Technik

"Jede Kugel ist anders" Tausende schwärmen für Flipper

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Flipper-Fabrikant in zweiter Generation: Gary Stern, rechts.

Zocken an der Konsole, zocken am PC, zocken auf dem Handy. "Das ist nur eine Simulation", sagt Gary Stern, Chef des letzten Flipper-Herstellers weltweit. Das Monopol bringt dem US-Amerikaner Profit, andere scheuen das Risiko. Zu hoch sind die Kosten für Entwicklung und Bau, seit Videospiele dem klassischen Pinball-Tisch den Rang abgelaufen haben.

Verglichen mit den handlichen und technisch hochgerüsteten Spielekonsolen von Nintendo oder Sony wirken Flipperautomaten wie urzeitliche Ungetüme. Blinkende Metallkästen mit abschüssigem Spielfeld, über das eine Stahlkugel saust, immer wieder nach oben katapultiert von zwei Hebeln. Mechanisch, nicht digital. "Man kann auch auf einem Computer Flipper spielen, das ist aber nur eine Simulation, es ist nicht echt", sagt Gary Stern, der sich dem Überleben der Flipper verschrieben hat. Seine Firma in Chicago im US-Bundesstaat Illinois ist der weltweit letzte Hersteller der Kult-Automaten.

Bereits der Vater des 58-jährigen Stern war im Flipper-Geschäft tätig. Die ersten Flipperautomaten kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA auf und eroberten die Spielhallen. Generationen von Kindern und Jugendlichen fütterten die Maschinen mit ihrem Taschengeld und versuchten, die Kugel so lange wie möglich im Spiel zu halten und die Punktezahl auf neue Rekorde zu treiben.

Ende der 70er Jahre erhielten die Flipper Konkurrenz durch die ersten Videospiele wie Space Invaders oder Pac-Man, die zunächst ebenfalls als raumgreifende Automaten in den Spielhallen standen. Doch die Videospiele wurden immer ausgefeilter, bald konnten Nutzer die Konsolen in den eigenen vier Wänden einfach an den Fernseher anschließen. Mittlerweile passen sie als Applikationen auf Smartphones und damit in die Hosentasche. Für die Flipperautomaten bedeutete diese Entwicklung den schleichenden Tod.

Profitables Monopol

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Sterns Batman-Tisch.

(Foto: sternpinball.com)

Nach und nach mussten die Konkurrenten von Stern aufgeben und ihre Flipper-Fabriken dichtmachen. Die Verkaufszahlen fielen von rund 100.000 Automaten jährlich Anfang der 90er Jahre auf derzeit rund 6000. Durch die Alleinstellung am Markt ist Sterns Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 30 Millionen Dollar einfährt, durchaus profitabel. Denn eine kleine Gruppe von Flipper-Enthusiasten hält das Automatenspiel am Leben.

Seit seiner Neugründung im Jahr 2006 haben sich mehr als 10.000 Spieler im Internationalen Flipper-Verband IFPA zusammengeschlossen. Das seien so viele wie nie, sagt Josh Sharpe, Präsident des Verbandes und aktuelle Nummer sechs der Flipper-Weltrangliste. Im Keller hat der 31-Jährige 17 Flipperautomaten stehen, sein Trainingslager.

Gelegenheitsspieler würden einfach nur versuchen, die Kugel so lange wie möglich im Spiel zu halten, sagt Sharpe. Flipper-Profis würden dagegen strategisch vorgehen und die Kugel dorthin schießen, wo die meisten Punkte zu holen sind. Das Spiel der Profis, sagt er, sei eine Mischung aus "Schach und Golf".

Teure Entwicklung, teurer Bau

In den vergangenen Jahren machten immer wieder Gerüchte die Runde, dass andere Unternehmer in die Herstellung von Flipperautomaten einsteigen könnten. Sharpe glaubt aber nicht daran. Die Anschubkosten seien zu hoch, die Produkte zu komplex, der Markt zu klein, sagt er. Ein Rundgang durch die letzte Flipper-Fabrik in Chicago bestätigt die Skepsis. In jedem Gerät sind mehr als 800 Meter Draht verarbeitet, die Montage der rund 3500 Einzelteile nimmt mehr als 30 Stunden in Anspruch.

Auch die Entwicklung neuer Automaten kostet viel Zeit und Geld. Stern gibt rund 750.000 Dollar (540.000 Euro) für das Design eines neuen Spieles aus. Oft verwendet er geschützte Namen, etwa die Rockband Rolling Stones oder den Kinohit "Avatar", um eine breitere Zielgruppe anzusprechen - und muss dafür teure Lizenzgebühren zahlen.

Als künftiger Star in der Flipper-Wettkampfszene wird der 14-jährige Joshua Henderson aus der Nähe von Chicago gehandelt. Bei einem internationalen Turnier im US-Bundesstaat Pennsylvania belegte er im Sommer den fünften Rang und strich fast 10.000 Dollar (rund 7000 Euro) Preisgeld ein - die er gleich in einen Flipperautomaten im "Spiderman"-Design investierte. Wie andere Teenager hat auch Joshua Videospiele zuhause, doch das Flippern übt einen ganz besonderen Reiz auf ihn aus. Anders als in der virtuellen Welt kontrolliere er das Spiel mit seiner "physischen Kraft", sagt er. Außerdem sei ein Flipperautomat nicht vorprogrammiert: "Jede Kugel ist anders".

Quelle: n-tv.de, Mira Oberman, AFP

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