Technik

Nicht perfekt, aber schon ganz gut WePad wackelt sich weiter

In Berlin stellt die Entwickler-Firma Neofonie zum zweiten Mal den iPad-Konkurrenten WePad vor. Nach einer verpatzten Premiere ohne funktionierenden Prototypen, ist diesmal ein WePad in Aktion zu sehen. Perfekt läuft aber auch diese Vorstellung nicht.

Nicht mehr beim WeTab: Hoffer von Ankershoffen und neofonie.

Helmut Hoffer von Ankershoffen ist vom Stress der vergangenen Wochen gezeichnet. Das Vor-Modell, das er in den Händen hält, hat keinen Wackler.

(Foto: picture alliance / dpa)

Am 12. April hat sich Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen gründlich blamiert. Er präsentierte in Berlin keinen funktionieren iPad-Gegner. Die zu Dutzenden angereisten Journalisten sahen nur einen Tablet-Rechner, auf dem Windows 7 statt Linux lief. Wie das WePad arbeiten soll, wurde den überraschten Medienvertretern nur an Hand eines vorab produzierten Videos vorgeführt.

Diesmal sollte alles anders werden. Von Ankershoffen wollte ausgesuchten Journalisten und Vertretern der Fangemeinde endlich ein "richtiges" WePad zeigen. Und sie sollten es auch ausprobieren dürfen.

Linux läuft

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Die Steuerung via Touchscreen funktioniert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Anwesenden - unter ihnen n-tv-Netzreporter Moritz Wedel - sahen tatsächlich ein WePad, auf dem diesmal offensichtlich Linux und die WePad-Oberfläche installiert waren. Von Ankershoffen bediente das Gerät durch Berührungen, demonstrierte Multitasking, virtuelle Tastatur, Browser und einige andere Funktionen. Auch der USB-Anschluss arbeitet offenbar einwandfrei. Ein Flash-Video auf YouTube spielte ruckelig, aber es lief immerhin.

Die Windows-7-Scharte hat Von Ankershoffen damit ausgewetzt. Die präsentierte Hardware und einige offene Fragen lassen aber doch weiter zweifeln, ob die neu geschaffene WePad GmbH ihre ambitionierten Ziele erreichen kann: Ende Mai soll die Software fertig sein, im Juni soll die Roadshow starten, im August der Verkauf beginnen.

Die anderen müssen mitspielen

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Eigentlich nichts Besonderes, im Vergleich mit dem iPad aber wichtig: Mit USB-Geräten hat das WePad keine Probleme.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wegen eines angeblichen Wackelkontakts musste das WePad im Ständer bleiben. Multitouch und automatische Displayanpassung nach Drehung konnte von Ankershoffen nicht vorführen, da dafür zunächst Hersteller die Software anpassen müssten. Wenn also beispielsweise die OpenOffice-Gemeinde die Gratis-Suite nicht anpasst, ist es mit dem Schreiben in Quer- und Hochformat Pustekuchen.

Der 16:9-Bildschirm scheint noch nicht besonders brillant zu sein. Moritz Wedel fand ihn "bei weitem noch nicht auf dem Niveau des iPad". Von Ankershoffen versicherte allerdings, dass der finale Bildschirm keine "Mattscheibe" sein werde.

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Die virtuelle Tastatur ist etwas klein, aber es lässt sich ja ein USB-Keyboard anschließen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Etwas undurchsichtig waren auch diesmal die Aussagen des WePad-Chefs zu möglichen Partnern. Alle großen deutschen Verlage seien interessiert, ihre Inhalte aufs WePad zu bringen, behauptete er. Konkreter wurde er nicht. Außer Gruner + Jahr und dem Schweizer Ringier ist also noch kein weiterer Verlag sicher an Bord.

Was kann WeMagazine?

Inhalte von Printmedien sollen bequem über das von Neofonie entwickelte WeMagazine aufs WePad gebracht werden. Die Software soll direkt auf Redaktionssysteme zugreifen und Inhalte selbstständig umwandeln können. Das Problem, wie beim iPad Applikationen entwickeln zu müssen, würde damit entfallen. Die Demonstration dieser pfiffigen Software blieb der WePad-Chef allerdings schuldig.

Ob die zweite anvisierte Einnahmequelle sprudeln wird, ist auch noch zweifelhaft. So soll die WePad GmbH etwas von den Einnahmen abbekommen, wenn beispielsweise ein Online-Shop über sein WePad-Widget etwas verkauft. Shoppt ein Nutzer wie üblich mit dem Browser, gehen die Berliner leer aus.

Es könnte klappen

Trotzdem: Obwohl auch die zweite Präsentation noch etwas wackelig war, können WePad-Fans neue Hoffnung schöpfen. Wenn die technischen Probleme wie angekündigt in den Griff bekommen werden, kann der Berliner Tablet-Rechner durchaus eine Alternative zum iPad sein. Es würde Nutzern all jene Dinge bieten, die Apple iPad-Käufern vorenthält: USB- und HDMI-Schnittstellen, Kamera, Flash und freie App-Wahl. Und sollte WeMagazine halten, was es verspricht, dürften tatsächlich weitere Verlage von der Möglichkeit Gebrauch machen, Inhalte ohne Gängelei ins Web zu bringen.

Das WePad hat die Vorrunde überstanden. Mit der Roadshow beginnt im Mai die K.o.-Runde. Nicht nur die Fans sind schon sehr gespannt, in welcher Form sich das WePad präsentieren wird.

Quelle: n-tv.de

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