Technik
Oft ist die Geschwindigkeit am heimischen Internetanschluss nicht so schnell, wie vom Anbieter angegeben.
Oft ist die Geschwindigkeit am heimischen Internetanschluss nicht so schnell, wie vom Anbieter angegeben.(Foto: imago/Christian Ohde)
Mittwoch, 02. Mai 2018

Langsamer als versprochen?: Behörden-App misst Internet-Tempo

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht eine Desktop-App zur Breitbandmessung. Mit ihr sollen Nutzer einfacher überprüfen können, ob ihr Internet-Anbieter auch liefert, was er verspricht.

Die Deutschlandkarten der Bundesnetzagentur deuten klar darauf hin, dass offenbar sehr viele deutsche Internet-Nutzer nicht die Download-Geschwindigkeiten haben, die ihnen der Anbieter eigentlich vertraglich zugesichert hat. Auf den Übersichtskarten werden für einzelne Anbieter die gemessenen Datenübertragungsraten sowie das prozentuale Verhältnis von gemessener zur vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate dargestellt. Viele Gebiete sind hellblau eingefärbt. Das bedeutet, dass dort wahrscheinlich nur zwischen 60 und 80 Prozent der versprochenen Downloadrate erreicht werden.

90 Prozent müssen es sein

Laut Bundesnetzagentur eine nicht vertragskonforme Leistung vor, wenn bei Festnetz-Breitbandanschlüssen im Download

- nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten Maximalgeschwindigkeit erreicht werden oder

- die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 Prozent der Messungen erreicht wird oder

- die vertraglich vereinbarte Mindestgeschwindigkeit an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird.

20 Messungen an zwei Tagen

Der Kunde muss das seinem Provider aber erstmal nachweisen. Um dies zu erleichtern, hat die Bundesnetzagentur jetzt eine Desktop-App vorgestellt. Nutzer sind so nicht mehr auf den Webdienst der Behörde angewiesen. "Mit der App ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit die erforderlichen Messungen durchzuführen und mit belastbaren Ergebnissen auf ihren Anbieter zuzugehen", sagt Bundesnetzagentur-Chef Jochen Homann.

Der Aufwand für den Kunden ist aber trotzdem noch recht hoch. Denn die Behörde hält es für erforderlich, "dass mindestens 20 Messungen an zwei unterschiedlichen Tagen vorgenommen werden." "Golem.de" weist auf eine Pressemitteilung des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hin. Darin heißt es, "dass das Messtool nicht automatisiert, sondern nur manuell laufen kann, macht es nicht sehr nutzerfreundlich."

Die Bundesnetzagentur hat dies allerdings bewusst gemacht, um eine höhere Rechtssicherheit zu gewährleisten. "Bei automatisierten Messungen können ungewollte parallele Datenverkehre auftreten, z. B. durch paralleles Streaming von Filmen, die einen negativen Einfluss auf die Messungen haben können", schreibt sie.

Hilfe beim Beschwerdeverfahren

Der vzbv sieht unabhängig von der Messmethode ein weiteres ungelöstes Problem: "Wenn Verbraucher eine Minderleistung feststellen, folgt daraus erst einmal nichts. Verbraucher können ihren Tarif nicht einfach mindern, wechseln oder kündigen, wenn der Anbieter sich nicht an den Vertrag hält. Hier ist der Gesetzgeber gefragt. Der vzbv setzt sich weiter für konkrete Rechtsmittel für Verbraucher ein."

Trotzdem können Kunden mit einer Messreihe die Grundlage legen, um etwas gegen einen Internet-Anbieter zu unternehmen, der nicht hält, was er verspricht. Unter www.breitbandmessung.de finden Nutzer nicht nur den App-Download, sondern auch ein Beschwerdeverfahren, dass die Netzagentur eingerichtet hat.

Quelle: n-tv.de