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Blatter fühlt sich in Putins Russland sichtlich wohl.
Blatter fühlt sich in Putins Russland sichtlich wohl.(Foto: dpa)
Dienstag, 19. Juni 2018

WM-Besuch für Fifa ein Affront: Blatter provoziert als Putins Ehrengast

Fifa-Präsident Gianni Infantino inszeniert sich in den vergangenen Tagen als bester Kumpel von Wladimir Putin. Nun betritt zu seinem Ärger Sepp Blatter die WM-Bühne - auf persönliche Einladung des russischen Präsidenten. Da ist selbst die mächtige Fifa machtlos.

Es wirkte fast, als wäre Joseph S. Blatter nie weg gewesen. Als der frühere Fifa-Präsident am Moskauer Nobel-Hotel St. Regis im hellblauen Hemd und feinen Jackett aus der S-Klasse stieg, war das Ballyhoo um den 82-Jährigen ungebrochen. Hier ein Interview für das Schweizer Fernsehen, dort Küsschen rechts und Küsschen links sowie jede Menge Selfies - die große Blatter-Show hatte begonnen. Der Fifa dürfte das kaum gefallen. Die Einladung ins Riesenreich kam von Russlands Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich und gilt sogar bis zum Ende des Turniers. Am Mittwoch wird sich Blatter mit dem Kremlchef treffen und zudem die Partie zwischen Europameister Portugal und Marokko im Luschniki-Stadion besuchen.

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Dass Blatter noch bis 2021 - wie es so schön heißt - "für sämtliche nationalen und internationalen Fußballtätigkeiten" gesperrt ist, wird kein Hindernis sein. Die Fifa-Statuten verbieten Stadionbesuche als "Privatperson" nicht explizit, schon gar nicht von Putin veranlasste. Der Weltverband kann indessen nur zuschauen. Für den amtierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ist Blatters Reise Affront und Gratwanderung zugleich. Der 48-Jährige wird sich hüten, den Auftritt seines Vorgängers zu kommentieren. Kampflos die Putin-Bühne überlassen kann er ihm aber auch nicht. Schließlich hatte sich Infantino in den vergangenen Tagen als ziemlich bester Freund des Kremlchefs inszeniert - aber hat er Blatter verdrängt?

Kritik zwischen den Zeilen

Den früheren Fifa-Boss, der nach den Verhaftungen im Mai 2015 vom Thron gestürzt war, und Putin verbindet eine Freundschaft - spätestens seit der WM-Vergabe an Russland im Dezember 2010. Putin dankte der Fifa damals "aus tiefstem Herzen". Blatter gratulierte jüngst zum "beeindruckenden" 5:0 im Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien: "Russland wird der perfekte Gastgeber sein."Zu Infantino pflegt Blatter ein unterkühltes Verhältnis. Er, der wie sein Nachfolger im beschaulichen Wallis aufgewachsen ist, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die "neue" Fifa mindestens zwischen den Zeilen zu kritisieren. Den Videobeweis, die Aufstockung der WM auf 48 Mannschaften oder die Querelen um den milliardenschweren Verkauf von Wettbewerben hätte es mit ihm nie gegeben, betont er - zuletzt auch im russischen Fernsehen.

Dafür war in den fast 20 Jahren mit Blatter an der Fifa-Spitze ein beispielloses Korruptionsnetzwerk entstanden, das weiterhin Gerichte und Ermittler in mehreren Ländern beschäftigt. Blatter weist die Verantwortung dafür zurück. "Das waren die gewählten Vertreter der Konföderationen", sagte er der Schweizer Handelszeitung angesprochen auf Skandalfunktionäre wie Mohamed bin Hammam (Katar) und Jack Warner (Trinidad und Tobago): "Ihr Wirken hatte mit meiner Person nichts zu tun."

Gestolpert war Blatter vor drei Jahren tatsächlich nicht über einen der Fälle, die in den USA das FBI beschäftigen, sondern über eine dubiose Millionenzahlung an den deshalb ebenfalls gesperrten früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, beide wollen ihren Namen reinwaschen. Gelingt das, könnte eine kuriose Diskussion vom Zaun brechen. "Ich wurde 2015 auf vier Jahre gewählt, trat nie zurück, wurde nie abgewählt" sagte Blatter: "Ich habe mein Mandat nur zur Verfügung gestellt, später bin ich wegen der Untersuchung der Bundesanwaltschaft suspendiert worden. Gemäß Statuten muss man einen Präsidenten abwählen." Was Infantino wohl dazu sagt?

Quelle: n-tv.de