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Lebenslange Sperren rechtswidrig Rio wird zum Schauplatz der Dopingsünder

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Das IOC misst bei Dopingsündern mit zweierlei Maß.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die russische Leichtathletin und Whistleblowerin Julia Stepanowa darf nicht zu den Olympischen Spielen nach Rio fahren. Für andere ehemalige Dopingsünder gilt der Ausschluss nicht. Sie sind weiterhin im Rennen um Medaillen. Die Entscheidung trifft auf Unverständnis.

Die Worte an Julia Stepanowa waren unmissverständlich. Sie erfülle nicht die "ethischen Anforderungen an einen olympischen Athleten", erklärte das IOC und verbot der Whistleblowerin bei den Sommerspielen in Rio den Start. Die Begründung: Selbst die Enthüllungen von staatlichen und systematischen Dopings in ihrer Heimat Russland würden ihr ehemaliges Dopingvergehen nicht aufwiegen.

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Dopingsünder Justin Galtin darf starten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Über eine solche Entscheidung können andere Sportler wie US-Sprinter Justin Gatlin, Rad-Star Alejandro Valverde oder Schwimm-Olympiasieger Sun Yang nur lachen. Alle wurde schon des Dopings überführt, alle dürfen in Rio um Medaillen kämpfen. Angeblich erfüllte ethische Anforderungen hin oder her.

Denn würde es bei der Teilnahme an Olympischen Spielen wirklich darum gehen, stände Iwan Tichon ganz oben auf der Streichliste. Der weißrussische Hammerwerfer, 2003, 2005 und 2007 Weltmeister geworden war, ist einer der berüchtigsten Dopingsünder der Leichtathletik. So verlor er seinen WM-Titel von 2005 neun Jahre später, nachdem Testosteron-Doping festgestellt wurde. Tichon musste zudem Olympia-Silber 2004 wegen Steroid-Dopings und den EM-Titel 2006 wegen Testosteron-Missbrauchs abgeben. Die ebenfalls aberkannte Bronzemedaille der Olympischen Spiele 2008 erhielt er aufgrund eines Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zurück. Aus den Startlisten von Olympia 2012 wurde er nach Bekanntwerden positiver Testergebnisse gestrichen. Für Rio ist er jedenfalls (noch) gemeldet.

Unverständnis für IOC-Entscheidung wächst

Und die Liste überführter Dopingsünder ließe sich noch lange fortsetzen. So sind auch die Geher-Weltmeisterin Liu Hong (China), der Luxemburger Radprofi Fränk Schleck, Diskus-Olympiasiegerin Sandra Perkovic (Kroatien) nach abgesessenen Dopingsperren am Start.

Zuletzt hatte Deutschlands Topspringer und Rekordler Julian Reus den nachsichtigen Umgang mit Dopingsündern in der internationalen Leichtathletik kritisiert und flächendeckende Nachtests bei überführten Sportlern gefordert. "Fakt ist, dass die Amerikaner bei der WM 2015 in Peking mit drei Mann die Staffel bestritten, die schon wegen Dopings gesperrt waren: Mike Rodgers, Tyson Gay und Justin Gatlin. Toll finden wir das nicht", sagte er im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Und auch in Rio könnte es zu dieser Konstellation kommen, alle drei US-Sprinter sind im vorläufigen Staffel-Aufgebot.

Lebenslange Sperre nicht möglich

Auch angesichts solcher Fälle werden immer wieder die Forderungen nach lebenslangen Sperren sofort nach dem ersten Dopingvergehen laut. Doch rechtliche sind diese nicht umsetzbar, selbst der dauerhafte Ausschluss für Olympia ist nicht erlaubt. 2012 hatte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) einen entsprechenden Passus des britischen Verbands genauso für ungültig erklärt wie ein Jahr zuvor die sogenannte "Osaka-Regel". Danach wurden überführte Doper für die darauf folgenden zwei Olympischen Spiele gesperrt. Dies ist jedoch ebenfalls nicht erlaubt. Auch deshalb sind die Sanktionen gegen Stepanowa und Gesamt-Russland, das keine Ex-Doper in Rio starten lassen darf, rechtlich eigentlich nicht haltbar.

Die russische Schwimmerin Julia Jefimowa ist die Erste, die die IOC-Regel vom CAS, das den Fall nun im Eilverfahren behandelt, überprüfen lässt. Stepanowa, die nach ihren Enthüllungen aus Russland fliehen musste, würde auch gerne den Klageweg gehen. Ihr fehlt dafür aber das Geld. Ihr letztes Gesuch für einen Start in Rio lehnte das IOC am Samstag ab.

Quelle: n-tv.de, Dominik Kortus, dpa

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