicht vorbei, die Stadien immer noch leer, die Fans immer noch zu Hause. Und die reichsten Vereine, leider angeführt von sechs Vereinen der Premier League, haben die brutalste Offensive gestartet. Eine abtrünnige Superliga, ein so unattraktives Konzept, das so eindeutig durch Geld motiviert ist."

"Mirror": "Jeder Anschein, dass sich die Eigentümer dieser sechs Premier-League-Klubs auch nur ein bisschen um die treue, oft lokale Fangemeinde ihrer Institutionen kümmern, wurde beseitigt. Sie interessieren sich nur noch für den weltweiten Konsumenten, für diejenigen, mit dem amerikanischen Dollar oder dem chinesischen Yuan, diejenigen, die gerne jeden zweiten Dienstag bezahlen, um Manchester United gegen Barcelona spielen zu sehen."

"The Telegraph": "Florentino Pérez, Andrea Agnelli und Joel Glazer sind nun als steuernde Kräfte der schlechtesten Idee in der Geschichte des europäischen Fußballs eingesetzt. Der Vorsitzende und die beiden Vize-Vorsitzenden der gerade entstandenen European Super League (ESL) führen den jüngsten Vorstoß der Zombie-Apokalypse des Fußballs auf der Suche nach frischem Fleisch an - denn selbst die letzten zwei Jahrzehnte mit gewaltigen Einnahmezuwächsen bei den Übertragungsrechten haben ihnen nie gereicht."

"The Independent": "Die European Super League ist ein grotesker Verrat am Fußball"

Italien

"Gazzetta dello Sport": "Wir stehen vor einem Konflikt zwischen dem Fußball, der als Unternehmen konzipiert ist, und einem Fußball, der lediglich als finanzielle Angelegenheit betrachtet wird. Wir wissen nicht, wie dieser Streit zu Ende gehen wird, wir wissen aber, auf welcher Seite wir stehen. Die zwölf Klubs haben ihr Gesicht verloren. Jetzt werden wir sehen, ob sie im Duell mit der UEFA auch das Match verlieren."

"Corriere dello Sport": "Es ist eigenartig, dass der Fußball, der immer mehr zu einem Finanzunternehmen geworden ist, der Versuchung verfällt, das Unternehmensrisiko auszuradieren. Das ist ein typisches Verhalten jener Manager, die es gewöhnt sind, sonst nur Staatsgelder zu riskieren."

"Tuttosport": "Eine enorme Verantwortung in dieser Situation haben auch die FIFA und UEFA. In der härtesten Phase der Krise haben sie keine finanzielle Unterstützung für die Klubs in Schwierigkeiten ergriffen. Hätten sie einige Milliarden locker gemacht, wie es von ihnen gefordert wurde, wären sie heute nicht in dieser Situation."

"Il Messaggero": "Die verkehrte Revolution der verschuldeten Klubs. Alte Regeln können verbessert werden. Doch wenn sie durch Machtgier verzerrt werden, verursachen sie Katastrophen. Das geschieht in der Politik mit Diktaturen. Diese Klubs vergessen jedoch, dass Sport genau das Gegenteil einer Diktatur ist."

Spanien

"Marca": "Aufschrei gegen die Super League. Regierungen, Organisationen, Klubs, Trainer, Spieler, Fans, Presse - alle sind erschrocken von diesem Projekt. Barça sieht es als seinen wirtschaftlichen Rettungsanker. Bayern distanziert sich davon. Der UEFA-Präsident droht mit Sanktionen. Marca meint: Ein schwerer Schlag ins Gesicht des Fußballs."

"AS": "Der Fußball bricht auseinander. Die UEFA wird den Spielern, die an der Super League teilnehmen, nicht erlauben, mit ihren Nationalmannschaften aufzulaufen. Der Ton zwischen Ceferin und den unterzeichnenden Klubs der Super League wird immer rauer. Kurios: Am selben Tag verabschiedet die UEFA das neue Champions-League-Modell. Ceferin: 'Man spuckt uns ins Gesicht'."

"Sport": "Totaler Krieg. Zwölf Vereine, angeführt von Barça und Real, vereinigen sich, um einen Wettbewerb zu schaffen, der die Champions League sprengt. Die Einigung würde einen großen wirtschaftlichen Sprung nach vorne bedeuten. Es gibt seitens der UEFA, angeführt von Ceferin, Drohungen von Sanktionen für die Rebellen und für diejenigen Spieler, die in der neuen europäischen Super League spielen wollen. Super League gegen Champions League - es ist ein Krieg um Geld. Das Geld trägt die Schuld. Es geht um Milliarden."

"El Mundo Deportivo": "Eine Revolution in Zeiten von COVID-19. Die europäische Super League hat über Nacht ein Erdbeben provoziert, die Initiatoren machen ernst. Man muss aber auch sagen, dass sich die UEFA in diesen Zeiten, wo die Vereine sehr viel Geld verloren haben, sehr unflexibel gezeigt hat."

Frankreich

"L'Équipe": "Die Wahl zwischen der Super League und dem neuen Champions-League-Format ist eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Die nationale Fan-Vereinigung hat erklärt, eine Super League sei eine Beleidigung für alle Fußball-Fans. Sky und BT Sports gehen auf Distanz zur Super League. Laut Jaume Roures, Chef von Mediapro, werden die TV-Partner ihre bis 2024 geschlossenen Verträge mit der UEFA nicht brechen."

"Le Parisien": "Ein offener Streit, dessen Ausgang ungewiss ist. Frankreich erklärt sich bereit, sich auf das europäische Recht zu stützen, um die UEFA im Kampf gegen die Dissidenten zu stützen."

"Le Monde": "Mehr Geld, ein Hagel von Kritik, Strafandrohungen gegen Spieler: Die Super League wirft Fragen auf. Europas Fußball rudert durch trübes Wasser. Die UEFA erlebt ihren schlimmsten Albtraum."

Schweiz

"Tagesanzeiger": "Getrieben von Geldgier. Sie bekommen Milliarden und machen doch immer noch mehr Schulden. Und nun wollen die Top-Klubs sogar eine Elite-Liga? Es ist ein Angriff auf die Basis."

"Blick": "Zwölf europäische Top-Klubs rufen die Gründung einer Super League aus. Dabei gehts nur um Geld, Geld und nochmals Geld. Sportsgeist und Fairness werden mit Füßen getreten. Das Vorgehen der beteiligten Vereine ist asozial und daneben."

Österreich

"Kleine Zeitung": "You'll never walk alone? Das war einmal. Geld verdirbt den Charakter europäischer Großklubs. Der Machtkampf zwischen der UEFA und den europäischen Topklubs endet wohl unentschieden. Einen Verlierer gibt es dennoch: den Fußball und Milliarden von Fans."

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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