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Apples Plastik-Smartphone unterschätzt? Das iPhone 5C setzt Zeichen

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Das iPhone 5C bietet alte Technik in einem neuen Plastik-Design.

(Foto: kwe)

Das iPhone 5C zu besprechen, ist keine dankbare Aufgabe. Was soll man über eine rund ein Jahr alte Technik im neuen Plastikgewand schon schreiben? Doch wenn man es genau betrachtet, ist das bunte Gerät eine gute Gelegenheit, um über Sinn und Unsinn der aktuellen Smartphone-Entwicklung nachzudenken.

Einer Analyse von Localytics zufolge verkauft sich das iPhone 5C deutlich schlechter als das iPhone 5S. In China machten die bunten Plastik-Geräte in den ersten 72 Stunden nach der Veröffentlichung demnach nur neun Prozent der aktivierten neuen Apple-Smartphones aus. Am besten läuft das iPhone 5C mit einem Anteil von 24 Prozent noch in den USA, in Deutschland haben sich nur 14 Prozent für das Polycarbonat-Update des iPhone 5 entschieden.

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Bei seinem Plastik-iPhone hat Apple zurück zu runden Formen gefunden.

(Foto: kwe)

Ist doch logisch, möchte man sagen. Wer sollte auch leicht verbesserte ein Jahr alte Technik kaufen, wenn man für knapp 100 Euro mehr ein iPhone mit Metallgehäuse, Top-Kamera, 64-Bit-Chip und Fingerabdruck bekommen kann? Im Prinzip ist das natürlich richtig, aber ein schlechtes Sm artphone ist das iPhone 5C deswegen aber nicht. Seine einzige Schwäche ist eigentlich nur der hohe Preis.

Vier Zoll brauchen kein Full-HD

Tatsächlich ist das Plastik-iPhone technisch noch lange nicht überholt, es bietet nur nicht die allerneueste Technik. Würde man es testen, ohne zu wissen, dass es ein iPhone 5 im neuen Gewand ist,  wäre das Ergebnis durchweg positiv. Das Display beispielsweise gehört nach wie vor zu den besten Smartphone-Bildschirmen – nicht umsonst glänzt es auch unverändert im iPhone 5S. Die Darstellung ist brilliant, alle Inhalte stellt es gestochen scharf dar. Wen interessiert es, dass es kein Full-HD bietet? 1920 x 1080 Pixel sind für ein vier Zoll großes Display nicht nötig. Wichtig ist nur die Pixeldichte, die ein Bildschirm bietet, und da sind 326 ppi immer noch mehr als genug. Dazu kommt, dass vermutlich kein anderer Touchscreen so schnell und exakt reagiert wie der des iPhone.

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Mit dem iPhone 5C macht Apple Polycarbonat endgültig hoffähig.

(Foto: kwe)

Der A6-Chip des iPhone 5C ist nicht mal annähernd so leistungsstark wie der A7 im iPhone 5S. Doch mit Apples neuem Betriebssystem iOS 7 erledigt er derzeit noch die meisten Aufgaben ebenso zügig wie der neue Chip. Auch das zusammen mit dem iPhone 5C vorgestellte Spiel "Infinity  Blade 3" läuft auf dem Gerät fast ebenso gut wie auf dem iPhone 5S, nur im direkten Vergleich ist die grafische Überlegenheit des A7 an einigen Details zu erkennen. Auch die Kamera des iPhone 5C kann noch in der Oberklasse mitfotografieren und die verbesserte Frontkamera liefert in Videochats sogar wesentlich hellere Bilder als die des iPhone 5. Und um up to date zu bleiben, hat Apple den A6 für alle LTE-Frequenzen fit gemacht.

Funktion und Design wichtiger als Leistung

Das iPhone 5C ist das beste Beispiel dafür, dass die Smartphone-Technik in der Oberklasse einen Punkt erreicht hat, wo neuere, schnellere oder stärkere Komponenten für den Nutzer nicht zwangsläufig relevante Verbesserungen bedeuten müssen. Nicht erst künftig, sondern schon jetzt sind für die meisten Smartphone-Besitzer gute Software, praktische Funktionen und eine große App-Auswahl wichtiger als die für ein paar Monate neueste Hardware zu besitzen. Auch das Design eines Geräts spielt bei der Kaufentscheidung eine immer größere Rolle, je geringer die tatsächlichen Leistungsunterschiede werden.

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Die weichen Kunststoff-Cover sind etwas zu griffig, um das Smartphone problemlos aus der Hosentasche zu ziehen.

(Foto: kwe)

In einem Interview mit "Business Week" sagte Apples Design-Chef Jony Ive, ein gelungenes Design zeichne sich dadurch aus, dass der Nutzer es gar nicht mehr als solches erkenne. Dabei bezog sich der B rite sowohl auf das Geräte-Design als auch auf das Design der Software. Und Software-Chef Craig Federighi ergänzte, ein Gerät sei nur dann gut, wenn es das Leben vereinfache. Anders ausgedrückt: Wenn man ein Smartphone erst nutzen kann, nachdem man das Handbuch gelesen hat, ist es kein gutes Smartphone.

Samsung beispielsweise packt immer neue Funktionen in seine Top-Geräte, die zwar oft raffiniert, aber nicht immer intuitiv zu bedienen sind. "Pfeiffer Consulting" hat in einer Umfrage unter Normal-Nutzern festgestellt, dass iOS 7 knapp vor iOS 6 abschneidet. Samsungs Android-Lösung folgt erst mit weitem Abstand an dritter Stelle, aber noch vor Windows Phone 8 und Blackberry 10.

Vielleicht nicht erfolgreich, aber zukunftsweisend

Was das Geräte-Design betrifft, kann man beim iPhone 5C durchaus geteilter Meinung sein, ob Ive dies gelungen ist. Das Gerät liegt durch seine runden Formen jedenfalls sehr angenehm in der Hand und einen billigen Eindruck macht es nicht. Es ist solide verarbeitet, auch die Plastik-Tasten sitzen perfekt. Dazu ist das metallverstärkte Gehäuse recht schwer. Ives großer Verdienst ist aber, dass er Polycarbonat aus der Billig-Ecke geholt hat. Denn der hochwertige Kunststoff ist vermutlich das vernünftigste Material, in das man ein Smartphone hüllen kann: Es ist äußerst robust, leicht und für Antennen kein Hindernis. Dass Polycarbonat-Gehäuse hochwertig und schön sein können, haben vor allem schon HTC und Nokia bewiesen.

Ob das iPhone 5C ein Erfolg sein wird, ist zwar noch offen. Angesichts des zu hohen Preises wird es Apple aber voraussichtlich auch nichts nützen, dass das Gerät mit leicht verbesserter iPhone-Technik noch absolut konkurrenzfähig ist. Es stößt jedoch durch Ives radikale Design-Entscheidung möglicherweise für das Unternehmen ein Fenster in die Zukunft auf, wo es vielleicht mit ganz neu entwickelten Geräten punkten kann. Letztendlich ist das iPhone 5C aber auch ein Zeichen für die ganze Branche, weniger an Höchstleistungen, sondern an Bestleistungen zu arbeiten.

Quelle: n-tv.de