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Das Kamera-Glas des iPhone X ist hart - bricht aber offenbar leicht.
Das Kamera-Glas des iPhone X ist hart - bricht aber offenbar leicht.(Foto: kwe)
Dienstag, 29. Mai 2018

Luxus-Glas geht leicht zu Bruch : Das iPhone X hat ein teures Problem

iPhone-X-Nutzer klagen über Brüche im Kamera-Glas, die ohne äußere Einwirkung auftreten. Apple repariert defekte Geräte nicht, sondern tauscht sie aus - auf Kosten der Nutzer. Kommt nach "Bendgate" jetzt "Lensgate"?

Das iPhone X ist eines der teuersten Smartphones für den Massenmarkt, die es jemals gab. In Deutschland kostet es mindestens 1149 Euro - klar, dass die Käufer da höchste Ansprüche an Materialien und Verarbeitungsqualität haben. Doch ausgerechnet bei Apples Flaggschiff häufen sich jetzt Beschwerden über Risse in der Glasabdeckung der Kamera.

Saphirglas - kratzfest, aber brüchig?

Die Dualkamera auf der Rückseite des iPhone X schützt Apple mit einer Abdeckung aus Glas mit Saphiranteilen, das als besonders kratzfest gilt. Doch im Alltagseinsatz scheint dieses Saphirglas die hohen Anforderungen nicht immer zu erfüllen: Weil es so hart ist, bricht es offenbar auch schneller. "9to5Mac" berichtet von einer wachsenden Zahl von iPhone-X-Nutzern, die seit Beginn des Jahres in mehreren Diskussionen in Apples Support-Foren und bei Reddit ihrem Ärger über Risse und Brüche im Kamera-Glas ihrer iPhones Luft machen.

Dabei seien die Risse nicht etwa auf Stürze oder starke Temperatursprünge zurückzuführen, schreibt 9to5Mac. Nutzer aus Hawaii oder Malaysia, wo ganzjährig warmes Klima herrscht, berichten demnach ebenfalls von defekten Glasabdeckungen. Mehrere Nutzer betonen zudem, dass sie das Gerät in einer Schutzhülle getragen hätten, und dass es nie heruntergefallen sei.

Ob es andere Gründe für die Risse und Sprünge gibt, etwa Schlüssel, die in der gleichen Tasche getragen werden oder Druck oder Spannung, weil das Gerät etwa in der Gesäßtasche getragen wird, lasse sich schwer ermitteln, betont 9to5Mac. Offen ist auch, wie hoch die Zahl der Defekte tatsächlich ist. Da die Risse in vielen Fällen offenbar nicht direkt über den Kameraobjektiven auftreten und somit die Bildqualität nicht negativ beeinflussen, ist es möglich, dass es viele Nutzer gibt, die ihren Schaden nicht gemeldet haben. Andersherum betonen viele iPhone-X-Nutzer in den Diskussionen, bisher keine Probleme zu haben. 

Nach "Bendgate" jetzt "Lensgate"?

Wenn sich herausstellt, dass die Risse auf konstruktionsbedingte Mängel oder Schwachstellen beim Material zurückzuführen sind, könnte Apple nach "Bendgate" der nächste Skandal bevorstehen. Kurz nach der Veröffentlichung des iPhone-6-Duos im Jahr 2014 mehrten sich Beschwerden von Nutzern mit verbogenen Geräten. Erst vor wenigen Tagen waren Gerichtsdokumente aufgetaucht, die enthüllen, dass Apple offenbar schon vor dem Marktstart wusste, dass sich sein iPhone-6-Duo leicht verbiegen ließ.

Ähnlich könnte es auch beim aktuellen Fall sein: Saphirglas gilt zwar als kratzfest, soll jedoch schneller brechen als das häufig bei Smartphone-Displays verwendete Gorilla Glass. "Notebookcheck" zitiert einen Sprecher des Gorilla-Glass-Herstellers Corning, der im Jahr 2014 gefragt wurde, ob Apple in Zukunft für seine Smartphone-Displays auf Saphirglas statt auf Gorilla Glass setzen werde: "Saphirglas hat viele Nachteile. [...] Es ist zwar kratzfest, aber es bricht immer wieder." Das Portal fragt sich daraufhin: "Ist das der Anfang von 'Lensgate'?"

Wie auch immer die Schäden zustande kommen, besonders ärgerlich ist für iPhone-Nutzer, dass Apple eine Reparatur offenbar ausschließt und im Schadensfall gleich das ganze Gerät austauscht - allerdings auf Kosten der Nutzer. Laut "PC Games Hardware" berechnet Apple im Schadensfall den Preis für ein Austauschgerät bei einem "sonstigen Schaden", der in Deutschland bei 611,10 Euro liegt. Mit der Applecare-Plus-Garantie würden demnach immer noch 99 Euro fällig, Apple verbuche den Schaden zudem als eine "unabsichtliche Beschädigung",  die während der Laufzeit des Programms höchstens zweimal behoben werde.

Quelle: n-tv.de