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Die Präsentation des neuen Nexus 7 war die letzte Google-Show für Android-Produktmanager Hugo Barra.
Die Präsentation des neuen Nexus 7 war die letzte Google-Show für Android-Produktmanager Hugo Barra.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 29. August 2013

MIUI ist der Grund, nicht die Ex-Geliebte: Android-Manager Barra verlässt Google

Von Klaus Wedekind

Android-Produktmanager Hugo Barra verlässt überraschend Google, um sich einem chinesischen Smartphone-Produzenten anzuschließen. Nur ein ganz normaler Tapetenwechsel? Frust am Arbeitsplatz oder gar ein filmreifes Beziehungsdrama?

"Nach annähernd fünfeinhalb Jahren bei Google und fast drei Jahren als Mitglied des Android-Teams – die aufregendste Gruppe von Leuten, mit denen ich jemals zusammengearbeitet habe – habe ich mich entschlossen, meiner Karriere ein neues Kapitel hinzuzufügen." So beginnt die Mitteilung, mit der Hugo Barra auf Google+ seinen Rücktritt als Android-Produktmanager bekannt gibt.

Barra, der erst vor wenigen Wochen noch begeistert das neue Tablet Nexus 7 vorgestellt hat, schreibt weiter, er werde zum chinesischen Smartphone-Produzenten Xiaomi wechseln, um dort als Vize-Präsident die weltweite Expansion des Unternehmens voranzutreiben. "Ich freue mich auf die neue Herausforderung und besonders darüber, dass ich weiter helfen kann, das Android-Ökosystem voranzubringen."

Keine Grüße an den Google-Chef

Am Ende der kurzen Mitteilung bedankt er sich bei Ex-Android-Chef Andy Rubin, Android-Chefingenieur Hiroshi Lockheimer, dem neuen Android-, Chrome- und Apps-Chef Sindar Pichai und Googles Chefingenieur Vic Gundotra. Die Chefetage um CEO Larry Page erwähnt Barra nicht, was Anlass für zahlreiche Spekulationen ist.

Eine sehr nahelegende Begründung ist, dass Hugo Barra mit der Situation seit dem vermutlich nicht freiwilligen Weggang von Android-Erfinder Andy Rubin alles andere als zufrieden war. Denn trotz des riesigen Erfolgs des Betriebssystems sind Android-Smartphones für das Unternehmen auch nur Geräte, über die es seine Dienste anbieten und somit Werbung verkaufen kann. Google ist es ziemlich egal, über welches Betriebssystem der Rubel rollt. Es kaufte und päppelte Android eigentlich nur auf, um ein drohendes iPhone-Monopol Apples zu verhindern.

Keine Zukunft mit Android?

Seit Rubin gehen musste, leitet Sundar Pichai Android. Er ist auch für Googles zweites Betriebssystem Chrome verantwortlich, das wesentlich universeller eingesetzt werden kann – nicht umsonst trägt Googles Browser den gleichen Namen. Über ihn wird heute schon jeder Rechner zum Google-Computer – egal, welches Betriebssystem installiert ist. Das ist effizient, auf so etwas steht Larry Page. Android mache viel Arbeit, werfe aber für Google relativ wenig Profit ab, sagen viele Experten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass in China und anderen großen Märkten fast niemand in Googles Play Store einkauft. Und so wird gemunkelt, Pichai solle langfristig dafür sorgen, dass Android und Chrome verschmelzen.

Das Xiaomi M2 ist ein günstiges Mittelklasse-Smartphone.
Das Xiaomi M2 ist ein günstiges Mittelklasse-Smartphone.(Foto: Xiaomi)

Vielleicht ist dies etwas zu weit gegriffen, aber nicht nur Insidern ist aufgefallen, dass Google bei Android das Tempo deutlich herausgenommen hat. Seit der Einführung von Android 4.1 ist wenig passiert, Barra durfte Ende Juli mit dem Nexus 7 lediglich die weitere Jelly-Bean-Version  4.3 vorstellen. Android 5 alias Key Lime Pie erscheint vermutlich erst mit einem neuen Nexus-Smartphone, vielleicht noch in diesem Jahr. Danach dürfte beim Betriebssystem lange nichts mehr passieren.

Warum auch, Android ist sehr ausgereift und für Google und die Smartphone-Produzenten ist es einfacher, wenn nur noch einzelne Dienste weiterentwickelt werden. Große Updates sind nicht mehr nötig, neue Funktionen kommen durch die Software der Hersteller auf die Geräte. Was die Smartphones betrifft, hat Google sein Ziel erreicht. Laut Analyst Gartner laufen inzwischen weltweit 79 Prozent aller Geräte mit Android. Vielleicht stellt deshalb Google auch nur noch in größeren Abständen Nexus-Smartphones mit weniger spektakulärer Hardware als beim Nexus 4 vor. Barra wäre eigentlich nur noch eine große Baustelle geblieben, auf der er sich hätte austoben können: Android-Tablets. Doch einmal im Jahr ein neues Nexus 7 oder Nexus 10 vorzustellen, ist vielleicht zu wenig.

Xiaomi macht MIUI

Xiaomi Tech scheint da zwar auf den ersten Blick nicht viel spannender zu sein. Aber bei dem Unternehmen handelt es sich nicht um irgendeinen weiteren chinesischen Billig-Hersteller. Die 2010 gegründete Firma stellt zwar günstige, aber durchaus hochwertigere Smartphones her. Das Xiaomi M2 beispielsweise kostet umgerechnet rund 260 Euro und bietet dafür ein 4,3 Zoll großes IPS-Display mit 720p-Auflösung, einen Snapdragon-S4-Pro-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und eine 8-Megapixel-Kamera.

Google-Mitbegründer Sergey Brin verlässt seine Frau (links neben ihm). Er soll Hugo Barra die Freundin ausgespannt haben.
Google-Mitbegründer Sergey Brin verlässt seine Frau (links neben ihm). Er soll Hugo Barra die Freundin ausgespannt haben.(Foto: REUTERS)

Bisher ist Xiaomi nur in China tätig, hat dort aber laut "The Next Web" bei den Marktanteilen bereits Apple überholt und wird dieses Jahr voraussichtlich 20 Millionen Smartphones verkaufen. Und was Android-Entwicklung betrifft: Xiaomi ist für MIUI verantwortlich, ein alternatives Android-ROM, das weltweit viele Fans hat. Kurzum: Hugo Barra geht zu einem Unternehmen mit einem großen Potenzial und kann dort vielleicht tatsächlich mehr für Android tun als bei Google selbst. Und so ist vermutlich auch Sundar Pichais Abschiedsgruß an Barra ehrlich gemeint: "Ich gratuliere Hugo zu seinem aufregenden neuen Abenteuer. Wir werden ihn bei Google vermissen, sind aber begeistert, dass er Android weiter die Stange hält. Alles Gute, Hugo!"

Wer googelt mit wem?

Die "romantischen" Probleme, die Hugo Barra offensichtlich bei Google auch hatte, sind zwar vielleicht der letzte Anstoß gewesen, aber nicht der eigentliche Grund für seinen Abschied aus Mountain View. Dass sich die Medien darauf stürzen, ist allerdings verständlich, das Drama ist einfach zu unterhaltsam: Kurz bevor Barra seinen Rückzug erklärte, machte Google-Mitbegründer Sergey Brin öffentlich, dass sich seine Frau Anne Wojcicki und er getrennt haben. Brin soll bereits eine neue Flamme haben, die ebenfalls für Google tätig ist. Diese Angestellte soll zuvor ein Verhältnis mit einem anderen Google-Manager gehabt haben, dem Brin sie angeblich ausgespannt hat: Hugo Barra.

Quelle: n-tv.de

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