Fußball-WM 2018

Harte Kritik am DFB, Lob für Löw Hitzfeld hätte bei WM auf Özil verzichtet

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Die Debatte um die DFB-Spieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan dauert auch zwei Monate nach "Erdogate" an.

(Foto: imago/ActionPictures)

Die Fußball-WM ist für die deutsche Nationalelf längst passé. Das blamable Vorrunden-Aus ist indes immer noch nicht aufgearbeitet. Nun meldet sich Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld zu Wort - und verurteilt den DFB für das Vorgehen beim Thema Erdogate.

Ottmar Hitzfeld hat den DFB für den Umgang mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan kritisiert. "Ich glaube, dass man Özil und Gündogan damit keinen Gefallen getan hat, sie mit zur WM zu nehmen, wo sie unter so gewaltigem Druck standen", sagte der ehemalige Trainer des FC Bayern München und von Borussia Dortmund dem Portal Sportbuzzer. Stattdessen hätte man sie schützen müssen und zu Hause lassen, um danach wieder einen Neuanfang zu machen, so Hitzfeld: "Dann hätte man während der WM Ruhe gehabt, das Thema wäre gegessen gewesen."

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Ottmar Hitzfeld hat den Deutschen Fußball-Bund für seinen Umgang mit den Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan kritisiert.

(Foto: imago/Xinhua)

Die Affäre um die Erdogan-Fotos habe "sicher auch Einfluss auf die Mannschaft" gehabt, schrieb der 69-Jährige in seiner Kolumne. "Die Spieler wurden ja ständig damit konfrontiert und bekommen auch mit, was geschrieben wird. Das war sicher nicht förderlich." Vor der WM in Russland hatten Özil und Gündogan durch gemeinsame Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für einen Eklat gesorgt, dessen Nachwirkungen die deutsche Elf durch das Turnier begleiteten.

Plädoyer für Löw als DFB-Trainer

Unterdessen bewertet Hitzfeld die Entscheidung von Joachim Löw, seine Arbeit als Bundestrainer fortzusetzen, als richtig: "Er hat dem Standing des deutschen Fußballs in der ganzen Welt sehr viel Glanz verliehen." Löw sei der richtige Mann, um einen Umbruch herbeizuführen. Jetzt habe man die Chance, eine neue Mannschaft aufzubauen und damit in zwei Jahren den EM-Titel zu holen. Das sei auch für Löw eine riesige Motivation, so Hitzfeld.

In dem Zusammenhang fordert Hitzfeld, dass Löw keine Rücksicht auf einzelne Spieler nimmt. "Er muss jetzt ein paar harte Entscheidungen treffen", sagte er. Dies werde für Löw aber "keine leichte Aufgabe, weil er ein gutes Verhältnis zu jedem Spieler hat."

Zentralrat der Muslime fordert Bierhoff-Rücktritt

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland hat nach den umstrittenen Äußerungen über Özil den Rücktritt von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff und Verbandschef Reinhard Grindel gefordert. "Rohes Spiel wird im Sport mit einer Roten Karte bestraft", wird Aiman Mazyek in einem Online-Bericht des amerikanischen Senders ESPN zitiert. "Bierhoff und Grindel müssen zurücktreten, wenn sie in ihrer langen Karriere nichts anderes gelernt haben als: 'Du verlierst als Özil' anstelle von 'Du verlierst als Mannschaft", sagte Mazyek.

Nach dem Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM hatte Bierhoff in der vergangenen Woche angedeutet, dass man vor dem Turnier in Russland die Nominierung Özils hätte überdenken müssen. Anschließend hatte er betont, er sei mit dieser Aussage missverstanden worden. Gemeinsam mit DFB-Präsident Grindel hatte er vor kurzem eine öffentliche Erklärung des bislang zu dem Thema schweigenden Weltmeisters Özil verlangt.

Die frühere Bundesbeauftragte für Integration, Aydan Özoguz, warnte derweil vor langfristigen Folgen durch die erhitzten Debatten um Özil und Gündogan. "Die Debatte treibt schon etwas merkwürdige Blüten", sagte Özoguz. Natürlich sei das vor der WM entstandene Foto mit Erdogan "für viele, die mit Sorge die Lage in der Türkei verfolgen, enttäuschend und schwer nachvollziehbar". Dass das Thema auch nach zwei Monaten noch so hochgekocht werde, zeige, in welche Atmosphäre die Debatte fällt. "In den letzten Jahren haben viele Dinge Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis und Vorbehalte auf allen Seiten erzeugt", betonte die SPD-Politikerin, die bis März Staatsministerin für Migration und Integration im Kanzleramt war.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/sid