Technik

Zu schön, um wahr zu sein Facebook-Freundin ist Spionin

Wie bringt man Menschen dazu, Geheimnisse zu verraten? Im Netz ganz einfach mit einem abenteuerlichen erfundenen Lebenslauf und Bildern einer schönen jungen Frau. Der Hacker Thomay Ryan hat das versucht - mit besorgniserregendem Erfolg.

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Nur wenige konnten der Freundschaftsanfrage dieser Frau widerstehen.

Robin Sage hat mit ihren zarten 25 Jahren schon einiges erreicht: Als Absolventin des elitären Massachusetts Institute of Technology (MIT) arbeitet sie als Analystin für Cybersicherheit bei der US-Marine und kann nebenbei auf zehn Jahre Erfahrung als Profi-Hackerin zurückblicken. Spätestens bei dieser Information hätten die Besucher ihres Facebook-Profils skeptisch werden müssen. Doch wahrscheinlich waren sie einfach zu sehr von den Fotos der hochintelligenten Überfliegerin abgelenkt. Zu allem Überfluss sieht Robin Sage nämlich auch noch richtig gut aus. Einen kleinen Makel hat das Wundermädchen allerdings: Außerhalb von Facebook, Twitter und Linkedin existiert sie nicht.

Die Dame ist eine Kunstfigur, geschaffen vom New Yorker IT-Experten Thomas Ryan. Der wollte mit der fiktiven Schönheit zeigen, wie leicht soziale Netzwerke zum Sicherheitsrisiko werden können. Der Beweis ist gelungen: Innerhalb eines Monats sammelte Robin Sage 300 zum Teil hochrangige Kontakte, vorrangig aus Militär und Wirtschaft – und manche erwiesen sich als ausgesprochen nützlich. Sie erhielt vertrauliche Informationen zu E-Mail-Adressen und Kontodaten, sie konnte Fotoalben einsehen und Beziehungsgeflechte entschlüsseln. Über das Fotoalbum eines US-Soldaten konnte sie dessen exakte – eigentlich geheime - Standortkoordinaten in Afghanistan ermitteln. Am Ende ihrer kurzen virtuellen Karriere erhielt sie sogar Jobangebote von Google und vom Rüstungskonzern Lockheed.

Erst denken, dann anfreunden

Den schnellen Kontakterfolg seines virtuellen Lockvogels führt Thomas Ryan auf dessen optische Reize zurück. Die Bilder für die Netzwerk-Profile sammelte er von einer US-Pornoseite. 82 Prozent der schnell gewonnenen "Freunde" waren männlich - kein Wunder also, dass Robin Sage zahlreiche Einladungen zum Abendessen absagen musste. Als Lehre aus dem Experiment empfiehlt Ryan das, was offenbar nicht oft genug wiederholt werden kann: "Im Netz freundet man sich nur mit Leuten an, von denen man weiß, wer sie sind."     

Quelle: n-tv.de

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