Technik

Betriebssysteme sind nicht alles Apple geht in die Wolke

Steve Jobs stellt in San Francisco neue Betriebssysteme und den neuen Online-Synchronisationsdienst iCloud vor. Das heißt, eigentlich lässt er sich nur kurz blicken, bevor er die Bühne wieder seinen Untergebenen überlässt. Der kranke Apple-Chef hebt sich seine Energie vermutlich für eine spannendere iPhone-Show auf.

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Mission Control bietet Mac-Nutzern unter Lion den totalen Überblick.

(Foto: Apple)

In diesem Jahr war es tatsächlich soweit: Die - kurze - Anwesenheit des gesundheitlich angeschlagenen Apple-Chefs zum Start der Entwicklerkonferenz WWDC war für die Presseagenturen interessanter als die vorgestellten Produkte. Zum einen lag dies natürlich daran, dass Steve Jobs diesmal kein neues iPhone auf der Bühne streichelte. Zum anderen war aber auch die präsentierten Produkte keine große Überraschung.

Das kommende Betriebssystem Mac OS X 10.7 alias "Lion" ist schon länger bekannt und die neuen Funktionen können Nutzer schon seit einiger Zeit auf Apples Webseite studieren. So staunte in San Francisco kaum jemand über Multi-Touch-Gesten, Apps im Vollbildmodus, den Übersichts-Bildschirm Mission Control, den Mac App Store, das App-Menü Launchpad und andere Features von Lion. Die Software kann ab Juli als Update für 24 Euro heruntergeladen werden. Auf DVD bietet Apple Lion nicht an.

Gut kopiert

Interessanter war da schon die Vorstellung des neuen mobilen Betriebssystems iOS 5, das im Herbst verteilt werden soll. Hier gibt es einige interessante Neuerungen. Und obwohl es sich dabei oft um Funktionen handelt, die auf Android-Geräten teils schon länger zur Verfügung stehen, sind sie trotzdem sehr nützlich.

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Das Notification Center ist zwar keine Apple-Erfindung, aber trotzdem sehr praktisch.

(Foto: Apple)

Das Notification Center fasst Benachrichtigungen über eingegangene E-Mails, SMS oder andere Meldungen zusammen. Wie bei Android kann man es vom oberen Bildschirmrand nach unten aufziehen.

Käufer eines iPhone, iPad oder iPod touch können ihr Gerät unter iOS 5 in Betrieb nehmen, ohne es über einen Computer mit iTunes zu verbinden (PC Free).

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Mobile Apple-Geräte können künftig auch ohne Nabelschnur zu iTunes in Betrieb genommen werden.

(Foto: Apple)

Im Mail-Programm können Nutzer jetzt Adressen kopieren und einfügen oder den Text in weiteren Schriftarten formatieren. Ein Wörterbuch ist integriert und bei einer Suche durchforstet das Programm nicht nur die Betreff-Zeile, sondern den gesamten Text.

Mit iMessage können Nutzer ohne Limit Textnachrichten, Fotos, Videos, Adressen oder Kontakte an andere iOS-5-Nutzer oder Gruppen schicken. Eingehende Nachrichten können in Echtzeit gelesen werden.

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Was Drittanbieter bisher nicht durften, macht Apple persönlich möglich: Nutzer können Fotos per Lautstärke-Knopf machen.

(Foto: Apple)

Newsstand ist der mobile iBook Store, der in einem virtuelle Regal alle abonnierten Zeitungs- und Zeitschriften-Abos zeigt.

Auch der Safari-Browser wurde ein wenig aufgepeppt. Der Reader zeigt Artikel ohne Werbung und andere störende Elemente in einer Art auf Bildschirmgröße skalierter Druckdarstellung. In einer Reading-Liste kann der Nutzer Artikel speichern und später lesen. Auf dem iPad erlaubt es der neue Safari, zwischen geöffneten Seiten via Tabs zu wechseln.

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Mit iCloud sind Daten auf allen Apple-Geräten synchron

(Foto: Apple)

Erwähnenswert ist außerdem, dass Apple Twitter enger an die Brust nimmt. Angemeldete Nutzer können Fotos, Safari- oder Youtube-Links direkt auf dem sozialen Netzwerk veröffentlichen.

Die praktischste Neuerung in iOS 5 ist vielleicht, dass die Kamera auch bei gesperrtem Display nach einem Tipper sofort per Lautstärke-Knopf Bilder macht. Danach können die Schnappschüsse mit der neuen Foto-App bearbeitet werden.

iCloud auch für Windows-Nutzer

Fünf Gigabyte kostenlosen Online-Speicherplatz bietet Apples iCloud. Nutzer können dort Musik und Videos oder andere Dateien parken. Über iCloud kann man aber auch Kontakte, Kalendereinträge oder Dokumente zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren. Das funktioniert ähnlich wie bei Google über eine eigene E-Mail-Adresse.

Im Herbst steht iCloud zunächst für Musiktitel aus iTunes zur Verfügung. Nutzer können aber auch andere Songs ihrer Online-Musiksammlung hinzufügen, allerdings kassiert Apple für diesen Service 25 Dollar pro Jahr. Achtung: iCloud soll auch zu Windows-Rechnern kompatibel sein.

Quelle: ntv.de, kwe